Elon Musk und die Tesla-Unfälle Das brutale Genie

Elektropionier und Marketingguru: Kaum jemand steht so sehr für Innovation wie Tesla-Chef Elon Musk. Nun zeigt ein Streit mit US-Behörden die andere Seite des Milliardärs.

Elon Musk.
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Ob man denn sein Auto nicht so programmieren könne, dass der Sitz zurück und das Lenkrad nach oben fährt, sobald man in den Parkmodus wechselt? Dieser Wunsch eines Autofahrers via Twitter würde bei klassischen Autoherstellern vermutlich ungehört verhallen. Bei Tesla sieht das anders aus. "Gutes Argument", antwortete der Tesla-Chef Elon Musk höchstselbst wenig später. Doch damit nicht genug: Man werde das beim nächsten Softwareupdate für alle Autos einführen.

Ein Tweet, Problem gelöst - kaum ein Firmenchef geht derart offensiv mit den Wünschen seiner Kunden um und ist so stark mit ihnen vernetzt.

Das kommunikative Schnellfeuer exerziert Tesla jedoch auch bei negativen Schlagzeilen: Nach dem tödlichen Unfall eines Model X Ende März beschuldigte die Firma wiederholt den ums Leben gekommenen Fahrer in mehreren Pressemitteilungen.

Im Clinch mit den Behörden

Dieser unkonventionelle Umgang in Sachen Konzernkommunikation hat Tesla jetzt erheblichen Ärger eingebracht: Das in den USA für die Verkehrsaufsicht zuständige National Transportation Safety Board (NTSB) schloss Tesla am Donnerstag von der Mitwirkung an der Untersuchung an eben jenem Unfall aus. Ein ungewöhnliches Vorgehen - normalerweise kooperiert die Behörde mit den Herstellern bei der Aufklärung von Vorfällen.

Allerdings hatte sich Tesla mit seinen Communiqués mehrfach über die Vereinbarung mit der US-Verkehrsaufsicht hinweggesetzt, bis zur Publikation des offiziellen Berichts keine Informationen zum Unfall zu veröffentlichen. Nachdem die Behörde die Zusammenarbeit aufgekündigt hatte, holte Musk zum Gegenschlag aus: Das Abkommen sei "inakzeptabel", da es für mehr als ein Jahr untersage, Informationen zum Fahrassistenten "Autopilot" zu veröffentlichen.

Damit nicht genug: Später legte die Firma des Tech-Milliardärs nach und griff die Behörde scharf an. Das NTSB kümmere sich mehr um Schlagzeilen als um Sicherheitsfragen, hieß es in einem ausführlichen Statement. Die Behörde habe selbst wiederholt unvollständige Informationen an die Medien durchgestochen und damit ihre eigenen Regeln verletzt. "Wir werden eine offizielle Beschwerde beim Kongress einreichen."

Ein Flammenwerfer als Finanzierungshilfe

Elon Musk ist ein Meister der Inszenierung, seinen Projekten verschafft er per Twitter oder Instagram oft höchstpersönlich große Aufmerksamkeit. Und der Erfolg gibt ihm auf den ersten Blick recht. Als Newcomer machte er seine Elektroautos quasi aus dem Stand zum Statussymbol, die von ihm gegründete Raketenfirma SpaceX ist mittlerweile mehr als 20 Milliarden Dollar wert. Klar, die Raketen von Musk starten auch spektakulärer als alle anderen: Bei ihrem Erstflug schoss die "Falcon Heavy" von SpaceX stilecht einen kirschroten Tesla Roadster ins All, der noch tagelang die Bilder einer Bordkamera zur Erde funkte.

Bei seinen PR-Stunts bewegt er sich allerdings auch oft hart an der Grenze zur Scharlatanerie. Per Twitter beklagte er sich 2016 über den Verkehr in Los Angeles und kündigte an, auf eigene Faust Tunnel zu graben und die endlosen Staus in den Griff zu kriegen. Die dafür gegründete Firma, "The Boring Company", verdient ihr Geld jedoch bisher nicht mit Tunneln oder Bauaufträgen - sondern mit Fanartikeln, nämlich Baseballkappen und dem Verkauf von 20.000 Flammenwerfern. "Belebt jede Party", war der Slogan des ungewöhnlichen Produkts, 500 Dollar kostete einer der Flammenwerfer - trotzdem waren sie innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

Solche Gags sind, das lässt sich inzwischen mit ziemlicher Sicherheit sagen, Teil einer Strategie und zwar über die Querfinanzierung anderer Projekte hinaus: Sie lenken von Problemen ab, die Musk in seinen Firmen hat. So häuften sich vor dem Flammenwerfer-Fabel zufälligerweise die Nachrichten über Schwierigkeiten bei der Produktion des Tesla Model 3, die Aktie des Autobauers fiel daraufhin um knapp zwei Prozent. Doch wer liest schon solche Nachrichten, wenn es stattdessen Videos mit Flammenwerfern gibt?

Teurer Aprilscherz

Einen noch krasseren Kurssturz bei Tesla löste Musk dagegen selbst aus, mit einem Aprilscherz: Tesla sei bankrott, erklärte er am 1. April 2018. Die Aktie fiel daraufhin um sechs Prozent, die Kursverluste seit Anfang März betrugen zeitweise mehr als 25 Prozent.

Musks Humor seinen Anlegern gegenüber und Teslas Umgang mit Behörden mögen zwar befremdlich wirken, sind jedoch harmlos im Vergleich zum Verhalten der Firma bei früheren Unfällen im Zusammenhang mit ihrem "Autopiloten". Ein Grundproblem dabei ist zunächst der Name des Systems und der Umgang mit seinen Fähigkeiten - immerhin suggeriert die Bezeichnung "Autopilot" ein zu 100 Prozent selbstständiges Fahrzeug. Auf seiner Website verspricht Tesla "die notwendige Hardware für autonomes Fahren" und präsentiert, aufwendig bebildert, die Fähigkeiten seines Systems - nur um weit unten darauf hinzuweisen, man könne "noch nicht präzise voraussagen, wann die einzelnen Elemente der oben beschriebenen Funktionalität verfügbar sein werden". Dass die meisten Kunden das wahrscheinlich niemals lesen werden? Geschenkt.

Autopilot - schicker Name für einen Fahrassistenten

Denn eigentlich ist der Autopilot von Tesla nur ein Fahrassistenzsystem, mit dessen Hilfe der Wagen selbstständig die Geschwindigkeit anpassen, die Spur wechseln und einparken kann. Die etablierten Autohersteller schauen deswegen doppelt skeptisch auf das Treiben von Musk: Nicht nur, dass er sie beim Thema Elektromobilität kalt erwischt hat. Das Autonome Fahren ist auch für sie eine wichtige Schlüsseltechnologie der Zukunft, aber eine, die sie mit aller Vorsicht erforschen und in den Markt bringen wollen. Das hemdsärmelige Vorgehen von Tesla dürfte sie deswegen nicht erfreuen: Es könnte die ganze Technologie in Verruf bringen.

Wie stark die Sichtweisen der alten und der neuen Autowelt auseinanderdriften, zeigte sich auch nach dem tödlichen Unfall eines Tesla im Autopilot-Modus aus dem Jahr 2016: "Unter dem Strich wird der Autopilot Leben retten", erklärte er lapidar.

Das autonome Auto als Teil eines Lerneffekts, ähnlich den Bugs einer Software - hier offenbarte sich das Denken eines Mannes, der in der New Economy sozialisiert wurde. "Wenn Dinge nicht schiefgehen, warst du nicht innovativ", erklärte Musk einst selbstbewusst.

insgesamt 133 Beiträge
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Websingularität 15.04.2018
1. Wundert mich nicht
Alle Milliardäre gehen über Leichen, sonst wären die keine Milliardäre.
Diletantti 15.04.2018
2. Risikolose Weiterentwicklung gibt es nicht
Leider wird der Weg zum autonomen Fahren noch genügend Unfälle und einige Tote mit sich bringen, das ist sehr bedrückend und bedauerlich, jedoch wird die Technologie dann sehr viele Unfälle und Tote vermeiden in Zukunft. Gab es z. B. in der Luftfahrt bei Verbesserungen der Systeme nie Unfälle? Natürlich auch! Aber nach und nach wird es eben immer sicherer.
joergzs 15.04.2018
3. Recht hat er
Unter dem Strich werden weniger Menschen bei dem Einsatz von autonomen Fahrzeugen sterben, als bei klassischen Autos. Die klassische Autoindustrie schaut skeptisch? Dreht sich wohl nicht um die Massenvergiftung durch Dieselabgase...
skilliard 15.04.2018
4.
Wieder mal so ein überflüssiger Nicht-Artikel. Keine wirklichen Hintergrundinformationen, ein bisschen gefühlte Wirklichkeit mit ein paar Twitter Screenshots - fertig ist der Lückenfüller. Das als Aufmacher zu präsentieren sagt mehr über den Spiegel aus als über Tesla. Bloß gut, dass ich diesmal kein Geld dafür bezahlen musste und mir die Bannerwerbung nicht den Browser abschießt.
exHotelmanager 15.04.2018
5. Brutal?
Der Mann kämpft für sein Lebenswerk und gegen die Dummheit US-amerikanischer Autofahrer. Übrigens - die Komfort-Automatik für Sitz und Lenkrad hatte schon mein 2002er Benz.
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