Auto


Klimaschutz bei Autos: EU-Parlament beschließt strengere CO2-Grenzwerte

Neuwagen auf einem Schiff auf dem Rhein: Autos müssen weniger Abgase ausstoßenZur Großansicht
DPA

Neuwagen auf einem Schiff auf dem Rhein: Autos müssen weniger Abgase ausstoßen

Die Abgasgrenzwerte für Autos werden verschärft. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments stimmte jetzt für eine Obergrenze von bis zu 78 Gramm Kohlendioxid je Kilometer. Die Regel soll ab dem Jahr 2025 gelten. Gleichzeitig machte das Parlament Zugeständnisse an die Autoindustrie.

Brüssel - Trotz des Protests der Autoindustrie will das Europäische Parlament die Abgasgrenzwerte für Autos ab 2025 weiter verschärfen. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments stimmte am Mittwoch in Brüssel für eine langfristige Obergrenze von durchschnittlich 68 bis 78 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß je Kilometer.

In einem anderen Punkt kommen die Abgeordneten der Industrie entgegen: Besonders emissionsarme Fahrzeuge wie Elektroautos oder Hybride will die EU stärker als von der Kommission vorgeschlagen mit sogenannten Supercredits auf die Gesamtemissionen anrechnen. Das Parlament sprach sich dafür aus, dass Neuwagen mit weniger als 50 Gramm CO2-Ausstoß in die Berechnung aller Emissionen von 2016 bis 2023 mit dem Faktor 1,5 eingehen, während die Kommission einen Wert von 1,3 vorgeschlagen hatte.

"Das ist ein vernünftiger und zeitlich begrenzter Innovationsanreiz für alternative Antriebe, die es sonst nur sehr schwer bis zur Marktfähigkeit bringen würden", erklärte der Verhandlungsführer des Parlaments, der CDU-Europaabgeordnete Thomas Ulmer. Die Grünen kritisierten dagegen, damit hätten die Autohersteller ein Schlupfloch. "Dies untergräbt das CO2-Ziel und verzögert den Umbau bei konventionellen Fahrzeugen", erklärte Fraktionschefin Rebecca Harms. Die Bundesregierung setzt sich für eine noch höhere Anrechnung ein. Unter den Mitgliedstaaten gelten die Supercredits allerdings als umstritten, sie haben noch keine gemeinsame Position gefunden.

Studie zur Wettbewerbsfähigkeit gefordert

Die nun geplante Verordnung verlangt, den CO2-Ausstoß bis 2020 auf 95 Gramm weiter zu senken, nachdem 2008 bereits ein Limit von 130 Gramm bis 2015 beschlossen worden war. An diesem Ziel hält das Parlament fest. Der Grenzwert soll für den Durchschnitt der gesamten Neuwagenflotte in der Europäischen Union gelten. Für die einzelnen Hersteller gibt es nach einer Berechnungsformel individuelle Ziele. Halten sie das Limit nicht ein, drohen Geldstrafen.

Die deutschen Hersteller hatten sich bei der Debatte über das erste Gesetz 2008 heftig gegen strenge Klimavorgaben gewehrt. Da Daimler, BMW und Volkswagen PS-stärkere Autos produzieren als die eher auf Kleinwagen spezialisierten Konkurrenten Fiat aus Italien und Renault aus Frankreich, müssen sie sich stärker umstellen.

Während Umweltverbände die neuen Zielwerte grundsätzlich begrüßten, kritisierte der Verband der Automobilindustrie den Beschluss als verfrühte Überregulierung. Es sei noch nicht abzusehen, wie sich CO2-ärmere alternative Antriebe entwickeln würden. Auch der europäische Dachverband Acea forderte Machbarkeitsstudien.

Neben klimafreundlicheren Autos wollen die Parlamentarier auch mehr Klarheit für Kunden beim Neuwagenkauf. Möglichst ab 2017 soll ein neues Messverfahrung zum Kraftstoffverbrauch gelten - bisher lieferte die Prozedur nach Ansicht zum Beispiel von Automobilclubs unrealistisch niedrige Verbrauchswerte.

Europaparlament und die EU-Staaten beginnen demnächst Gespräche über eine Neufassung der relevanten Gesetze. Ihre Verhandlungsposition werden die Abgeordneten in einer Plenarabstimmung im Mai festzurren. Angesichts der klaren Mehrheit im Ausschuss dürfte das Plenum aber ähnlich entscheiden.

cst/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 54 Beiträge
maga80 24.04.2013
bringt doch nicht viel. viel effektiver wäre die konsequente Nachprüfung duch verschiedene Abgaslabore oder die Abschaffung der 4% Toleranz und noch einmal 8% bei der Nachprüfung. Damit wären die Fahrzeuge schonmal faktisch zu 8% [...]
bringt doch nicht viel. viel effektiver wäre die konsequente Nachprüfung duch verschiedene Abgaslabore oder die Abschaffung der 4% Toleranz und noch einmal 8% bei der Nachprüfung. Damit wären die Fahrzeuge schonmal faktisch zu 8% exakter angegeben und nicht nach unten "gelogen". Die 8% in Strafgeld umgerechnet würde unvorstellbaren Steuereinträgen entsprechen.
Shaddix 24.04.2013
den Feinstaub, Nox von Direkteinspritzerbenzinern und Diesel begrenzen. CO2 ist sowas von egal, zumal der Autoverkehr vernachlässigbar ist. Die Industrie, extreme Tierhaltung und Rodungen sind doch schlimmere Faktoren.
den Feinstaub, Nox von Direkteinspritzerbenzinern und Diesel begrenzen. CO2 ist sowas von egal, zumal der Autoverkehr vernachlässigbar ist. Die Industrie, extreme Tierhaltung und Rodungen sind doch schlimmere Faktoren.
Mogamboguru 24.04.2013
68 bis 78 Gramm CO2 pro Kilometer sind mit einem Benziner gar nicht zu schaffen, Diesel will die EU wegen angeblichem Feinstaub nicht mehr und Hybride und Eletroautos verbrauchen bei ihrer Produktion mehr energie und produzieren [...]
68 bis 78 Gramm CO2 pro Kilometer sind mit einem Benziner gar nicht zu schaffen, Diesel will die EU wegen angeblichem Feinstaub nicht mehr und Hybride und Eletroautos verbrauchen bei ihrer Produktion mehr energie und produzieren mehr CO2 als jeder aktuelle, konventionelle Benziner - abgesehen davon, dass es gar nicht genug seltene Erden und Lithium auf der Welt gibt, um alle KFZ auf Elektroantrieb unzurüsten, während 80 Prozent davon ach noch in China liegen und die Chinesen einen Exportstopp auf seltene Erden verhängt haben. (Das stimmt. Googlen hilft!). Wen ndas so weiter geht, werden wir ab 2025 wieder in Pferdekutschen über Land reisen und auf Pferden zur Arbeit reiten. Vorwärts, EU, zurück ins Mittelalter - als Europa noch so herrlich grün war! Wohin führt uns das?
chefrationalist 24.04.2013
Die Autoindustrie behauptet von jeher, dass es unmöglich sein, den Verbrauch ihrer Spritfresser weiter zu senken. Das kann man getrost ignorieren. Die Frage ist auch nicht, ob es technisch möglich ist, die Antriebe auf solche [...]
Die Autoindustrie behauptet von jeher, dass es unmöglich sein, den Verbrauch ihrer Spritfresser weiter zu senken. Das kann man getrost ignorieren. Die Frage ist auch nicht, ob es technisch möglich ist, die Antriebe auf solche Verbrauchswerte zu senken, sondern wie das wirtschaftlich möglichst günstig zu haben ist. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es zudem sehr sinnvoll, den CO2-Ausstoß und damit den Spritverbrauch zu kappen. Jeder EURO, der nicht an die OPEC fließt, sondern in Ingenieursleistungen aus Deutschland fließt, stärkt unser Land.
kai_4711 24.04.2013
Gute Entscheidung des EU-Parlaments. Mit Erdgas und Hybrid-Erdgas Antrieben können auch die Verbrenner locker die Ziele erreichen, VW machts vor. Ich persönlich fahre ab Juni mit meinem Renault Zoe und 0gr durch die Gegend. 0g [...]
Gute Entscheidung des EU-Parlaments. Mit Erdgas und Hybrid-Erdgas Antrieben können auch die Verbrenner locker die Ziele erreichen, VW machts vor. Ich persönlich fahre ab Juni mit meinem Renault Zoe und 0gr durch die Gegend. 0g dank Naturstrom und eigener PV. Übrigens ohne selten Erden (Elektromotor von Continental) und mit recyclingfähiger Batterie. Ich bin ein Supercredit :)
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
alles zum Thema Autoindustrie

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Mittwoch, 24.04.2013 – 17:11 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 54 Kommentare
Facebook
CO2-Emissionen

Bei Neuzulassungen 2012 in Deutschland (Flotten-Durchschnitt in g/km):

 

 

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

Übersicht einblenden



Aktuelles zu




TOP



TOP