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E-Taxi für schwüle Megacities: Ohne Schweiß, billiger Preis

Von Jürgen Pander

E-Taxi für schwüle Megacities: Mit EVA durch den Großstadtdschungel Fotos
TUM CREATE

In Metropolen wie Manila, Singapur oder Bangkok herrscht ständige Hitze - und der starke Verkehr nimmt die Luft zum Atmen. Ein von deutschen Forschern mitentwickeltes Elektroauto soll die Millionenstädte entlasten: Ihre Hoffnungen ruhen auf EVA.

Ideen für einen umweltverträglicheren Nahverkehr in Ballungszentren gibt es zuhauf - doch über den Projektstatus kommen derartige Ansätze nur selten hinaus. Konkret, fertig entwickelt, einsatzbereit und durchgerechnet ist hingegen das Projekt EVA: ein tropentaugliches Elektrotaxi, das jetzt in Singapur vorgestellt wurde. Das von Grund auf als Droschke konzipierte Modell verfügt über einige Besonderheiten, die es speziell für den Einsatz in schwül-heißen Metropolen wie etwa Singapur, Manila oder Bangkok prädestinieren.

"Das besondere an diesem Fahrzeug ist die konsequente Ausrichtung auf den Taxibetrieb in tropischen Millionenstädten", sagt Markus Lienkamp. Er ist Leiter des Lehrstuhls Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität München und Mitinitiator des Gemeinschaftsprojekts "TUM Create" mit der Nanyang Technological University in Singapur. Im Rahmen dieser Kooperation entstand in den vergangenen vier Jahren das Elektrotaxi EVA. Warum der Name? "Er ist kurz, klingt hübsch und 'Electric Vehicle' steckt auch noch drin", sagt Lienkamp.

Im Taxi-Prototypen wiederum stecken jede Menge Innovationen. Zum Beispiel eine Vordersitzlehne, die sich umklappen und in einen Kindersitz verwandeln lässt; oder ein bequem zugängliches Gepäckabteil, das auch große Koffer oder sogar Golftaschen schluckt; oder ein neuartiges Klimatisierungssystem, das ein angenehmes Raumklima im Auto bei minimalem Energieverbrauch sicherstellen soll.

EVA von innen Zur Großansicht
TUM CREATE

EVA von innen

Die Entwickler bedienten sich dazu eines Tricks: Weil der Mensch sich auch bei schwüler Luft gleich besser fühlt, wenn ein laues Lüftchen das Gesicht streichelt, sind die Luftausströmer im Dachhimmel des Autos untergebracht - und zwar über jedem Sitzplatz einer. So kann einerseits jeder Passagier separat den Luftstrom regulieren, und andererseits muss nicht der gesamte Raum gekühlt werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Weil sich zusätzlich in den Sitzflächen Ventilatoren befinden, werden auch lange Taxifahrten für die Insassen nicht zu Saunaerlebnissen - dennoch bleibt der Energieeinsatz vergleichbar gering.

Das ist wichtig, denn die elektrische Energie in den Lithium-Polymer-Akkus, die als flaches Paket mit einer Stromspeicherkapazität von 50 kWh im Fahrzeugboden untergebracht sind, soll ja vor allem fürs Vorwärtskommen genutzt werden. Mit vollen Akkus schaffe es das Taxi EVA etwa 200 Kilometer weit, sagen die Entwickler. Das ist schon recht ordentlich, doch der Clou ist ein neu entwickeltes Schnellladesystem, das die Batterie binnen 15 Minuten wieder auflädt - zum Beispiel während der Fahrer einen Kaffee trinkt oder ein Sandwich verzehrt.

Angeblich preiswerter als ein normales Taxi

"Das ist besonders wichtig in Städten wie etwa Singapur, weil dort die Taxis oft rund um die Uhr im Einsatz sind", sagt Lienkamp. Im typischen Zweischichtbetrieb bedeutet das nicht selten eine Fahrstrecke von 500 Kilometer pro Tag. Wenn man zugleich weiß, dass in Singapur etwa 28.000 Droschken unterwegs sind und diese Fahrzeuge etwa 15 Prozent der Gesamtfahrleistung der Pkw des Stadtstaates ausmachen, dann wird klar, dass es durchaus sinnvoll ist, die Elektrifizierung von Taxis voranzutreiben. Lienkamp: "Das lohnt sich sowohl ökologisch als auch ökonomisch."

Einen Verkaufspreis für das E-Taxi EVA haben die Wissenschaftler zwar noch nicht kalkuliert, aber es gibt eine Kostenberechnung über die für Taxis übliche Gesamtlaufzeit von sechs bis acht Jahren mit einer Jahresfahrleistung von 150.000 Kilometer pro Jahr. "In dieser Berechnung schneidet EVA billiger ab als ein konventionelles Taxi mit Verbrennungsmotor. Und dabei ist der notwendige Austausch der Akkus mit einkalkuliert", sagt Lienkamp.

"Wach rütteln und neue Wege zeigen"

Inklusive des Akkupakets wiegt EVA ziemlich genau 1500 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein etwas kürzerer VW E-Golf ist, trotz einer deutlich kleineren Batterie, 85 Kilogramm schwerer. Gewicht spart das E-Taxi vor allem, weil die Fahrgastzelle aus carbonfaserverstärktem Kunststoff hergestellt ist. Würde man Aluminium nehmen, wäre das Gewicht deutlich höher, der Kostenvorteil jedoch gering. Denn auch Hightechkunststoff rechnet sich, sobald man eine Kleinserie herstelle und die hohe Kilometerleistung der Fahrzeuge mit in die Rentabilitätsbetrachtung einbeziehe, erklärt Lienkamp.

Es könnte also losgehen - sofern sich ein Unternehmen meldet, um das tropentaugliche Elektrotaxis in nennenswerten Stückzahlen zu bauen. Es gebe Kontakte, heißt es von Seiten der beiden beteiligten Unis, doch entschieden sei noch nichts. "Wir können als Wissenschaftler die Leute wach rütteln und neue Wege aufzeigen", sagt Professor Lienkamp, "die Industrialisierung von EVA jedoch müssen andere in die Hand nehmen."

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insgesamt 232 Beiträge
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1. Die Autobranche wirds wohl niederschwätzen
wo_st 14.05.2015
Das wäre auch für mich ein Stadtauto. Die jetzigen eAutos sind doch nur ein Feigenblatt um wie bisher weiter zu machen. Hallo Industrie nur weiter so, bis die Nischenhersteller die Pfründe austrocknen.
2. DAS Alltagsauto...
tempus fugit 14.05.2015
...weiter so - Fortschritt lässt sich nicht ausbremsen...
3. 50 kWh in 15 Minuten
Sarrazin+ 14.05.2015
Das sind 200 kW Ladeleistung...viel Spaß. Schön das der Strom aus der Steckdose kommt.
4.
lalito 14.05.2015
Zitat von wo_stDas wäre auch für mich ein Stadtauto. Die jetzigen eAutos sind doch nur ein Feigenblatt um wie bisher weiter zu machen. Hallo Industrie nur weiter so, bis die Nischenhersteller die Pfründe austrocknen.
Feigenblatt-Autos, genau. Solange der dicke SUV das Statussymbol für sonst wohl oft Zukurzgekommene ist, ändert sich nichts hinsichtlich des Sinns für den jeweiligen Zweck. Das geht über die E-Bikes, die mögliche Veränderung in den Köpfen. Hab mir eins zugelegt, als eine langjährige Freundin, Einheimische auf Bali, vor Jahren schon mit solch einem Ding angeradelt kam. Zu dieser Zeit hatte ich die bekannt blöden Sprüche hierzulande zum Thema E-Bikes einfach adaptiert und war, warum auch immer, ablehnend eingestellt . . . erst dieser Effekt eines "oha" und "sie ist doch clever und hat sogar einen Motorradverleih???" gaben mir die Gelegenheit das Brett vorm Kopf wegzunehmen und einfach in die Tonne zu kloppen . . . ;-))
5. @sarrazin: wer lesen kann
josefinebutzenmacher 14.05.2015
ist klar im Vorteil! Und verstehen hilft auch! Da steht doch klipp und klar, dass hierzu ein neuentwickeltes Schnellladesystem verwendet wird. Und nicht deine Steckdose. Dort kannst du weiterhin deine elektrische Zahnbürste aufladen. Männer....
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
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