Elektronische Ampel-Erkennung Ein Assistent sieht Rot

Die Warterei an Ampeln gehört zum nervigsten Teil beim Autofahren. Einige Fahrzeughersteller arbeiten deshalb an einem Assistenten, der die Grünphasen vorhersagt und für freie Fahrt sorgt. Bis zur Serienreife steht aber noch ein zähes Ringen mit den Behörden bevor.

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Von , Leipzig


Vor der Kurve geht der Fahrer des hellblauen BMW 7er plötzlich vom Gas. In Schleichfahrt folgt der Luxuswagen der Biegung, während auf der Nachbarspur ein Kurierfahrer vorbeihetzt. Wenige hundert Meter später steht der Lieferwagen vor einer roten Ampel, auf die der BMW-Fahrer immer noch in gemächlichem Tempo zurollt. Mit rund 30 km/h passiert er genau in dem Moment die Haltelinie, in dem das Lichtsignal auf Grün umspringt. Den Schwung nutzt die Fuhre nun, um zügig wieder Fahrt aufzunehmen.

Die Punktlandung war kein Zufall. Die Empfehlung für das passende Tempo lieferte ein neuer Assistent, den der Münchener Autobauer zurzeit in Leipzig und Umgebung testet. Statt der Karte des Navi-Geräts in der Mittelkonsole ist ein Tachometer auf dem Display zu sehen und mehrere Punkte, die anzeigen, ob die auf der Route liegende Ampel die Fahrt frei gibt oder gerade Rot zeigt - und wann der Lichtwechsel erfolgt.

Auf dem Tachosymbol lässt sich die empfohlene Geschwindigkeit für die Grünphase ablesen. Passt der Fahrer sein Tempo geschickt den Vorgaben an, hat er automatisch eine sogenannte grüne Welle und kommt flüssig voran. Sollte er doch einmal zum Halten gezwungen sein, zeigt der Bordcomputer die verbleibende Wartezeit an.

Die Ingenieure versprechen sich von dem elektronischen Helfer nicht allein eine flüssige Fahrt, sondern auch einen spürbaren Effekt für die Umwelt, von der zusätzlichen Sicherheit im Straßenverkehr einmal abgesehen. Denn die Aussicht auf eine grüne Welle sorgt nicht nur für Gelassenheit bei staugeplagten Autofahrern, sie hilft auch, Sprit zu sparen. Wer nämlich rechtzeitig Gas wegnimmt, muss die wertvolle Energie vor der Ampel nicht per Bremseingriff in Rauch auflösen und anschließend wieder neu beschleunigen.

Allein beim Anfahren stößt ein Auto durchschnittlich fünf Gramm CO2 aus - macht hochgerechnet auf den gesamten Fahrzeugbestand und die gut 60.000 Anlagen in Deutschland 15 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, etwa 20 Prozent des gesamten Ausstoßes.

Bis zu zwölf Prozent Spritersparnis möglich

Der Ampelassistent gilt unter den Entwicklern deshalb als besonders wirksames Mittel zur Erschließung des Spritsparpotentials. Zwischen drei und zwölf Prozent seien möglich, sagen Experten. Kein Wunder also, dass außer BMW auch die Konkurrenten von Audi, Toyota und Volvo intensiv an der Technik arbeiteten. In Tokio haben die Japaner bereits eine Testflotte im Einsatz, deren Navigationssystem mit einer solchen Zusatzfunktion ausgerüstet ist, in Ingolstadt spüren Audis roten Ampeln nach.

Versuchsleiter Ulrich Fastenrath sieht BMW trotzdem in der Vorreiterrolle. Denn anders als die Konkurrenten kommen die Münchner ohne zusätzliche Installationen an den Ampelanlagen aus. Die Audis beziehen ihre Informationen über Zeitpunkt und Dauer der Rotphase von einem eigens installierten Sender per W-Lan oder UMTS. Toyota benötigt für den Datenempfang Infrarotsender.

BMW setzt dagegen auf eine Software-Lösung: "Unser Ziel ist es, die bei den Verkehrsämtern gespeicherten Kenndaten der Ampeln möglichst flächendeckend zu erfassen", erklärt Fastenrath. Im Idealfall würde der Assistent also jede Ampel kennen und auch genau wissen, ob sie gerade Rot, Gelb oder Grün anzeigt - und wie lange es dauert, bis sie umspringt. Mit Hilfe des im Auto installierten GPS-Systems ließe sich dann die Geschwindigkeit errechnen, die erforderlich sei, um die jeweilige Grünphase zu erwischen. Anders als die teuren technischen Einrichtungen seien die notwendigen Daten im Prinzip bereits vorhanden, fügt der Entwickler hinzu. Die Herausforderung bestehe darin, sie entsprechend aufzubereiten.

Zähes Ringen mit den Behörden

So einfach wie es zunächst klingt, ist es dann aber doch nicht. Denn für die Ampeln sind die Verkehrsämter der einzelnen Kommunen zuständig, die auch den Rhythmus von Rot- und Grünphasen bestimmen. Die Daten aber gelten bei den Behörden in der Regel als Verschlusssache, vor allem Datenschützer beobachten jede Freigabe mit Argusaugen. "Die Konstellation macht die Erfassung der Daten recht aufwendig", räumt Fastenrath ein. Vor allem, weil man sich mit jeder Kommune gesondert einigen müsse.

Trotzdem ist Fastenrath zuversichtlich, die Ämter zu einer Zusammenarbeit bewegen zu können. "Kommunen und Gemeinden haben selbst ein großes Interesse daran, den Verkehrsfluss zu steuern", erklärt der BMW-Mann.

Erste Anfänge einer systematischen Erfassung gibt es bereits - mit dem sogenannten Mobilitätsdaten-Marktplatz des Bundesverkehrsministeriums. Hier sollen sich - so planen es die Initiatoren - Anbieter von Daten, die in welcher Form auch immer mit Mobilität zu tun haben, mit Interessenten treffen, die sie für ihre Dienstleistungen verwenden wollen. Dazu gehören Staumelder ebenso wie Verspätungsmeldungen der Deutschen Bahn oder die Fahrpläne der öffentlichen Nahverkehrsverbände. Und natürlich auch Daten, die die Ampelanlagen betreffen.

Marktplatz für Verkehrsdaten

Die Seite befindet sich allerdings erst im Aufbau. In den kommenden Jahren, so das Versprechen, soll hier ein lebhafter Austausch entstehen und Material für dynamische Navigatoren liefern, die sogar bei der Planung der Reise mit verschiedenen Verkehrsmitteln helfen.

Wann der Ampelassistent auf den Markt kommt, vermag auch Fastenrath noch nicht vorauszusagen. "Wir kooperieren mit einigen Gemeinden, aber derzeit ist der Ampelassistent noch ein Forschungsprojekt." Im nächsten Schritt müsse der Konzern über die Entwicklung entscheiden.

Wenn dann noch genügend Gemeinden ihre Ampeldaten zur Verfügung stellen, wäre die Basis für die Markteinführung breit genug. Im Klartext: Es dauert noch eine ganze Weile, bis der kleine elektronische Helfer dem Fahrer die Grünphasen voraussagt.



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widower+2 30.05.2013
1. Verkehrssicherheit?
Dass ein solches System die Verkehrssicherheit erhöht, wie im Artikel zum Ausdruck gebracht, möchte ich doch sehr bezweifeln. Das wäre frühestens dann möglich, wenn die überwiegende Mehrheit der Fahrzeuge ein solches System an Bord hat. Davor wird es wohl eher das Gegenteil bewirken, wenn die Luxuskarossen vor einem ohne ersichtlichen Grund auf 30 km/h verlangsamen und so für steigenden Blutdruck bei den Fahrern dahinter sorgen.
nunu-na 30.05.2013
2. Steigende Unfallgefahr
Und alle anderen Fahrer, die eine solche Technik noch nicht hätten, sollte sie es irgendwann zur Marktreife schaffen? Würde mir vor der Nase einer, wie im geschilderten Beispiel, plötzlich ohne für mich ersichtlichen Grund das Schleichen anfangen, kriege ich doch die Krise. Viele würde den Schleicher sicher auch noch überholen, was soll man auch hinter so einer Schnecke? Insgesamt klingt das für mich eher nach einer Behinderung im Verkehrsfluss als nach einer Bereicherung. Ein paar Sekunden an einer Ampel zu stehen ist doch auch gar nicht so schlimm.
Kauwi 30.05.2013
3. Restrot-Anzeige
Einen ähnlichen Effekt könnte man mit einer vernünftigen Anzeige der verbleibenden Dauer der Rotphase erreichen, so wie in anderen Ländern üblich. Aber nein, dann kann man ja keine teuere Technik in die Autos einbauen...
peter-k 30.05.2013
4. Fahrkabine
Natürlich muss die Benzinersparnis mal wieder her halten. Der wahre Grund ist aber ein ganz anderer. Wer es trotz der Präsentation der neuen S Klasse immer noch nicht glaubt, hier sollte wirklich für jeden sichtbarer Beweis sein: Wir sind der automatischen Fahrkabine viel näher als uns die Autobauer verraten. Der Rest ist mehr ein Akzeptanz-Problem als ein technisches. Leute, erfeut Euch des Fahrens solange Ihr's noch dürft. Und noch 'ne Frage: Warum sind Ampelkenndaten geheim und unterliegen dem Datenschutz? Peter Kroll, Singapur
felisconcolor 30.05.2013
5. es gibt eine
einfachere Lösung nett sich Grüne Welle. Aber die ist von den Gemeinden nicht gewollt. Jetzt mit einem Grünphasenassistenten zu kommen ist ein schlechter Scherz. Die Grüne Welle ist von den Städten nicht gewollt, weil sie damit direkt oder indirekt ihren ÖPNV unterstützen. Umweltschutz ist da nicht gewollt. Wie schon beschrieben könnten allein dadurch 12% Sprit und also auch Abgase vermieden werden. Aber lieber Grüne Plaketten an Benzinautos kleben. Kafka hätte es nicht schöner schreiben können
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