Nach dem Willen der EU-Kommission sollen ab 2020 neue CO2-Verordnungen für Autos gelten. Als durchschnittlichen Grenzwert hat die Kommission 95 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer vorgeschlagen. Laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) will sich die Bundesregierung damit nicht abfinden. Deutschland werde sich demnach voraussichtlich für eine Aufweichung stark machen. Die EU hat solchen Wünschen nun vorab eine Abfuhr erteilt: "Wir bleiben bei dem Vorschlag", sagte der Sprecher von Klimakommissarin Connie Hedegaard.
Dies gelte auch dann, wenn Deutschland und andere Mitgliedstaaten sich für eine Änderung einsetzten, die es den Autoherstellern erlauben würde, mehr Wagen mit vergleichsweise hohem Ausstoß des klimaschädlichen CO2 zu bauen - wie sie etwa bei den deutschen Herstellern vom Band rollen.
Derzeit stimmen sich die beteiligten Ministerien in Berlin untereinander ab, welche Position die Regierung zu dem EU-Vorschlag beziehen soll - und schlägt sich offenbar auf die Seite der Auto-Lobby. Dabei sei "ganz deutlich eine stärkere Anrechnung von Elektroautos" und Plug-In-Hybriden erkennbar als im Kommissionsvorschlag, sagte VCD-Autoexperte Michael Müller-Görnert.
Der Trick mit den Super Credits
Die Anrechnung von Elektroautos über sogenannte Super Credits bedeutet, dass verkaufte Elektroautos in der Statistik mehrfach gezählt werden dürfen, wenn ein Autobauer den Durchschnittsausstoß seiner Flotte berechnet. Je stärker aber die Elektroautos angerechnet werden, desto mehr schwere und durstige Karossen können die Hersteller bauen, ohne ihren Schnitt zu ruinieren. In den USA dürfen Elektroautos beispielsweise doppelt angerechnet werden. Auf diese Weise sinkt die theoretische Gesamtemission der Flotte.
Super Credits sind zwar bereits im Vorschlag der EU-Kommission enthalten. Der Anrechnungsfaktor soll nach ihrem Willen aber lediglich 1,3 betragen, zudem dürfte jeder Hersteller höchstens 20.000 Autos auf diese Weise anrechnen.
Der ökologisch orientierte VCD nennt die Super Credits einen "perfiden Trick, um die tatsächlichen CO2-Bilanzen der Hersteller schön zu rechnen", wie es in einer Mitteilung hieß.
Teurere Neuwagen
Laut einer Studie des Internationalen Rats für sauberen Transport (ICCT) werden Autos durch die geplante EU-Vorgabe teurer, weil für die Hersteller die Entwicklungskosten pro Neuwagen um 960 Euro steigen. Die EU-Kommission war zuvor sogar von dem doppelten Betrag ausgegangen, den die Autobauer pro Auto für umweltfreundliche Techniken aufwenden müssen.
Die Pläne für eine strengere Abgasnorm sind umstritten: Umweltschützer kritisierten die Vorschläge als zu lasch, die Autoindustrie dagegen als sehr hart. Derzeit gilt eine EU-Regulierung, wonach der Durchschnittsausstoß von CO2 bis zum Jahr 2015 auf 130 Gramm pro Kilometer gesenkt werden muss. Momentan liegt er nach Angaben der EU-Umweltagentur bei 136 Gramm.
cst/afp
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