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CO2-Grenzwerte: EU verschiebt erneut Abstimmung über Abgasnormen für Autos

Luftballons bei einer Demo gegen die Auto-Lobby: "Schlechtes Zeichen der EU" Zur Großansicht
Getty Images

Luftballons bei einer Demo gegen die Auto-Lobby: "Schlechtes Zeichen der EU"

Deutschland wehrt sich in Brüssel weiter hartnäckig gegen einen beschlossenen Kompromiss zu CO2-Grenzwerten. Beim Treffen von Botschaftern der EU-Staaten kam es jetzt erneut zu keiner Entscheidung. Die Bundesregierung ist ihrem Ziel, die Abgasnormen aufzuweichen, näher gekommen.

Brüssel - Die Einführung schärferer Abgasnormen für Autos lässt in der EU wegen der anhaltenden Blockade Deutschlands auf sich warten. Die Botschafter der EU-Mitgliedsländer verschoben eine Entscheidung, ob ein bereits ausgehandelter Kompromiss in Kraft treten soll. Das teilte die litauische Ratspräsidentschaft am Freitagnachmittag mit. Nun soll das Thema bei der Ratssitzung der EU-Umweltminister am 14. Oktober auf dem Tisch liegen.

Umweltschützer und Europaparlamentarier kritisierten die erneute Verschiebung. "Es kann nicht sein, dass Deutschland - als größtes Mitgliedsland und stärkste Wirtschaftskraft der Europäischen Union - ein bereits bestätigtes Abkommen aufs Neue verzögert", erklärte Matthias Groote (SPD), Vorsitzender des Umweltausschusses im Europäischen Parlament.

Spiel auf Zeit

Die amtierende deutsche Bundesregierung will Erleichterungen für die deutschen Oberklasse-Hersteller Mercedes und BMW durchsetzen und hatte schon im Juni eine Einigung blockiert. Die Diskussionen der Botschafter hätten nun gezeigt, dass es keine qualifizierte Mehrheit für den Kompromiss gebe, erklärte eine Vertreterin Litauens. Das heißt, dass Deutschland nicht überstimmt wurde, sondern weiterhin eine Chance wahrt, sich mit seinen Änderungswünschen durchzusetzen.

Die Berliner Regierung hatte zuletzt gefordert, die Einführung schärferer CO2-Grenzwerte ab 2020 über vier Jahre zu strecken und schrittweise zu vollziehen. Demgegenüber sieht der zwischen den EU-Institutionen ausgehandelte Kompromiss vor, den CO2-Grenzwert für neue Pkw von 2015 bis 2020 von 130 Gramm je Kilometer auf 95 Gramm zu senken. Die Hersteller sollten dabei klimaschonende Elektroautos und Hybridfahrzeuge durch sogenannte Supercredits mehrfach anrechnen können.

Die Verbündeten der Bundesregierung

Nach Angaben eines mit den Verhandlungen Vertrauten haben sich außer Deutschland die Vertreter Polens, Ungarns, Tschechiens, der Slowakei und Großbritanniens dafür ausgesprochen, mehr Zeit für Verhandlungen zu erhalten.

Ob es nun am 14. Oktober zu einer Abstimmung Rat der europäischen Umweltminister kommt, ist bisher noch nicht klar. Eine endgültige Entscheidung dürfte auch deshalb auf sich warten lassen, weil sich die Sondierungs- und Koalitionsgespräche in Berlin über Monate hinziehen können.

"Die ständigen Verschiebungen sind ein schlechtes Zeichen der EU an den Rest der Welt", sagte Matthias Groote. "Europa fordert von anderen Staaten ständig mehr Klimaschutz - und hält sich selbst nicht an seine Prinzipien."

Bei den weniger umkämpften Grenzwerten für Kleinlaster bestätigten die Botschafter einen Kompromiss aus dem Sommer. Er sieht für Transporter bis 3,5 Tonnen Gewicht bis zum Jahr 2020 im Durchschnitt einen Grenzwert von 147 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer vor.

cst/Reuters/AFP/dpa

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insgesamt 86 Beiträge
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1. na super
nervenzusammenbruch 04.10.2013
beim kampf autolobby gegen den planeten stehen wir deutschen auf der seite der autolobby. das die Menschen einen planeten brauchen ist wissenschaftlich ja überhaupt nicht erwiesen
2. Die arme deutsche Autoindustrie,
vantast64 04.10.2013
sie kann es einfach nicht.Wenn es nur nach ihr ginge, gäbe es hier noch keinen Katalysator.Ihre Manager sind wohl zu Recht kinderlos, sie interessiert die Erderwärmung nicht, nur das Geld.Und die chrisllichen Parteien beten das Goldene Kalb an.
3. Gut so
Friedrich der Streitbare 04.10.2013
Es macht überhaupt keinen Sinn unsere Wirtschaft zu ruinieren, um die Klimaerwärmung um 5 Minuten zu verzögern.
4. Fakt ist, den Konzernen geht es nur
galaxy2525 04.10.2013
um Gewinnmaximierung zu Lasten der Umwelt und aller zukünftigen Generationen und somit zu Lasten der Zukunft unserer Kinder. Und die Politik ist wie immer voll mit dabei, wie immer, denn diese ist nur der ausführende Arm der Konzerne. Wen haben die Bürger am 22.09. gewählt ? Bestimmt nicht die Konzerne und deren Lobbyisten, die unsere Politik bestimmen. Es sollten alle Adressen und Daten aller Lobbyisten in Berlin und Brüssel uneingeschränkt im Internet veröffentlicht werden und zwar mindestens soviele Daten wie bei einem Abgeordneten im Bundestag bzw. noch darüber hinaus. Und apropo Innovation: Anscheinend ist das Wort Innovation für diese Konzerne ein Fremdwort. Da herrschen wahrscheinlich die BWLer und Controller, die den Gewinn maximieren. Innovation ist Fehlanzeige. Da darf man sich nun auch nicht mehr wundern, dass diese Konzerne es nicht schaffen Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen. Aber am Ende wird es zu einer Verzögerung kommen, ganz nach dem Motto, willkommen in Korruptistan. Das Thema Compliance, das in fast allen deutschen Firmen herumgeistert, sollte dann sofort abgeschafft werden.
5. Bitte WAS???
jakam 04.10.2013
Ich ertrage die unendliche Dummheit der Menschen kaum noch, diese verdammte Profitgier ruiniert einfach alles.....stoppt diesen verantwortungslosen Irrsinn endlich. Müssen die Menschen immer erst alles vor die Wand fahren, um dann festzustellen, daß es ein Fehler war? Die Natur ist nicht reparierbar wie ein Auto - kapieren diese rückgratlosen Industriemarionetten das denn nie?
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CO2-Ausstoß - Die Fakten
2009 hat die EU einen CO2-Grenzwert für Pkw festgelegt. Nach der gültigen Richtlinie darf der CO2-Ausstoß der Neuwagen-Flotte eines Herstellers ab 2020 durchschnittlich 95 Gramm je Kilometer nicht überschreiten. 2012 lag dieser Durchschnittswert in Europa bei 136,1 g/km, in Deutschland bei 141,8 g/km. Die EU-Regelung sieht Strafen vor, wenn die Autos ab 2020 mehr als 95 g/km ausstößen - und zwar 95 Euro je Gramm und Fahrzeug. Läge dann der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller Autos eines Herstellers bei 105 g/km, würden pro verkauftem Auto 950 Euro fällig.

Nicht nur in Europa, auch für andere Weltregionen wurden CO2-Grenzwerte ab 2020 festgelegt. In den USA etwa 121 g/km (ab 2025 dann 93 g/km), in China 117 g/km und in Japan 105 g/km. Die deutsche Autoindustrie erklärte, der europäische Richtwert sei "sehr ambitioniert" und nur durch "erhebliche Mehrkosten" erreichbar.

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
CO2-Emissionen

Bei Neuzulassungen 2012 in Deutschland (Flotten-Durchschnitt in g/km):

 

 

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

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