Autogramm Honda CR-V: Mehr Kombi wagen

Von Tom Grünweg

Autogramm Honda CR-V: Einer von vielen Fotos
Honda

Vor knapp 20 Jahren war der Honda CR-V einer der ersten SUVs überhaupt. Heute geht der Wagen in der Masse der weichgespülten Offroader fast unter. Deswegen positionieren die Japaner die vierte Generation des CR-V jetzt neu - aber geht die Rechnung auch auf?

Der erste Eindruck: Hurra, sie leben noch! Seit der Präsentation des neuen Civic im Herbst 2011 war es um Honda ungewöhnlich still geworden. Jetzt melden sich die Japaner mit der vierten Auflage des CR-V zurück. Der Geländewagen sticht jetzt endlich wieder ein bisschen aus dem Straßenbild heraus. Dazu kommt eine neue Ausrichtung des Autos: Es ist jetzt mehr aufgebockter Kombi als hartgesottener Offroader.

Das sagt der Hersteller: Schon die erste CR-V-Generation von 1995 sollte die besten Elemente eines Pkw und eines SUV vereinen, sagt Projektleiter Ryouji Nakagawa. "Bei der vierten Auflage haben wir das perfektioniert und das optimale Verhältnis aus der Effizienz eines Pkw und der Funktionalität und Sicherheit eines SUV erreicht." Worauf er dabei anspielt, sind die bis zu zwölf Prozent weniger CO2-Ausstoß und die Option, den Wagen auch lediglich mit Frontantrieb zu bestellen. Gewachsen ist der Laderaum. Das macht das Auto etwas alltagsfreundlicher.

Während der CR-V in Deutschland mittlerweile nur noch einer von vielen ist, feiert Honda den SUV global als Erfolgsmodell. Seit der Premiere der Baureihe wurden weltweit mehr als fünf Millionen Exemplare verkauft. Produziert wird das Modell in acht Fabriken rund um den Globus, die hiesigen Autos stammen aus dem Honda-Werk im englischen Swindon.

Das ist uns aufgefallen: Der Kombi unter den Kraxlern ist tatsächlich praktisch. Weil der Kofferraum zugelegt hat und gleichzeitig die Ladekante niedriger sitzt, schluckt der CR-V Kisten und Koffer ohne Ende und zählt mit 589 Litern Fassungsvermögen zu den größten im Segment. Außerdem schwingt die Heckklappe jetzt elektrisch auf und die Fondlehne klappt durch einen Handgriff zusammen.

Weil es darüber hinaus auch mehr Platz im Fond und eine hörbar bessere Geräuschdämmung gibt, wird der CR-V zur idealen Familienkutsche mit Langlaufqualitäten. Vor allem wenn man das Modell mit Dieselmotor bestellt. Der 2,2-Liter-Motor kommt auf 150 PS, läuft ausgesprochen ruhig und ist dank Start-Stopp-Funktion noch sparsamer. Mit 350 Nm Drehmoment immer flott bei der Sache, wuchtet er den CR-V in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 und rollt mit 190 km/h ganz lässig und entspannt über die linke Spur.

Wer dort lange bleibt, kann sich aber getrost von den 5,6 Litern Normverbrauch verabschieden. Nach rund 400 Kilometern mit großen Autobahnabschnitten hatten wir jedenfalls etwas mehr als acht Liter auf der Verbrauchsanzeige.

Auf den ersten Blick macht der Honda so eine ganz ordentliche Figur, doch beim zweiten Hinschauen entdeckt man ein paar Schnitzer: Die Materialauswahl und zum Beispiel die wie aus Rollogurten genähten Schlaufen zum manuellen Umklappen der Rückbank zeugen nicht gerade von einer Liebe zum Detail. Die grob gepixelten Monitore zwischen Tacho und Drehzahlmesser wollen nicht mehr so recht in die Zeit von Smartphones und Tablet-Computern passen, und ein paar Innovationen auf der Ausstattungsliste wären auch nicht schlecht gewesen. Denn Neuheiten wie das schlüssellose Zugangssystem, den Lenkeingriff bei der Spurführung oder eben die elektrische Heckklappe gibt es bei der Konkurrenz schon länger.

Das muss man wissen: Auf die Straße kommt der CR-V Mitte November. Neben dem serienmäßig mit Allradantrieb angebotenen Dieselmodell gibt es noch einen zwei Liter großen Benziner, der jetzt 155 statt bislang 150 PS leistet und erstmals auch als Fronttriebler bestellt werden kann. Geschaltet wird mit sechs Gängen von Hand oder mit einer fünfstufigen Automatik - dann aber ohne Start-Stopp-System. Die Preise will Honda erst Ende September auf dem Pariser Salon bekanntgeben. Aber selbst wenn der CR-V beim Generationswechsel im Schnitt etwas teurer wird, dürfte das Basismodell künftig für weniger als die aktuell knapp 27.000 Euro zu haben sein. Schließlich fällt der Allradantrieb weg.

Das werden wir nicht vergessen: Die grünen Leuchtsicheln links und rechts der Tachoskala. Sie gehören zum Eco-Modus und zeigen dem Fahrer an, ob er halbwegs sparsam unterwegs ist. Eigentlich nur eine Kleinigkeit - aber es ist verblüffend, wie man sich am Steuer davon beeinflussen lässt und plötzlich verbissen um den grünen Bereich kämpft.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ganz netter Schnick-Schnack
gerchla63 26.08.2012
Die "grünen Leuchtsicheln" des Eco-Modus zur Verbrauchsanzeige sind ja ganz nett. Aber wäre es nicht viel effizienter, das Auto einfach nicht unnötig hoch zu bauen? Weniger Luftwiderstand würde den Verbrauch von vorne herein drastisch senken, insbesondere auf der Autobahn. Es macht doch keinen Sinn, auf bundesdeutschen, gut asphaltierten Straßen ein GELÄNDE-Auto zu fahren (CW-Wert in etwa der eines Scheunentores). Es hat nicht mehr Platz als ein normaler Kombi, säuft aber in der Praxis dafür signifikant mehr Sprit. Was für eine sinnfreie Modewelle. Rational ist das durch nichts zu begründen.
2. Läuft ja tolle im Verkauf
mitbestimmender wähler 26.08.2012
Einer der bestverkauften Fhz auf dem US Markt 2012. Von einem Hesteller der der 2mal mehr Fahrzeuge in den USA absetzt als der Volkswagen konzern der nur Hyundai und KIA Absatzniveau erreicht. Seit Jahren Top in der Qualität und den Pannenstatistiken und nun wieder mal schön und ansprechend. Mag ich Honda dem hiesigen Nischenplayer und Exoten gut gönnen und all den langjährigen treuen Honda Kunden Gratulieren.
3. Nix Titel
CMH 26.08.2012
"Die grünen Leuchtsicheln links und rechts der Tachoskala. Sie gehören zum Eco-Modus und zeigen dem Fahrer an, ob er halbwegs sparsam unterwegs ist." Kann man diesen Unsinn auch ausschalten?
4.
wakaba 26.08.2012
Zitat von gerchla63Die "grünen Leuchtsicheln" des Eco-Modus zur Verbrauchsanzeige sind ja ganz nett. Aber wäre es nicht viel effizienter, das Auto einfach nicht unnötig hoch zu bauen? Weniger Luftwiderstand würde den Verbrauch von vorne herein drastisch senken, insbesondere auf der Autobahn. Es macht doch keinen Sinn, auf bundesdeutschen, gut asphaltierten Straßen ein GELÄNDE-Auto zu fahren (CW-Wert in etwa der eines Scheunentores). Es hat nicht mehr Platz als ein normaler Kombi, säuft aber in der Praxis dafür signifikant mehr Sprit. Was für eine sinnfreie Modewelle. Rational ist das durch nichts zu begründen.
Um Welten besser als die VAGen. J.D.Powers rankt den ganz hoch ein. Econometer gibts seit Ewigkeiten, misst den Druck im Ansaugtrakt. Pfennigteil und hält man sich dran - dann segle ich mit meinem Pickup und 2.2l Benziner auch mit 5-6l. Die Anzeige nimmt man nach einiger Zeit unbewusst wahr und richtet sich danach. Der Ansatz Motoren mit komplizierter Technik das Saufen abzugewöhnen führt nicht zum Ziel. Es machts nur teurer und anfälliger. Wer mit Econometer fährt - erreicht auch eine extreme Lebensdauer des Fahrzeuges. Der Verschleiss ist minimal. Vielleicht deshalb ist das sinnvollste Cockpitinstrument in den meisten Autos nicht vorhanden.
5. Ist verständlich
bgötz 26.08.2012
Zitat von CMH"Die grünen Leuchtsicheln links und rechts der Tachoskala. Sie gehören zum Eco-Modus und zeigen dem Fahrer an, ob er halbwegs sparsam unterwegs ist." Kann man diesen Unsinn auch ausschalten?
Ich verstehe, dass Sie die Sparanzeige stört: Wer sich für Geländewagen interessiert, dem ist der Verbrauch eh egal. ;-) Sonst würde er ja nicht Geländewagen fahren, sondern einen sparsameren Kombi beispielsweise.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Honda-Modelle
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 67 Kommentare
  • Zur Startseite
Facebook

Fahrzeugschein
Hersteller: Honda
Typ: CR-V (2012)
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgeriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.199 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 9,7 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 5,6 Liter
CO2-Ausstoß: 149 g/km
Kofferraum: 589 Liter
umgebaut: 1.669 Liter
Gewicht: 1.653 kg
Maße: 4570 / 1820 / 1685


Aktuelles zu