Teure Lebensmittel: EU will Subventionen für Biosprit kappen

Maisfeld in Hessen: Aus der Pflanze wird noch Biosprit gewonnen Zur Großansicht
dapd

Maisfeld in Hessen: Aus der Pflanze wird noch Biosprit gewonnen

Die EU will Subventionen für die Biospritproduktion aus Getreide stoppen. Damit soll die Forderung zahlreicher Umweltverbände und der Bundesregierung erfüllt werden. Doch bis es so weit ist, dürfte es noch Jahre dauern.

Brüssel - Die EU will einem Gesetzentwurf zufolge die Subventionen für Sprit aus Raps, Mais oder anderen Rohstoffen der Nahrungsmittelproduktion bis zum Ende des Jahrzehnts streichen. Die Veröffentlichung des entsprechenden Papiers wird in den kommenden Wochen erwartet. Danach geht der Entwurf, der den Nachrichtenagenturen Reuters und AFP vorliegt, in die Beratungen der Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments.

"Die Kommission ist der Ansicht, dass in der Zeit nach 2020 Biotreibstoffe nur gefördert werden sollen, wenn sie zu einer deutlichen Senkung der Treibhausgase beitragen und nicht aus Getreide hergestellt werden, die für Nahrungs- oder Futtermittel genutzt werden", heißt es in dem Entwurf, dem mehr als zweijährige Beratungen vorangingen. Mehreren von der EU in Auftrag gegebenen Studien zufolge ist Biosprit aus Getreide lange nicht so klimafreundlich wie gedacht.

Zudem fällt die Ernte in diesem Jahr nach Dürreperioden in wichtigen Anbauregionen wie in den USA schwach aus. Die Preise auf den Spotmärkten sind deswegen drastisch gestiegen und haben Sorgen ausgelöst, der subventionierte und wachsende Anbau von Sprit-Getreide werde zu Engpässen bei Lebensmitteln beitragen.

Pläne der EU lassen Kurse fallen

Für die Hersteller von Treibstoffen aus Getreide ist die Kehrtwende ein Rückschlag. Die Aktien der Südzucker-Tochter CropEnergies fielen um bis zu 2,4 Prozent auf 4,46 Euro. Verbio brachen in der Spitze sogar um knapp zehn Prozent ein und waren mit 1,31 Euro so billig wie zuletzt vor drei Jahren. Die Branche macht derzeit in Europa einen Umsatz von schätzungsweise 17 Milliarden Euro. Der Anteil der Treibstoffe aus Getreide beträgt im Moment 4,5 Prozent.

Studien zufolge entsteht bei seiner Produktion so viel CO2, dass durch eine Nutzung als Biosprit nur eine geringe Klimaschonung erreicht wird. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte die Wende der EU: Sie werde "den Preisdruck auf Lebensmittel verringern und zugleich den Druck auf die Autohersteller erhöhen, sparsamere Fahrzeuge anzubieten", erklärte dessen Vorsitzender Hubert Weiger. Er pochte zugleich auf einen Stopp von E10-Benzin in Deutschland. Die dafür nötige Menge Bioethanol bringe ökologische und ernährungspolitische Kollateralschäden mit sich.

Zweifelhafte Alternativen

Die Einführung des Kraftstoffs war in Deutschland auf erhebliche Vorbehalte bei Autofahrern gestoßen. Zuletzt forderte auch die Bundesregierung eine neue Biosprit-Strategie in Europa. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) schlug Ende August dem zuständigen EU-Kommissar Andris Piebalgs in einem Brief vor, die starren Quoten für die Beimischung von Biokraftstoffen zu konventionellem Benzin zu überdenken und auf Treibstoffe aus Getreide ganz zu verzichten. Auch die SPD will dies: Generalsekretärin Andrea Nahles plädierte in einem Reuters-Interview dafür, den Anteil der Nahrungsmittel an Biosprit "perspektivisch auf null" zu senken.

Um das angestrebte Ziel von einem Anteil von insgesamt zehn Prozent klimafreundlicher Benzinarten am Gesamtverbrauch zu retten, soll dem Entwurf zufolge nun die Produktion aus Abfall und Algen vervierfacht werden. Ob dies gelingt, halten Experten für fraglich.

rom/Reuters/AFP

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insgesamt 12 Beiträge
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1.
Michels Pierre 11.09.2012
Zitat von sysopDie EU will Subventionen für die Biospritproduktion aus Getreide stoppen. Damit soll die Forderung zahlreicher Umweltverbände und der Bundesregierung erfüllt werden. Doch bis es so weit ist, dürfte es noch Jahre dauern. EU will Subventionen für Biosprit aus Getreide kappen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,855197,00.html)
Es ist schon erfreulich zu höhren dass es noch Leute gibt die diesen Wahnsinn stoppen wollen. Was mich aber wundert ist dass die gleichen Leute die ja am liebsten alles BIO machen würden jetzt diese Kertwende mitvollziehen. Die Idee mit dem Biosprit kam ja bestimmt nicht von den Roten, Schwarzen, Blauen, Gelben..........
2. Wissen die EU Politiker
crocodil 11.09.2012
eigentlich was sie tun. Habe immer gedacht - auch von der Wissenschaft erwiesen -, dass Pflanzen nur soviel CO2 aufnehmen, wie es dann bei der Verbrennung entsteht. Wäre doch mal ein guter Vorschlag für Brüssel, alle die mit Holz heizen, verbieten , sollten Solaranlagen aufs Dach Bau lassen. Das könnte die Solarlobby - u.a. die dann rechtzeitig einsteigen - große Gewinne versprechen.
3.
Oberleerer 11.09.2012
Zitat von crocodilHabe immer gedacht - auch von der Wissenschaft erwiesen -, dass Pflanzen nur soviel CO2 aufnehmen, wie es dann bei der Verbrennung entsteht.
Es muß natürlich sichergestellt sein, dass die Traktoren, LKW und Maschinen beim Bio-Anbau nicht mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Vielfach ist nicht klar, dass unser landwirtschaftlicher Ertrag enorme Energiemengen schluckt. Die Treibstoffe für diese Branche sind ebenfalls steuerlich bessergestellt.
4.
Mans Heiser 11.09.2012
Zitat von sysopDie EU will Subventionen für die Biospritproduktion aus Getreide stoppen. Damit soll die Forderung zahlreicher Umweltverbände und der Bundesregierung erfüllt werden. Doch bis es so weit ist, dürfte es noch Jahre dauern. EU will Subventionen für Biosprit aus Getreide kappen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,855197,00.html)
Wird E10 dann so teuer wie Super Plus, taugt aber eher Super Minus? Sowas gibts doch auch nur hier. Ohne Hand und Fuß, da wunder sich noch einer wieso Deutschland keiner ernst nehmen kann.
5. Und wer bezahlt's ?
Der Basisdemokrat 11.09.2012
Es ist doch egal, ob der Sprit -den sowieso keiner wollte- wieder eingestampft wird. Die Kosten für den Rückbau und die unglaublich dumme Arroganz unserer Politiker tragen wie immer die Bürger. Dann kostet E5 eben anschließend 2,50 Euro.
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Foodwatch-Report: Wie die Spekulanten die Preise treiben

Im ABC finden Sie Erklärungen zu allen wichtigen Stichworten von Auto- oder Flüssiggas bis Wasserstoff:


Alle Informationen zum E10-Benzin
Was ist E10 und warum wurde es eingeführt?
Das "E" steht für Ethanol, die "10" für zehnprozentigen Anteil von Bioethanol im Benzin. Mit Erhöhung der Beimischung von fünf auf zehn Prozent setzt die Bundesregierung EU-Vorgaben um. Hintergrund ist das Ziel, den CO2-Ausstoß von Autos zu senken.
Das E10 genannte Benzin vertragen allerdings nicht alle Autos.
Fahrer sollten sich also informieren, ob ihr Wagen betroffen ist.
Warum kann E10 für ein Auto gefährlich sein?
Laut ADAC kann E10 aggressiv mit Metall- und Kunststoffteilen reagieren. Im schlimmsten Fall sind auch Motorschäden denkbar. Der Alkohol kann Aluminium zersetzen, das auch in Motoren oder in Benzinpumpen verwendet wird. Daneben kann E10 den Kunststoff von Kraftstoffschläuchen oder Dichtungen angreifen. Werden Leitungen löchrig, kann sich Benzin an heißen Motorbauteilen entzünden.
Welche Autos vertragen E10 - und welche nicht?
Laut Bundesumweltministerium (BMU) können 90 Prozent der Autos mit Benzinmotor "ohne Einschränkungen" E10 tanken. Über vier Millionen der in Deutschland zugelassenen Autos vertragen den Sprit demnach nicht. Informationen zur Verträglichkeit geben Händler und Hersteller. Aus dem Alter eines Autos lässt sich dies nicht ableiten, teils ist E10 auch für neuere Modelle ungeeignet. Eine Liste mit Autos, die den neuen Sprit nicht tanken sollten, hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Informationen gibt es auch beim ADAC.
Was tanken Autos, die kein E10 vertragen?
Für die gibt es an einigen Tankstellen auch weiter E5 mit fünf Prozent Bioethanol - laut BMU "zeitlich unbefristet". E10 selbst wird als "Super E10" an den Zapfsäulen gekennzeichnet sein, E5 wie zuvor als "Super".
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