Elektro-Sportwagen aus China Summ, summ, summ

China forciert die Elektromobilität und fördert ausschließlich Autos aus heimischer Produktion. Das treibt mitunter interessante Blüten - wie den jetzt in Shanghai präsentierten Elektro-Sportwagen namens Event K50.

Tom Grünweg

Aus Shanghai berichtet


Die drei weißen Sportwagen mit einer Libelle als Markenlogo stehen auf dem Messestand akkurat ausgerichtet, fast wie im Formationsflug. Insgesamt erinnert der Auftritt der Marke "Event" auf der Autoshow in Shanghai stark an die Installation von Lamborghini zwei Hallen weiter. Doch das hier ist nicht eine weitere Sportwagen-Luxusmarke aus Europa, die mit schnellen Autos in China schnelles Geld machen möchte. Sondern: Hier feiert der nach Herstellerangaben erste Elektro-Sportwagen Chinas Weltpremiere.

"Ferrari trifft Tesla", nennt Fanlei Meng aus dem Designteam des Entwicklungsdienstleisters CH-Auto die Grundidee des Projektes, das vor allem durch eine spektakuläre Formensprache auffällt. Während der Markenname "Event" eher nichtssagend ist und das Typenkürzel "K50" auch für eine elektrische Zahnbürste stehen könnte, macht die Karosserie des E-Fegers mächtig was her.

Der Bug ist lang und angespitzt, das Heck erinnert mit dem nach vorne aufsteigenden Abschluss an den Audi Prologue. Und wenn man K50 von der Seite betrachtet, fallen die farblich abgesetzten Lufteinlässe sowie das weit nach hinten gezogen Dach ins Auge, und man denkt an einen Bugatti Veyron, der ein bisschen aufgegangen ist.

Raffinertes Karosseriedesign, ernüchterndes Interieur

Während das Exterieur mit erkennbarer Sorgfalt gestaltet wurde und Designer Fanlei Meng sich offenbar besondere Mühe mit der Detailarbeit an den Front- und Heckleuchten gegeben hat, geht es im Innern des Autos vergleichsweise schlicht und sachlich zu. Es gibt keine Zierteile aus Karbon, kein gebürstetes Aluminium und auch keine feinen Lederbezüge. Stattdessen wird das Interieur - wie so oft bei chinesischen Autos - dominiert von grauem Plastik und dunklem Kunstleder. "Das ändern wir noch", sagt Designer Meng, "wir sind ja noch mitten in der Entwicklung."

Das gilt allerdings nur für die Ausstattung, denn der Antrieb ist angeblich fertig. Als wesentliche Bestandteile nennt der Hersteller einen Elektromotor mit einer Leistung von 408 PS und einem Drehmoment von 650 Nm, der von einem Lithium-Ionen-Akku mit einer Speicherkapazität von 63 kWh mit Energie versorgt wird. Dieses Akkupaket ist mehrere Zentner schwer (zum exakten Gewicht gibt es bislang keine Angaben) und treibt das Gewicht trotz der Karbon-Konstruktion bei Plattform und Karosserie auf knapp zwei Tonnen. Zudem dauert es, den großen Stromspeicher zu laden. Im ungünstigsten Fall, also an einer Haushaltssteckdose, etwa 18 Stunden, ehe die Batterie wieder voll ist, räumen die Entwickler ein.

200 km/h Höchstgeschwindigkeit sind mehr als genug

Dafür komme der K50 auf eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern und sei zu beachtlichen Beschleunigungsorgien imstande. Für den Spurt von 0 auf Tempo 100 gibt der Hersteller "gut vier Sekunden" an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwas mehr als 200 km/h, was angesichts der Supersportwagenoptik in europäischen Ohren ziemlich bescheiden klingt, in China jedoch niemanden stört. Denn schneller als 120 km/h darf man hier ohnehin nirgendwo fahren.

Genau wie Batterieboliden vom Schlage eines Audi R8 E-Tron oder eines Mercedes SLS Electric Drive hat auch der K50 so seine Startschwierigkeiten. Denn mehr als die drei Prototypen fürs Messeparkett haben die Macher von Event noch nicht zu Wege gebracht.

Das jedoch ändert nichts am unbändigen Optimismus, mit dem die Manager beim Standgespräch den Zeitplan vortragen. "Im Augenblick verhandeln wir mit den Behörden über die Zulassung, und Mitte nächsten Jahres beginnen wir mit der Produktion", sagt ein Firmensprecher. Und wie selbstverständlich jongliert er mit großen Zahlen. Während Mercedes vom elektrischen SLS keine hundert Exemplare gebaut hat und Tesla die Produktion des Roadsters von vornherein auf 2500 Fahrzeuge beschränkt hatte, sollen es vom Event K50 mindestens 5000 Autos werden - und zwar schon im ersten Jahr.



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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 24.04.2015
1.
Finde den Punkt übrigens spannend: Man mache sich klar, dass Autos - abgesehen von Rennstrecken - in keinem Land der Welt auch nur annähernd 200 km/h fahren dürfen. Das wird also letztlich alles für den deutschen Markt getan. Zum Glück! :)
guentherzaruba 24.04.2015
2. China
gibt die Richtung vor . Das ist sehr gut und richtig. Endlich mal geht jmd. aus den alten Spuren raus auf neue Wege.
jrzz 24.04.2015
3. Noch einer!
Ob die Welt noch einen Sportwagen braucht, lasse ich mal dahingestellt... Aber immerhin - es tut sich was. Und vermutlich werden sich in ein paar Jahren die ach so tollen "Premium"hersteller mal wieder wundern... Naja, und so lange schrebt man Sätze wie: "Während der Markenname "Event" eher nichtssagend ist und das Typenkürzel "K50" auch für eine elektrische Zahnbürste stehen könnte..." Achja, und innen fehlt natürlich das Leder. Und das Ding fährt nur 200. Bedenklich! Wenn's sonnst nix zu meckern gibt... ;-)
mailo 24.04.2015
4. ...und fördert nur Autos aus heimischer Produktion.
Hätten wir das mit der Förderung der regenerativen Energieen auch mal gedurft... oder wenn schon nicht die heimische Produktion, dann zumindest Produktion aus der EU.
RainerCologne 24.04.2015
5. top
schönes Auto. wird unseren Ansprüchen an Sicherheit bestimmt nicht genügen, aber dafür sterben nicht zig Leute an den Abgasen. China wird massiv unterschätzt, ich war letzten November dort und wenn wir nicht aufpassen sind die uns Jahre voraus.
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