Spritspardose aus den USA Aus Wut wird gut

Ein US-Ingenieur hat aus Ärger über die Ölverschwendung ein Drei-Liter-Auto entwickelt. Der Wagen soll nur 5400 Euro kosten - und fühlt sich sogar ein bisschen nach Muscle-Car an.

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Elio Motors

An diesen Abend vor sechs Jahren kann sich Paul Elio noch gut erinnern. Er kam aus dem Büro, sah eine Nachrichtensendung über die aktuellen Wirtschaftsdaten und wurde stinksauer. "Die Wirtschaftskraft unseres Landes schwindet, weil wir so viel Geld für Öl ausgeben müssen. Und das Geld fließt auch noch in Länder, die uns nicht leiden können", schimpfte Elio, ein Ingenieur aus Phoenix im US-Staat Arizona. "Reg Dich nicht auf, sondern ändere etwas", rief ihm seine Frau zu.

Und genau das tat Paul Elio. Noch am selben Abend kehrte er zurück in sein Büro und begann mit der Entwicklung eines Autos, das die USA aus der extremen Abhängigkeit von Rohölimporten führen soll. Was seither entstanden ist, ist kein abgehobener Elektroflitzer für Wohlhabende, sondern ein bezahlbarer, konventionell motorisierter Zweisitzer, der Spaß macht und wenig verbraucht.

Bereits acht Wochen nach dem Fernsehabend fuhr der erste Prototyp, den Elio in seinem Zulieferunternehmen für die Autoindustrie konstruiert hatte. Und er fuhr nicht nur, es gab auch einen Businessplan: 6800 Dollar (etwa 5400 Euro) sollte so ein Mobil kosten, und dessen Durchschnittsverbrauch bei umgerechnet nur 2,8 Liter je 100 Kilometer liegen. Zum Vergleich: Der optisch ähnlich gestaltete VW XL1 kommt zwar mit nur etwa einem Drittel dieser Spritmenge klar, kostet aber rund zwanzig mal so viel.

Alles so einfach wie möglich

Möglich werde der niedrige Preis des nach seinem Konstrukteur benannten Mobils durch einen radikal anderen Ansatz, erklärt Vertriebsmann Brendan Carey am Stammsitz in Phoenix. Anders als der XL1 mit Karbonkarosserie, Zweizylinder-Dieselmotor und Plug-in-Hybridantrieb ist der Elio überaus schlicht konstruiert. Wesentliche Elemente des Autos sind ein Metallrahmen, eine Kunststoff-Karosserie und ein kleiner Dreizylinder-Benziner im Bug. "In dem Auto steckt keine Raketentechnik, und es wurden nur solche Teile neu konstruiert, die es nicht schon anderswo gab", umreißt Carey das Konzept. Rund 80 Prozent der Komponenten stammen von etablierten Serienmodellen anderer Hersteller - das Lenkrad vom Muscle-Car Chevrolet Camaro, die Rückleuchten von Honda und die Sitze aus dem Ford Mustang.

Im Betrieb von Elio wurden die Karosserie und der Antrieb entwickelt, wobei der Motor vom deutschen Zulieferer IAV aus Berlin kommt. In den USA dann wird der Dreizylinder wahlweise mit einem manuellen oder automatisierten Fünfgang-Getriebe von Aisin verkuppelt. IAV ist übrigens nicht der einzige deutsche Lieferant; die Elektronik stammt von Continental, sagt Carey.

Kein Hightech, sondern Leichtbau und Aerodynamik

Beim Motor handelt es sich um einen ganz banalen 0,9-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 55 PS, wie er in jedem Kleinwagen zum Einsatz kommen könnte. Dass die Maschine trotzdem so wenig verbraucht, liegt am geringen Gewicht des Zweisitzers von lediglich 560 Kilo sowie am geringen Luftwiderstand des Wagens.

In den USA kann der dreirädrige Elio in den meisten Staaten als Motorrad zugelassen werden. In knapp zehn Sekunden beschleunigt das Fahrzeug aus dem Stand auf Tempo 100 und als Höchstgeschwindigkeit sind rund 160 km/h möglich.

Um neben dem Verbrauch auch den Preis zu drücken, hat Elio ein spezielles Produktionsverfahren entwickelt: Die Autos laufen standardisiert vom Band in Phoenix, wählbar sind lediglich sieben Außenfarben und zwei Getriebevarianten. So schlank produziere sonst kein anderer Autohersteller, sagt Carey. Die Kunden hätten später trotzdem weitere Ausstattungsmöglichkeiten, denn sie könnten die Interieurdetails aus dem Regal beim Händler aussuchen, und diese Extras würden dann in den Auslieferungszentren in den USA binnen 48 Stunden eingebaut.

Der Traum von 250.000 Autos pro Jahr

60 Millionen Dollar wurden in das Projekt investiert, weitere 200 Millionen sind bei Banken und beim Staat beantragt und mittlerweile ist die Idee so weit gereift, dass die Serienfertigung im Herbst 2015 beginnen soll. Es gebe rund 35.000 Interessenten alleine aus den USA für das Sparmobil, ein Drittel von denen soll bereits jeweils 1000 Dollar angezahlt habe. Ein Export des Elio ist ebenfalls geplant. "Kanada, Mexiko und Europa stehen auf dem Plan, allerdings erst nach 2016", sagt Vertriebsmann Carey.

Das Echo macht den Verantwortlichen Mut und lässt sie von großen Stückzahlen träumen. "Bis zu 250.000 Autos im Jahr sind möglich", sagt Carey mit Blick auf die Fabrik in Shreveport, Louisiana, die Elio für kleines Geld von General Motors übernahm, als der Auto-Gigant in der Krise steckte.

Der Standort entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn das vielleicht vernünftigste Auto Amerikas läuft künftig dort vom Band, wo früher das wohl verschwenderischste Modell gebaut wurde - der Geländewagen Hummer.



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Leser161 08.10.2014
1. Nette Idee
Nette Idee. Aber schauen Sie auf die Strassen, die Leute wollen gar keine spritsparenden Autos. Sie wollen Lifestyle! Sie wollen Panzer! Ausserdem ist das Gefährt wirklich hässlich.
freeride4ever 08.10.2014
2. sehr interessantes Konzept ohne Elektrowahnsinn
Das Auto ist wirklich konsequent durchdacht. Einfach ein günstiges Auto mit niedrigem Verbrauch kombinieren und schon funktioniert es, denn Leute die einen niedrigen Verbrauch wollen haben nun mal meist kein großes Einkommen (Ausnahmen ausgenommen). So kann Spritsparen im Gegensatz zum VW Konzept funktionieren. Nur das Crashverhalten macht mir etwas Sorge. da wäre es spannend zu erfahren wie das Auto hier abschneidet. Aber ansonsten mutig und dass das Auto gerade aus den spritschverschwendende USA mit sonst uralter fahrzeugtechnik und nicht aus dem mit Bundesmilliarden (Wasserstoffgrab) versorgten "Innovationsland" D kommt ist sehr bezeichnend...
gedankensucher 08.10.2014
3. Weiter so!
Genau das brauchen wir. Leute, die neu denken und neue Ideen verwirklichen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass bei diesem Gefährt die Sicherheit ein Problem sein könnte. Und wenn schon, warum dann nicht gleich mit Elektromotor. 150kg Akku drauf könnten reichen, um alltagstaugliche 150km per plugin hinzu- bekommen. Aber vielleicht reicht eben schon eine Art vollverkleidetes Motorrad.
Andiken 08.10.2014
4. Was die Worte einer Frau bewirken können ;-))
Ich ärgere mich auch, daß wir denen ihren "Lebensstandard" finanzieren, indem wir ihnen ihr Öl weiterhin so abkaufen und sie sich benehmen wie die Herren der Welt. Schön, daß jemand so groß an die Sache rangegangen ist. Hoffentlich wird es ein Erfolg - sowohl für ihn als auch für die Welt.
humptata 08.10.2014
5. Der eine Satz sagt mir alles:
"Der optisch ähnlich gestaltete VW XL1 kommt zwar mit nur etwa einem Drittel dieser Spritmenge klar, kostet aber rund zwanzig mal so viel." Je weiter man runterkommt mit dem Spritverbrauch, Herr Grünweg, desto teurer wird jeder weitere eingesparte Kubikzentimeter - das müsste eigentlich jedem, der sich mit dem Thema beschäftigt, bekannt sein. 2,8l sind lächerlich bei der Konstruktion, VW hatte schon vor 15 Jahren mit dem Lupo 3L ein viersitziges Serienfahrzeug mit einem Verbrauch von 3l im Angebot. OK, Mr. Elio ist Amerikaner. Tom Grünweg aber nicht.
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