Elektromobilität EU-Kommission fordert europäische Batterie-Allianz

Batterien sind eine Schlüsseltechnologie der Energiewende - und Asien hat Europa bei der Entwicklung der Energiespeicher längst abgehängt. Die EU will jetzt kontern, doch die Erfolgschancen sind ungewiss.

Elektrofahrzeuge vom Typ BMW i3 werden aufgeladen
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Es musste etwas Großes sein, um die Bedeutung des Vorhabens zu unterstreichen. Nichts weniger als ein Airbus-Projekt für den Batteriesektor wolle man aufbauen, sagte EU-Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic am Mittwoch nach einem Treffen mit rund 40 ranghohen Vertretern von Auto-, Chemie- und Technologiefirmen. "Man hat gesehen, was die europäische Zusammenarbeit mit der Luftfahrt angestellt hat", so Sefcovic. Jetzt wolle man "den gleichen Durchbruch und den gleichen Erfolg" im Bereich der Batterien.

Dass dergleichen notwendig wäre, bezweifeln wenige. Der Markt für Elektroautos wächst rasant, und auch die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen steigert die Nachfrage nach innovativen, effizienten Energiespeichern. Das Problem: Europa und insbesondere Deutschland können der Konkurrenz aus Asien und den USA wenig entgegenhalten. Nur ein Beispiel: Als der US-Elektroautohersteller Tesla im Juni in seiner "Gigafactory" in Nevada mit der Batteriezellen-Produktion begann, ging zur gleichen Zeit Deutschlands letzte Batteriezellen-Fabrik pleite.

Europa brauche mehrere Giga-Fabriken

Dieser Entwicklung will die EU-Kommission nicht länger zusehen. Sefcovic kündigte einen "Fahrplan für eine industrielle Strategie" an. Immerhin gehe es um bis zu fünf Millionen Arbeitsplätze und einen Markt, der im Jahr 2025 rund 250 Milliarden Euro schwer sein könnte. Ihn könne man unmöglich der Konkurrenz überlassen, so Sefcovic. Er fordert "mehrere Giga-Fabriken" und eine "europäische Batterie-Allianz", um die Forschung auf dem Gebiet anzukurbeln.

Ähnlich äußerte sich der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD), der nach dem Batteriegipfel gemeinsam mit Sefcovic und Kolleginnen aus Frankreich und Polen vor die Presse trat. "Wir brauchen keine Machbarkeitsstudien mehr, sondern eine klare politische Zielsetzung", so Machnig. Wolle man eine der weltweit führenden Regionen für die Automobilherstellung bleiben, brauche man eine europäische Versorgungskette, von der Batteriezelle bis zum Fahrzeug. "Wir sind spät dran in Europa", sagte Machnig. "Wir müssen Investitionen auslösen."

Sefcovic stellte gar in Aussicht, dass die Kommission staatliche Beihilfen erlauben könnte, um der heimischen Industrie bei der Aufholjagd auf die internationale Konkurrenz zu helfen. Infrage komme das Instrument für wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse (IPCEI), das trotz der strengen Staatsbeihilfe-Regeln der EU Subventionen ermöglichen könnte.

Die Ökobilanz von Elektroautos ist noch fragwürdig

Den eigentlichen Grund für die Offensive in der Elektromobilität hatte erst am Mittwoch die EU-Umweltbehörde EEA erneut verdeutlicht: Eine Studie hatte ergeben, dass die Feinstaub-Belastung der Luft zu rund 400.000 vorzeitigen Todesfällen in der EU führt, davon 66.000 allein in Deutschland. Der Straßenverkehr ist daran beteiligt, doch gehören zu den Quellen auch die Landwirtschaft, Fabriken und vor allem Kohlekraftwerke.

Wie sehr die Belastung sinkt, wenn Elektroantriebe die Verbrennungsmotoren in Autos ersetzen, hängt aber entscheidend davon ab, wie gut die gesamte Ökobilanz des Elektroautos ist. Und die sieht derzeit alles andere als gut aus. So hat eine Studie des schwedischen Umweltinstituts IVL ergeben, dass bei der Herstellung eines Akkus mit einer Kapazität von 100 Kilowattstunden 15 bis 20 Tonnen Kohlendioxid entstehen. Ein sparsamer Kleinwagen mit Benzin- oder Dieselmotor müsste bis zu 200.000 Kilometer fahren, um die gleiche Menge an Treibhausgas auszustoßen.

Wichtig für den Umwelteffekt wäre zudem, dass der Strom für die Batterien aus erneuerbaren Quellen kommt. Doch davon könnte selbst in Deutschland mit seinem hohen Ökostromanteil kaum die Rede sein angesichts des gewaltigen Strombedarfs einer wachsenden Flotte von E-Autos. Und erst recht nicht in anderen EU-Ländern, in denen ein noch weit größerer Prozentsatz des Stroms aus der schmutzigen Verbrennung von Kohle stammt, wie etwa in Polen.

Anfang November stellt die EU neue Emissionsziele für Autos vor

Daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern, wie Jadwiga Emilewicz, Polens Vizeministerin für wirtschaftliche Entwicklung, in Brüssel klarstellte: "In Polen wird die E-Mobilität von Kohle angetrieben."

Das dürfte in Zukunft zu interessanten Diskussionen führen. Denn die EU-Kommission halte nicht nur an dem Ziel fest, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, wie Sefcovic betonte. Anfang November werde man auch "sehr ehrgeizige neue Emissionsziele" vorstellen. Die Rede ist unter anderem von 35 Prozent weniger CO2-Ausstoß im Straßenverkehr bis zum Jahr 2030.

Eine Quote für Elektroautos sei dagegen nicht geplant, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Donnerstag. Er dementierte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wonach die Behörde eine Quote von mindestens 15 Prozent aller Neuwagen für 2030 verhängen will, die mit Elektromotoren oder anderen emissionsfreien Antrieben fahren sollen.



insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
dig 12.10.2017
1. Immer dieses Zweifeln
Gut so. Aufhören zu zweifeln. Forschen. Machen ... Bei jeder Erfindung/Neuerung gab es Zweifler, doch die irrten sich, sonst säßen wir noch heute in Lehmhütten bei Kerzenschein.
twister13 12.10.2017
2. Fake
Die tolle Gigafactory von Tesla ist auch nur ein Etikettenschwindel. In Wirklichkeit ist das eine Panasonic Fabrik in den USA wo Tesla draufsteht. Musk hat sich noch nie um Batterietechnologie gekümmert. Erst hat er PC Batterien zu grossen Bündeln geschraubt, jetzt kauft er exklusiv Panasonic ein. Aber die augenblickliche Technologie ist eh schon wieder veraltet und wird nur gigantischen Sondermüll produzieren. Elektroautos werden erst dann den Massenmarkt erobern wenn sie Feststoffbatterien enthalten. Das ist sozusagen der nächste heisse Scheiss der in den Labors zur Serienreife entwickelt werden soll. Erst mit dieser Generation sind ausreichend Kapazitäten verfügbar, können ausreichend viele Ladezyklen bewältigt werden und können Ladeströme gefahren werden die das Laden nicht zur abendfüllenden Beschäftigung ausarten lassen.
syracusa 12.10.2017
3. Äpfel und Birnen
Zitat aus dem Artikel: "So hat eine Studie des schwedischen Umweltinstituts IVL ergeben, dass bei der Herstellung eines Akkus mit einer Kapazität von 100 Kilowattstunden 15 bis 20 Tonnen Kohlendioxid entstehen. Ein sparsamer Kleinwagen mit Benzin- oder Dieselmotor müsste bis zu 200.000 Kilometer fahren, um die gleiche Menge an Treibhausgas auszustoßen." Welche Ideologie verfolgt dieses "Institut" denn mit der Vorlage solch eines offensichtlich völlig schiefen Vergleichs? Ein vergleichbarer Elektrokleinwagen hat nämlich keinen 100-kWh-Akku, sondern selbst bei hoher Reichweite nur einen mit ca 40 kWh. Damit sind es keine 200.000 Kilometer, sondern nur noch 80.000 Kilometer, die ein gleich großes Elektroauto braucht, um bzgl. CO2 mit dem Verbrennerauto gleichzuziehen. Und noch mehr: diese 80.000 km sind nur der Status Quo, der sich aber wegen der Energiewende täglich verbessert. Für einen echten Vergleich muss man also nicht nur gleichartige Fahrzeuge prüfen, sondern auch die CO2-Belastung über ihre gesamte Lebenszeit betrachten. Am Lebensende eines heute gekauften E-Autos werden wir schon 50% EE beim Stromverbrauch haben. Und noch mehr: selbst wenn - was ja definitiv nicht der Fall ist - das E-Auto heute noch schlechter wäre als das Verbrennerauto, so ist es dennoch die einzige Technologie, die wir haben, um prinzipiell und eventuell erst in späterer Zukunft eine völlig nachhaltige Mobilität betreiben zu können. Wer erst einsteigt, wenn die Elektromobilität vollkommen nachhaltig ist, der verliert Jahrzehnte an Entwicklung, Unmengen Geld, Wettbewerbsfähgigkeit, und sorgt noch dazu für mehr Umweltverschmutzung.
pom_muc 12.10.2017
4.
Wenn man die angeblich überlegene Öko-Bilanz des Elektroautos im Forum angezweifelt hat konnte man sicher sein dass der Beitrag gelöscht wurde. Mich wundert dass das Zensoren-Team die Veröffentlichung dieses politisch ganz und gar nicht korrekten Artikels zugestimmt hat.
dr.eldontyrell 12.10.2017
5. Partystimmung
kommt auf in den Chefetagen der europäischen KFZ-Hersteller. Erst sich Jahrzehnte der neuen Technik verweigern, und dann, wenn das Kind fast im Brunnen liegt, Hilfen (= Steuergeld der Europäer, also unserem Geld) von der EU kassieren, um den Anschluss, den man eigentlich nicht haben wollte, weil man mit Altbackenem gutes Geld verdiente, nicht zu verpassen. Nach der Bankenrettung für Zocker also jetzt die KFZ-Rettung für Reaktionäre. Und die tolle Schweden-Studie, war da nicht was, dass man die gesamte Kette der Kraftstoffproduktion "vergessen" hat mit einzuberechnen? Stimmt ja, Rohölförderung ist quasi Klimaneutral, die Tanker, die Bohrinseln, die Raffinerien, die Tankwagen, laufen alle mit Luft und Liebe...
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