Ende einer Provinzposse Straße nach elf Jahren freigegeben

Eine millionenteure Straße in Baden-Württemberg wurde schon vor elf Jahren fertiggestellt - doch erst jetzt dürfen offiziell wieder Autos über den Asphalt rollen. Der Grund für die Verzögerung klingt absurd: eine bereits gebaute Schallschutzmauer.

Neueröffnung: Erst nach elf Jahren ist eine Straße in Leimen freigegeben worden
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Neueröffnung: Erst nach elf Jahren ist eine Straße in Leimen freigegeben worden


Leimen - Seit Ende 1999 war die rund 500 Meter lange Bürgermeister-Lingg-Straße in Leimen für den Verkehr gesperrt. Anwohner hatten gegen den Bau geklagt und nach der Fertigstellung Recht bekommen.

Der Verwaltungsgerichtshof kassierte damals den Bebauungsplan wegen schwerer Mängel. Unter anderem war die Trasse vom nahen Grundstück eines Gemeinderats in Richtung des Grundstücks der klagenden Familie verlagert worden. Statt eines versprochenen breiten Grünstreifens zwischen dem Wohnhaus der Familie und der Straße wurde eine Schallschutzmauer gebaut.

Nach der feierlichen Eröffnung im Oktober 1999 waren nur zwei Monate lang Autos über die 5,5 Millionen Mark (rund 2,8 Millionen Euro) teure Straße gefahren. Nach dem Urteil wurde die Durchfahrt gesperrt, der Asphalt nur als Parkplatz genutzt. Mancher habe sie auch als Schleichweg benutzt - "aber das haben wir nicht an die große Glocke gehängt", sagte Stadtsprecher Michael Ullrich.

Möglich wurde die Neueröffnung nach elf Jahren, weil die Stadt den Klägern die Wohnung abkaufte und einen neuen Bebauungsplan aufstellte. Auch die inzwischen marode Lärmschutzwand wurde erneuert. Die zweite Inbetriebnahme ging ohne großes Getöse über die Bühne. Es sei "nicht die Zeit und nicht der Anlass, deswegen noch einmal ein Fest zu feiern", meinte Oberbürgermeister Wolfgang Ernst (SPD).

rom/dpa

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