Erprobungsfahrt Google fotografiert heimliche Porsche-Tests

Bei Google Street View stolperte ein Autofan über Aufnahmen von geheimen Porsche-Testfahrten. Die Fotos sind zwar alt, enthüllen aber, mit welchen Tricks Porsche versucht, Neuentwicklungen im Straßentest zu tarnen.


Hektisch versuchen die Porsche-Testfahrer noch die Abdeckplanen über die Erlkönige zu werfen, doch die Google-Kameraflotte ist schneller: Mit einer 360-Grad-Kamera nimmt ein Fahrzeug des Internet-Dienstes die heimliche Testfahrt auf einer amerikanischen Bergstraße auf.

Monate später stolpert ein Porsche-Fan bei der Urlaubsplanung mit Googles Straßendienst Street View über die Bilder. Er erkennt sofort: Es handelt sich um eine Erprobung auf der Mount Evans Road im US-Bundesstaat Colorado. Viele Autohersteller testen hier Prototypen unter realistischen Bedingungen. Die Mount Evans Road ist die am höchsten gelegene asphaltierte Straße der Vereinigten Staaten. Sie führt bis auf 40 Meter unter den Gipfel des Berges.

Die Autofirmen testen in der Öffentlichkeit. Damit aber neugierige Fotografen und die Konkurrenz nicht zu viel Wind von den neusten Entwicklungen bekommen, tarnen die Autobauer neue Karosserien oder verstecken modernisierte Motoren, Fahrgestelle oder Kupplungen oft unter alten Aufbauten: schwarze Blechkleider, die Details schlucken und wenig preisgeben.

So fotografierte die Google-Kamera äußerlich bekannte Porsche-Modelle: Cayman und Boxster, einen 911er Targa - alle noch vor dem Facelift, das Porsche einigen Modellen im Juli und Oktober vergangenen Jahres spendierte und das für den Cayman und Boxster im Februar 2009 ansteht. An der Optik der neuen Modelle wurde nur sehr wenig geändert.

Was aber haben die Tarn-Porsches wirklich unter der Haube? Fans der Zuffenhausener Marke wie Andreas Bippes vom Porsche-Forum PFF Online versuchen, den Bildern ihre Geheimnisse zu entlocken: Der 911 Targa, obwohl als altes Modell getarnt, trägt schon die neue Felgengeneration, die es erst seit dem Facelift im Oktober 2008 gibt. "Ich kann mir vorstellen, dass es sich um Fotos aus dem Frühjahr 2008 handelt und bei den Testfahrten das neue Porsche Doppelkupplungsgetriebe und die Direkteinspritzung im alten Blechkleid eingesetzt wurde", sagte Bippes zu SPIEGEL ONLINE.

Porsche gibt sich gelassen

Bei Porsche will man zu der Testfahrt lieber schweigen. Gefahr sieht Zuffenhausen in den Google-Fotos jedenfalls nicht. "Ach, die Bilder sind doch alt, und die neuen Modelle längst bekannt", sagte ein Porsche-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE. Sie entstanden in der Öffentlichkeit, was unter der Haube stecke, erkenne man eh nicht. Kein Grund zur Aufregung also. "Das irritiert uns nicht", ist der offizielle Kommentar.

Porsche-Fan Bippes weiß, dass viele Autofreaks von den modernen Möglichkeiten des Internets Gebrauch machen. Mithilfe von Google Earth und Google Maps schauen sie via Satellitenauge direkt auf die Teststrecken und in die Innenhöfe der Autohersteller. Und glaubt man Gerüchten, dann macht so mancher Autofan per Google Jagd auf Sportwagenbesitzer in seiner Umgebung. Vielleicht nur, um deren Pretiosen zu bestaunen. Oder aber auch, um den vermutlich wohlhabenden Besitzern einen unwillkommenen Besuch abzustatten. Doch da dürften Autodiebe die Probleme der Autofans teilen: Um wirklich von den Google-Bildern Gebrauch machen zu können, müssten diese viel aktueller sein. Doch bis Google Live-Bilder aus dem Weltall ins Netz bringt, dürfte noch einige Zeit ins Land ziehen.

Google Street View ist ein Internet-Dienst, den die amerikanische Suchmaschinenfirma seit Mai 2007 im Rahmen des Google-Maps-Kartendienstes anbietet. Für Google Street View werden Straßenzüge mit 360-Grad-Kameras fotografiert, durch die sich später Nutzer hindurchklicken können. Seit Juli 2008 fotografiert Google auch deutsche Straßen. Wann Google Street View mit seinem deutschen Angebot online geht, ist nicht bekannt. Der Online-Dienst entzweit die Gemüter, für viele Datenschützer zeigt Google Street View zu viel: So fotografierte die Google-Flotte Passanten, Nummernschilder und in Privatwohnungen hinein. Wegen dieser Bedenken macht Google seit Mai 2008 Gesichter und Nummernschilder unkenntlich.



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