Elektromotorrad Johammer J1 Wir können auch anders

Stromer oder nicht? Die meisten Elektromotorräder sind nicht als solche zu erkennen, sie sehen aus wie ihre Verbrenner-Geschwister. Ein echtes Problem, findet das österreichische Start-Up-Johammer. Und hat ein ganz, ganz anderes E-Bike designt.

Von Christian Frahm

Johammer e-mobility

Es ist so ganz anders als die anderen. Die Rückspiegel erinnern an die Fühler eines Insekts, das Chassis an eine Erdnuss, die Wellblechbeplankung an Junkers-Flugzeuge aus den dreißiger Jahren. Zum Glück steht die Johammer J1 auf zwei Rädern, so ahnt man wenigstens, dass es sich um ein Motorrad handelt.

Das österreichische Unternehmen Johammer mit Sitz in Bad Leonfelden baut umweltfreundliche Zweiräder. Solche wie das Modell J1, ein Motorrad mit Elektroantrieb, das nicht nur außergewöhnlich aussieht, sondern auch zu hundert Prozent recyclebar ist.

Ein Ansatz, der grundlegend ist für die Firma. "Alle Rohstoffe dieser Erde sind begrenzt", sagt Geschäftsführer Johann Hammerschmid. "Wenn wir wertvolle Rohstoffe verwenden, müssen die daraus hergestellten Produkte so designt sein, dass eine möglichst lange Nutzungsdauer gegeben ist."

Das Johammer J1 ist kein weiterer Prototyp aus der Reihe toller Ideen, die man mal umsetzen müsste. Es wird in Serie gehen. Als Antrieb kommt eine E-Maschine mit einer Leistung von 11 kW (15 PS) zum Einsatz, die das Bike auf eine Höchstgeschwindigkeit von elektronisch begrenzten 120 km/h beschleunigt. Derzeit gibt es zwei Ausführungen: Das J1.150 verfügt über eine Akku-Kapazität von 8,3 kWh, wiegt 159 Kilo und hat eine Reichweite von 150 Kilometern. Das J1.200 bringt es durch einen Akku mit 12,7 kWh Speicherkapazität auf ein Gewicht von 178 Kilogramm, hat dafür aber auch eine Reichweite von 200 Kilometern.

Kein Cockpit, aber vier Scheinwerfer

Laden lässt sich der Akku an jeder Haushaltssteckdose. Je nach Modell dauert das zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden, mit Schnelladefunktion maximal 80 Minuten. Johammer garantiert den Käufern eine Batterie-Lebensdauer von 200.000 Kilometern. Danach treten die Akkus in ihr "zweites Leben" ein: In einer sogenannten Second-Life-Nutzung werden sie als stationäres Speichermedium für Photovoltaik-Anlagen weiterverwendet.

Ein herkömmliches Cockpit am Lenker gibt es bei diesem Motorrad nicht. Stattdessen werden alle wichtigen Fahr-, Zustands- und Warninformationen auf 2,4 Zoll großen, hochauflösenden Farbdisplays angezeigt, die in die Rückspiegel integriert sind. Auf der anderen Seite der Spiegel sind Scheinwerfer und Blinker angebracht, zwei weitere Scheinwerfer befinden sich oberhalb des Vorderrads.

Den Großteil der Komponenten konstruierte Johammer selbst. Besonders anspruchsvoll war die Entwicklung des rund 70 Kilo schweren Akkus aus insgesamt 1200 einzelnen Lithium-Ionen-Batterien. "Da die am freien Markt verfügbaren Komponenten nicht unseren Ansprüchen genügten, mussten wir fast überall selbst Hand anlegen", sagt Ingenieur Lukas Geymayer. "Auch die Produktionstechnik für die einzelnen Komponenten kommt aus unserem Haus."

Zum Ausprobieren gibt's eine Tagestour durch Oberösterreich

Vier Jahre dauerte die Entwicklung, nun hat die Produktionsphase begonnen und die ersten sieben Johammer-Exemplare werden in den nächsten Tagen ausgeliefert. Derzeit plant Johammer mit einem Jahresabsatz von 50 Motorrädern pro Jahr - falls das klappt, wäre die Firma nach eigenen Angaben in sechs Jahren in der Gewinnzone angelangt.

Die Modelle kosten je nach Akkukapazität 23.000 oder 25.000 Euro. Das ist eine Menge Geld, weshalb Johammer eine spezielle Marketingidee ausprobiert: Für 290 Euro bietet das Unternehmen eine Johammer-Tagestour durch Oberösterreich an. Frühstück, Getränke, Tourbegleitung und ein voll geladener Akku sind inklusive.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 111 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schmusel 25.04.2014
1. Batman hat angerufen:
Er möchte sein halbes Batpod wieder haben!
tailspin 25.04.2014
2. mal was anderes
Der Fahrer sieht aus, als ob er rueckwaerts faehrt. Zumindest ist die Schwinge mit dem Hinterrad vorne montiert. Ausserdem sitzt er nicht hinter der Verkleidung sondern auf der Verkleidung Zur Verwirrung der anderen Verkehrsteilnehmer?
TKOlit 25.04.2014
3.
Schön ist anders. Das Ding sieht wie eine Nacktschnecke auf 2 Rädern aus.
Tastendruecker 25.04.2014
4. Nix
Habe die Teile bereits vor 1 Jahr als Protoypen gesehen und mein Kleiner hat sogar probe gesessen. Sind ganz witzig und in der Realität sehen sie auch meiner Meinung nach recht gut aus. Eben mal was anderes. Die Prototypen hatten auch einen recht coolen Klang der durch das Getriebe erzeugt wurde. Da die beiden Geräte unterschiedlich klangen hat der Hersteller hier noch experimentiert, aber das die Räder einen charateristischen Klang haben sollten wurde bestätigt. Ich wünsche dem Hersteller alles Gute und würde mich freuen ab und an so ein Krad auch auf der Strasse zu sehen bzw. vielleicht sieht man sich dieses Jahr wieder auf einer Ralley :-). Ciaoooo Tastendrücker
herrwestphal 25.04.2014
5. Eine ...
... Schwalbe mit Hirschlenker. Ich schätze die Marktchancen als wenig aussichtsreich ein, zumal bei dem (Jo)Hammer Preis. Trotzdem, viel Glück!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.