E-Roller-Test beim Pizzadienst: Die Rechnung geht auf

Von Jochen Vorfelder

E-Roller-Test bei Joey's Pizza: Teigfladen unter Strom Fotos
Jochen Vorfelder

Seit fünf Monaten testet der Hamburger Pizzadienst Joey's, ob man den Lieferservice auf Stromantrieb umrüsten kann. Erste Ergebnisse: Elektro rechnet sich, die Fahrer lieben die E-Scooter. Doch bald kommt der Winter - der Todfeind aller Akkus.

"Eine Pizza muss warm, knusprig und schmackhaft sein, wenn sie zum Kunden kommt", verrät Karsten Freigang sein Verkaufsgeheimnis. Freigang ist Geschäftsführer bei Joey's Pizza Deutschland, und wenn alles gut läuft, kann er den drei Attributen seiner Pizzen demnächst noch ein weiteres hinzufügen: "Wir wollen unsere Pizzen in Zukunft weitgehend CO2 - und klimaneutral ausliefern", sagt er.

Seit Anfang April 2012 läuft ein Feldversuch mit verschiedenen Elektrofahrzeugen, an dem Joey's, eine Filiale in Hamburgs Innenstadt am Valentinskamp und Eon als Strom- und Logistiklieferant beteiligt sind. "Seitdem haben wir einen Citroën Zero-E, einen Fiat 500E, seit kurzem einen Twizy von Renault und hauptsächlich sechs E-Roller gefahren", zählt Kerami Özcelik auf, der in Hamburg neben dem Valentinskamp noch fünf andere Standorte betreibt.

In den Valentinskamp wird von E.on Starkstrom geliefert, der "zu 100 Prozent" aus Wasserkraftwerken des Konzerns in Bayern stammt. Karsten Freigang zieht nach vier Monaten Testphase eine erste, vorsichtige Zwischenbilanz: "Bisher nur positiv. Wir weiten den Test jetzt aus. Es kommen andere Standorte, zum Beispiel in einer gebirgigen Gegend, und weitere Fahrzeuge hinzu."

Für Joey's Pizza und seine Franchise-Unternehmer wäre die zukünftige Elektrifizierung des Fuhrparks nicht nur eine kluge Marketingmaßnahme, sondern vor allem ein kühles Rechenexempel: Von den bundesweit 190 Joey's-Standorten liegen die meisten in städtischem Gebiet. Die Lieferwege sind relativ kurz; Automobile kommen meist nur bei Massenbestellungen und im Umland zum Einsatz.

Downtown sind - von den ökologisch unschlagbaren Vorzügen des Fahrrads abgesehen - Scooter die idealen Transportmittel. Ob die getesteten Kleinwagen wie der E-Cinquecento oder der Citroën Zero-E in Zukunft weiter zum E-Fuhrpark zählen, ist eher fraglich. Sie sind in der Anschaffung oder im Leasing schlichtweg noch zu teuer.

30.000 Kilometer für heiße Ware

"Für einen guten Standort fahren mindestens zehn Roller", sagt Kerami Özcelik. Er setzt darauf, dass ihn der Einsatz eines E-Scooters nach spätestens 20 Monaten billiger kommt als das Fahren mit einem konventionellen Benziner: Die Initialkosten - also die Anschaffung eines E-Rollers - sind mit 4000 Euro rund 2500 Euro teurer als bei einem Verbrenner. Danach produziert der E-Roller bei einer realistischen Laufleistung von etwa 30.000 Kilometer pro Jahr, bei einem Verbrauch von 5 Kilowattstunden auf 100 Kilometern und einem Strompreis von 0,21 Euro pro Kilowattstunde unterm Strich 0,0105 Euro Kosten pro Kilometer und Jahr - und ist dann pro gefahrenem Kilometer 0,05 Euro günstiger als ein Benziner.

Nach etwa 20 Monaten Laufzeit hat der Stromer die höheren Anschaffungskosten also bereits eingefahren und liegt ab da im Plus. "Da spielen natürlich Variablen wie Werkstatt und Wartung auf beiden Seiten rein. Aber klar ist auch, dass sich der entscheidende Kostenfaktor bei den E-Rollern, der Preis für die Batterien, in den nächsten Jahren massiv nach unten bewegen wird", sagt Özcelik. Er würde nach den ersten 100 Tagen Erfahrung lieber heute als morgen umrüsten: "Wenn die Roller halten."

Auch Fabian Mehlhorn will seinen E-Roller am liebsten nicht mehr hergeben. Pizzabote Mehlhorn macht seit Beginn des Jahres eine Ausbildung zum Systemgastronomen; er ist täglich mit den Scootern unterwegs. "Wir finden die E-Teile super. Der Twizy ist einfach cool, aber die meisten Vorteile für uns Fahrer haben die Roller", berichtet der 19-Jährige. "Stinken nicht mehr, sind schön leise und die Leute auf der Straße gucken nicht so genervt, wenn wir uns beim Liefern noch irgendwo zum Parken hinquetschen." Besonders gut findet er, dass die Fahrten zur Tankstelle und das leidige Abrechnen der Belege entfällt: "Die Roller gehen nachts an die Steckdose und nachmittags, wenn wir bisschen Luft haben, wird nachgeladen."

Bisher hatten Mehlhorn und seine Kollegen mit den drei verschiedenen Testrollern von Govecs, Emco und Akumoto noch keine gravierenden Probleme: "Am Anfang sind wir ein paar Mal liegen geblieben. Das lag aber an uns, weil wir nicht rechtzeitig an die Steckdose ran sind." Den Govecs-Roller ist er gerne gefahren, da hat die Sitzhaltung und die Qualität gestimmt, sagt er. Den hätte er gerne wieder für die kommende Härteprüfung: Herbst und Winter.

Wie sich die E-Roller und die Akkus bei Kälte und Dauernässe machen, fragen sich bange nicht nur Mehlhorn, sondern auch die Chefs bei Joey's. Der kleine Unterschied: Mehlhorn hat Angst vor kalten Fingern und Schnupfen. Freigang und Özcelik fürchten eine teure, fatale Fehlinvestition.

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insgesamt 63 Beiträge
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1. E-Roller machen süchtig :-)
caligus 22.08.2012
Ich selbst habe mir für den "Nahverkehr" einen E-Roller zugelegt (den Silenzio 45 von e-sprit). Das lautlose, aber zügige Dahingleiten macht wirklich süchtig, vor allem, weil es praktisch nichts kostet (außer den Anschaffungskosten versteht sich) und auch Wartungskosten bei einem Elektromotor natürlich sehr viel geringer ausfallen, weil es da nicht viel zu warten gibt. Das Batterieproblem im Winter habe ich bei meinem Roller aber nicht, denn hier werden LiFePo-Akkus (Lithium-Eisen-Phosphat) eingesetzt. Diese haben eine Menge Vorteile, z.B., dass ihnen die Kälte so gut wie nichts ausmacht. Völlig genial an diesen Akkus finde ich, dass diese gerade mal 3 Stunden brauchen um wieder voll zu sein und weiterhin eine prognostizierte Lebensdauer von über 8 Jahren haben. Ich bin voll und ganz zufrieden.
2. l
berndine 22.08.2012
Wieviel hast du für den E-Roller bezahlt? Und wie sieht es mit der Reichweite aus?
3. Alternative Pedelec
Agiluk 22.08.2012
Warum fahren die nicht mit Pedelecs? In der Stadt sind die nicht langsamer (S-Pedelec max. 45 km/h), billiger und brauchen viel weniger Strom. Im Winter hält körperliche Betätigung zudem warm.
4. Interessant
FlashBFE 22.08.2012
Ein sehr interessanter Artikel. Hoffentlich folgt dann im nächsten Frühling hier noch ein zweiter über die Auswertung der Wintermonate. Kleine Anmerkung: Das E-Auto von Citroen heißt doch C-Zero und nicht Zero-E oder haben die irgend eine Spezialversion oder einen Prototypen zum Test bekommen?
5. @ bendine
caligus 22.08.2012
Zitat von berndineWieviel hast du für den E-Roller bezahlt? Und wie sieht es mit der Reichweite aus?
Der war nicht ganz billig. Ich habe knapp 3.800 Euro dafür bezahlt, weil ich das etwas bessere Modell genommen habe, bei welchem man (angeblich) auch einzelne fehlerhafte Akkuzellen austauschen kann. Ich hab das bis jetzt noch nicht gebraucht, dachte aber, dass ich da nicht am falschen Ende sparen will. Wenn Dich das Ding interessiert, schau mal hier: e-sprit.net
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

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