Konferenz in Berlin: Gipfeltreffen soll Elektromobilität in Schwung bringen

Elektroauto an einer Ladestation: "Weniger als die Nische in der Nische" Zur Großansicht
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Elektroauto an einer Ladestation: "Weniger als die Nische in der Nische"

Bis zum Jahr 2020 sollen in Deutschland eine Million E-Mobile unterwegs sein - an diesem Ziel halten Politik und Industrie fest. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält diese Prognose dagegen für illusorisch. Die Zahlen sprechen derzeit für den Zweifler.

Berlin - Der markigste Spruch zu den Erfolgsaussichten der Elektromobilität stammt immer noch von der Bundesregierung: Bis zum Jahr 2020, so die Prognose der schwarz-gelben Koalition, werden eine Million E-Mobile auf Deutschlands Straßen fahren. Zum Auftakt der Elektromobilitätskonferenz in Berlin hat der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität, Henning Kagermann, diese Losung noch mal bekräftigt: "Das Ziel ist erreichbar", sagte Kagermann am Montag im ZDF-"Morgenmagazin".

Notwendig hierfür seien aber günstige Rahmenbedingungen: Die wichtigsten Faktoren seien "der Ölpreis, der Strompreis, und wie billig die Batterien dann sein werden". Ein um 20 Prozent niedrigerer Preis für Batterien bis 2020, da ist sich Kagermann sicher, "würde 250.000 mehr Autos bedeuten".

Von staatlichen Prämien für den Kauf von Elektroautos hält er nichts. Deutschland verfolge "einen anderen Ansatz", sagte er im "Morgenmagazin". Öffentliche Beschaffungsprogramme und Sonderabschreibungen "können eine ganze Menge bringen". Dies hätten Modellrechnungen gezeigt. "Hochlaufen" solle der Markt bis zum Jahr 2017, sagte Kagermann.

"Weniger als die Nische in der Nische"

Solche Prognosen hält der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer für "fast schon zynisch". Grund dafür sind die jüngsten Zulassungsstatistiken, wonach im vergangen Jahr gerade mal 3438 Elektroautos und Plug-in-Hybride angemeldet wurden - das entspricht laut Dudenhöffer einem Marktanteil von 0,11 Prozent.

Eine Besserung ist laut seinen Hochrechnungen auch 2013 nicht in Sicht: Nachdem in den ersten vier Monaten rund 1500 Stromer zugelassen wurden, sagt er für das Gesamtjahr einen Marktanteil von 0,13 Prozent voraus. "Das ist weniger als die Nische in der Nische", so Dudenhöffer. Es fehle eine Ladestruktur, zudem gebe es Probleme bei den Reichweiten von Elektroautos. Außerdem seien die Elektroautos noch viel teurer als herkömmliche Fahrzeuge.

Nicht nur in Deutschland kommt die Elektromobilität schleppend in Gang: Erst am Wochenende meldete Better Place, ein 2008 in Israel gegründetes Unternehmen für Elektroautos, Insolvenz an. Better Place vermarktete gemeinsam mit Renault Elektroautos. Dafür hatte es begonnen, in Israel ein Netz von Stationen für den Austausch von Batterien aufzubauen, um so den Nachteil der mangelnden Reichweite von Elektroautos zu überwinden. Better Place war auch in Dänemark aktiv.

Zuletzt hatte das Unternehmen Millionenverluste zu verkraften - die Zahl der tatsächlich verkauften Autos waren weit hinter den Planungen zurückgeblieben. Die Kosten seien zu hoch gewesen, hieß es. Vor Better Place ging in diesem Jahr bereits der US-Elektroautobauer Coda Pleite, außerdem musste der Hersteller Fisker einen Großteil seiner Mitarbeiter entlassen.

VW-Chef glaubt an die Million

Trotz solcher Hiobsbotschaften glaubt auch der Chef des Volkswagen-Konzerns, Martin Winterkorn, weiterhin an die Elektromobilität und das Eine-Million-Ziel der Bundesregierung. "Ich bin davon überzeugt, dass das gelingen kann", sagte Winterkorn der "Bild am Sonntag". Dazu seien aber vor allem infrastrukturelle Maßnahmen nötig. Er denke etwa an den weiteren Ausbau des Elektro-Tankstellen-Netzes oder eine extra Fahrspur auf mehrspurigen Straßen, die nur Elektrofahrzeuge benutzen dürfen.

Zur Konferenz "Elektromobilität bewegt weltweit" am Montag und Dienstag kommen Vertreter von Unternehmen, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik auf Einladung der Bundesregierung in Berlin zusammen, um über "Potentiale und Herausforderungen" der Elektromobilität zu diskutieren.

cst/afp/dpa

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insgesamt 86 Beiträge
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1. 100% Wachstum über 8-9 Jahre
Mannheimer011 27.05.2013
Bei 3500 E-Autos in 2012 müsste sich der Absatz bis 2020 einschließlich jährlich verdoppeln, um das Ziel zu erreichen. Die gezeigte Verdoppelung bedeutet aber, dass das Anfang 2020 erst 500.000 Autos auf der Straße sind. Je nach Interpretation "bis 2012" wird selbst bei Verdoppelung das Ziel nur halb erreicht. Aber Herr Ramsauer wurde auch wieder sehr optimistisch zitiert, diese Tage. Dann kann ja nichts schiefgehen. Vielleicht wird ja eine E-Auto-Steuer auf Mineralöl eingeführt, um den Absatz anzukurbeln...
2. Will der Staat das wirklich?
caligus 27.05.2013
1 Millionen E-Fahrzeuge sollen es nach Staates Willen bald sein ... große Worte, aber keine Substanz dahinter. Eine Förderprämie für E-Fahrzeuge wird noch immer abgelehnt. Dafür wird darüber nachgedacht, E- Firmenfahrzeuge steuerlich zu subventionieren. Weshalb Firmenfahrzeuge begünstigt werden sollen, der private Konsument hingegen nicht, erschließt sich keinem gesunden Menschenverstand. Wo werden von Staates wegen Ladestationen aufgebaut? Nirgends! Werden die Firmen verpflichtet, bei ihren Parkplätzen/Parkhäusern solche zu installieren? Fehlanzeige! Welche kleine Familie kann sich ein E-Fahrzeug leisten? Der Vater oder die Mutter fährt damit zur Arbeit, aber das gleiche Auto muss auch am Wochenende oder im Urlaub Langstrecken bewältigen können. Also nur als Zweitwagen möglich ... aber wer soll das bitte zahlen? Die Autos sind viel zu teuer, womit wir wieder bei der Förderung sind, die es in anderen Ländern längst gibt.
3.
picard95 27.05.2013
Relativ viele Leute können "nur" ein Auto unterhalten und dieses muss dann sowohl für den Arbeitsweg taugen, die Einkäufe verstauen und die Familie zu Verwandten sowie ggf. in den Urlaub. Auch wenn ein E-Auto als Zweitwagen angeschafft wird, benötigt Wagen 1 eine meist jährliche Inspektion, kostet Kfz-Steuer, das Material altert (auch wenn der Verschleiss wie z.B. Stossdämpfer minimiert wird). Die Reifen altern auch, die Bremsen rosten vor sich hin. An sich lohnt sich ein reines E-Auto vom Fahrprofil her nur für die Stadtleute, die meistens auch mit dem ÖPNV ganz gut fahren könnten. Aber Stadtmenschen mit einer Auflademöglichkeit für ihr Auto sind auch nicht der Regelfall. Für Kurzstreckenpendler im Bereich 20-40Km, die etwas ausserhalb der Stadt wohnen und den Wagen nachts aufladen können, würde ein E-Auto für den Arbeitsweg taugen. Nur leider ist ein E-Auto nicht gerade preiswert in der Anschaffung und/oder ein Schuhkarton mitohne Platz. Ich habe mein Fahrprofil studiert und bin zu der Überzeugung gekommen, dass ein Toyota Prius (nicht die Plugin Version) für mich die wirtschaftlichste Alternative wäre: - ich wohne etwas ausserhalb, habe aber keine Möglichkeit den Wagen nachts aufzuladen. Der Plugin Prius würde mir also nichts nutzen. - Der Arbeitsweg besteht aus Bundesstrasse und Stadtverkehr; gerade im letzteren könnte der Prius enorme Mengen an Benzin einsparen. - Meine Autobahnstrecken Lübeck-Berlin sind kein Problem; nur Lübeck-Ingolstadt bin ich mir nicht sicher, da der Prius nur maximal 180 Km/h fährt. Aber notfalls kann ich ein- bis zweimal im Jahr auch einen Mietwagen holen für die Strecke. Oder es kommt doch ein allgemeines Tempolimit. Dann kann ich auch mit dem Prius schleichen. Aber reine E-Autos? Ich sehe da abseits von großverdienenden Randgruppen noch keinen Absatzmarkt.
4. und täglich grüßt das Murmeltier
Robert_Rostock 27.05.2013
Zitat von sysopDPABis zum Jahr 2020 sollen in Deutschland eine Million E-Mobile unterwegs sein - an diesem Ziel halten Politik und Industrie fest. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält diese Prognose dagegen für illusorisch. Die Zahlen sprechen derzeit für den Zweifler. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektromobilitaetskonferenz-in-berlin-a-902071.html
... und wieder mal wird von "Elektromobilität" gesprochen und ausschließlich der Elektro-PKW gemeint. Wieder mal wird völlig ignoriert, dass Elektromobilität seit Jahrzehnten Alltag ist. Dass jeden Tag Millionen Leute mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen zur Arbeit, zum Einkaufen, in den Urlaub fahren.
5. Steuerausfall?
the_rover 27.05.2013
Na dann schauen wir mal, wie eine Million Elektroautos sich auf die KFZ- und Mineralölsteuereinnahmen auswirken. Wetten, dass die KFZ-Steuerbefreiung beendet wird und auf "Fahrstrom" Mineralölsteuer erhoben wird, wenn diese Fahrzeuge einen signifikanten Anteil am Fuhrpahrk erreicht haben!
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Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).
Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera

Fotostrecke
Elektroautos im Aufwind: Modelle und Meilensteine

Im ABC finden Sie Erklärungen zu allen wichtigen Stichworten von Auto- oder Flüssiggas bis Wasserstoff:



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