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Europaweite Razzia: Polizei gelingt Schlag gegen Tachofälscher

Schlag gegen die Auto-Mafia: In Deutschland und mehreren Nachbarländern hat die Polizei eine Bande von Tachofälschern ausgehoben. Die Beamten durchsuchten Büros und Werkstätten und stellten Beweismaterial sicher. Zu den Verdächtigen gehören auch 70 Autohändler.

Tacho: Beim Verkauf eines Gebrauchtwagens wird häufig der Kilometerstand manipuliert Zur Großansicht
AP

Tacho: Beim Verkauf eines Gebrauchtwagens wird häufig der Kilometerstand manipuliert

München - Die Polizeiaktion dürfte so manchen Autofahrer nervös machen. Plötzlich können selbst diejenigen, die ihr Auto bei einem Händler gekauft haben, nicht mehr sicher sein, ob ihr Vertrauen gerechtfertigt war. Denn mit einer europaweiten Razzia hat die Polizei einer ganzen Bande von Tachofälschern das Handwerk gelegt. Mehr als 500 Beamte durchsuchten unter Führung von Münchner Ermittlern über 150 Objekte in Deutschland, Österreich, Bulgarien und der Schweiz und nahmen 26 Personen fest, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Dabei ging es um professionelle Tachomanipulationen, bei denen der Kilometerstand von Gebrauchtwagen nach unten verfälscht wurde, um hohe Verkaufspreise zu erzielen.

Die Durchsuchungen am Dienstag waren nach Angaben der Polizei die größten, die es im Zusammenhang mit Tachomanipulationen bisher in Deutschland gegeben hat. Schwerpunkt waren München und das Umland. Die Beamten trafen 185 Beschuldigte an, darunter 70 Autohändler, die zu einem großen Bandennetzwerk gehören sollen. Gegen die 26 Festgenommenen wird wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs ermittelt.

Von 700.000 auf 150.000 Kilometer

Mehr als 300 Autos, bei denen ein Verdacht der Manipulation bestand, wurden sichergestellt, dazu mehr als 800.000 Euro Bargeld und Sachwerte von über 250.000 Euro. Alleine in München wurden Fälle mit einem Schaden von mindestens drei Millionen Euro aufgeklärt, wie die Polizei mitteilte. Beim wohl drastischsten Fall wurde bei einem Auto der oberen Mittelklasse der Tachostand von 700.000 Kilometer auf 150.000 manipuliert. Danach wurde der Wagen für 15.999 Euro verkauft.

Die Polizei geht davon aus, dass bei rund 30 Prozent der in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen manipulierte Tachostände vorliegen. Dabei werden entweder hohe Kilometerstände - beispielsweise bei Leasingautos - nach unten verfälscht oder beispielsweise in Taxis und Mietwagen sogenannte Kilometerfilter eingebaut, die nur jeden zweiten gefahrenen Kilometer aufzeichnen. In beiden Fällen geht der Käufer von einem niedrigeren Kilometerstand und damit einem höheren Wert des Fahrzeugs aus. Die Polizei schätzt den Schaden auf rund 3000 Euro pro Auto. Damit würde sich der Schaden deutschlandweit auf 5,4 Milliarden Euro pro Jahr summieren.

Um sich gegen entsprechenden Betrug zu schützen, empfiehlt die Polizei, sich beim Autokauf Zeit zu lassen. Zudem könne man die Kilometerstände manchmal mit den Eintragungen zu Ölwechseln abgleichen. Auch wenn Lenkrad oder Pedale stärker abgenutzt seien, als das bei der angezeigten Fahrleistung zu erwarten sei, sollte man misstrauisch werden, sagte eine Polizeisprecherin.

Kunden, die einen Gebrauchten aus privater Hand kaufen wollen, fahren am besten, "wenn es zum Auto ein lückenloses Service-Heft, Reparaturrechnungen und Unterlagen der Hauptuntersuchungen gibt", sagte Köster. Dann sei das Risiko gering, bei der Laufleistung eines Wagens übers Ohr gehauen zu werden. Denn in diesen Dokumenten sind in der Regel die Kilometerstände aufgeführt.

mik/dapd

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Tachofälscher
jujo 16.03.2011
Ich kaufe kein gebrauchtes Auto von Fremden, wenn die Dokumentation, Rechnungen, TÜV- Berichte nicht lückenlos und vollständig vorliegen
2. Sicher ist man nie
Baader 16.03.2011
Servicehefte etc. werden auch gefälscht
3. scheckhefte...
xcountzerox 16.03.2011
gerade diese werden bei den autohändlern grundsätzlich zum gedrehten tachostand gefälscht, um diesen zu untermauern. höchste zeit, dass da heftig durchgegriffen wird. das ist ein organisierter bandenbetrug jahrzehnten und bis heute bagatelisiert!
4. Tachofaelscher
beethoven79 17.03.2011
Sogar BMW ANGESTELLTE faelschen Tachos.Ich bin mal vor ein paar Jahren mit einem BMW ANGESTELLTEN und einem BMW von Muenchen nach Duisburg mitgefahren. Aber als ich auf den TACHO guckte, merkte ich, dass der Tacho ganz ausser Betrieb war. Ich fragte den Fahrer, warum der TACHO nicht funktioniert. Er antwortete: "Ich habe den Tacho schon seit einem Jahr abgeschaltet, weil ich den Wagen im Ruhrgebiet verkaufen will. Mit den niedrigen KILOMETERN bekomme ich viel mehr Geld dafuer." Das ist traurig, dass BMW so etwas zulaesst und nichts dagegen unternommen hat. Ich habe sofort BMW angerufen und dem zustaendigen Leiter diesen Vorfall mitgeteilt, aber der war LEIDER garnicht interessiert.
5. Tachofälschung
Bigaix, 17.03.2011
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Warum kann man die Autoindustrie nicht zwingen, dass alle Arbeiten an einem Auto mit Fahrgestellnummer in einem Zentralcomputer gespeichert werden. Damit wäre die lückenlose Geschichte des Autos jederzeit abrufbar und die Tachofälschung für immer beendet.
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