Autogramm Honda CR-V Mehr Kombi wagen

Vor knapp 20 Jahren war der Honda CR-V einer der ersten SUVs überhaupt. Heute geht der Wagen in der Masse der weichgespülten Offroader fast unter. Deswegen positionieren die Japaner die vierte Generation des CR-V jetzt neu - aber geht die Rechnung auch auf?

Honda

Der erste Eindruck: Hurra, sie leben noch! Seit der Präsentation des neuen Civic im Herbst 2011 war es um Honda ungewöhnlich still geworden. Jetzt melden sich die Japaner mit der vierten Auflage des CR-V zurück. Der Geländewagen sticht jetzt endlich wieder ein bisschen aus dem Straßenbild heraus. Dazu kommt eine neue Ausrichtung des Autos: Es ist jetzt mehr aufgebockter Kombi als hartgesottener Offroader.

Das sagt der Hersteller: Schon die erste CR-V-Generation von 1995 sollte die besten Elemente eines Pkw und eines SUV vereinen, sagt Projektleiter Ryouji Nakagawa. "Bei der vierten Auflage haben wir das perfektioniert und das optimale Verhältnis aus der Effizienz eines Pkw und der Funktionalität und Sicherheit eines SUV erreicht." Worauf er dabei anspielt, sind die bis zu zwölf Prozent weniger CO2-Ausstoß und die Option, den Wagen auch lediglich mit Frontantrieb zu bestellen. Gewachsen ist der Laderaum. Das macht das Auto etwas alltagsfreundlicher.

Während der CR-V in Deutschland mittlerweile nur noch einer von vielen ist, feiert Honda den SUV global als Erfolgsmodell. Seit der Premiere der Baureihe wurden weltweit mehr als fünf Millionen Exemplare verkauft. Produziert wird das Modell in acht Fabriken rund um den Globus, die hiesigen Autos stammen aus dem Honda-Werk im englischen Swindon.

Das ist uns aufgefallen: Der Kombi unter den Kraxlern ist tatsächlich praktisch. Weil der Kofferraum zugelegt hat und gleichzeitig die Ladekante niedriger sitzt, schluckt der CR-V Kisten und Koffer ohne Ende und zählt mit 589 Litern Fassungsvermögen zu den größten im Segment. Außerdem schwingt die Heckklappe jetzt elektrisch auf und die Fondlehne klappt durch einen Handgriff zusammen.

Weil es darüber hinaus auch mehr Platz im Fond und eine hörbar bessere Geräuschdämmung gibt, wird der CR-V zur idealen Familienkutsche mit Langlaufqualitäten. Vor allem wenn man das Modell mit Dieselmotor bestellt. Der 2,2-Liter-Motor kommt auf 150 PS, läuft ausgesprochen ruhig und ist dank Start-Stopp-Funktion noch sparsamer. Mit 350 Nm Drehmoment immer flott bei der Sache, wuchtet er den CR-V in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 und rollt mit 190 km/h ganz lässig und entspannt über die linke Spur.

Wer dort lange bleibt, kann sich aber getrost von den 5,6 Litern Normverbrauch verabschieden. Nach rund 400 Kilometern mit großen Autobahnabschnitten hatten wir jedenfalls etwas mehr als acht Liter auf der Verbrauchsanzeige.

Auf den ersten Blick macht der Honda so eine ganz ordentliche Figur, doch beim zweiten Hinschauen entdeckt man ein paar Schnitzer: Die Materialauswahl und zum Beispiel die wie aus Rollogurten genähten Schlaufen zum manuellen Umklappen der Rückbank zeugen nicht gerade von einer Liebe zum Detail. Die grob gepixelten Monitore zwischen Tacho und Drehzahlmesser wollen nicht mehr so recht in die Zeit von Smartphones und Tablet-Computern passen, und ein paar Innovationen auf der Ausstattungsliste wären auch nicht schlecht gewesen. Denn Neuheiten wie das schlüssellose Zugangssystem, den Lenkeingriff bei der Spurführung oder eben die elektrische Heckklappe gibt es bei der Konkurrenz schon länger.

Das muss man wissen: Auf die Straße kommt der CR-V Mitte November. Neben dem serienmäßig mit Allradantrieb angebotenen Dieselmodell gibt es noch einen zwei Liter großen Benziner, der jetzt 155 statt bislang 150 PS leistet und erstmals auch als Fronttriebler bestellt werden kann. Geschaltet wird mit sechs Gängen von Hand oder mit einer fünfstufigen Automatik - dann aber ohne Start-Stopp-System. Die Preise will Honda erst Ende September auf dem Pariser Salon bekanntgeben. Aber selbst wenn der CR-V beim Generationswechsel im Schnitt etwas teurer wird, dürfte das Basismodell künftig für weniger als die aktuell knapp 27.000 Euro zu haben sein. Schließlich fällt der Allradantrieb weg.

Das werden wir nicht vergessen: Die grünen Leuchtsicheln links und rechts der Tachoskala. Sie gehören zum Eco-Modus und zeigen dem Fahrer an, ob er halbwegs sparsam unterwegs ist. Eigentlich nur eine Kleinigkeit - aber es ist verblüffend, wie man sich am Steuer davon beeinflussen lässt und plötzlich verbissen um den grünen Bereich kämpft.

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