Experiment gescheitert Daimler-Chef verkündet das Ende für Maybach

Kehraus im automobilen Oberhaus: in einem Interview hat Daimler-Chef Dieter Zetsche das Aus der Marke Maybach verkündet. Der Luxusliner soll nur noch so lange gebaut werden, bis die neue S-Klasse auf den Markt kommt. Für Maybach bedeutet es das Ende eines langen Siechtums.

TMN

Frankfurt am Main - Die 2013 bevorstehende Erneuerung der Mercedes-S-Klasse will der Stuttgarter Autobauer für eine Modelloffensive nutzen. "Mercedes bläst jetzt auch zum Angriff in der Oberklasse", kündigte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an.

Die neue Offensive an der Spitze der Modellpalette bedeutet jedoch zugleich das Aus für die Marke Maybach. "Wir haben intern ausgiebig diskutiert, welcher Weg im Luxussegment den größten Erfolg verspricht. Und wir sind zur klaren Überzeugung gelangt, dass die Absatzchancen für die Marke Mercedes besser sind als die von Maybach", sagte Zetsche in dem Gespräch: "Es wäre nicht sinnvoll, ein Nachfolgemodell für den jetzigen Maybach zu entwickeln. Die kommende S-Klasse ist ein in jeder Hinsicht so überlegenes Fahrzeug, dass sie die Maybach-Modelle ersetzen kann."

Über die Existenzberechtigung des Maybach wurde innerhalb des Konzerns seit langem diskutiert, vor allem, weil die Verkaufszahlen deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben. Die globalen Absatzzahlen sind so gering, dass die mindestens 405.671 Euro teure Limousine in der offiziellen KBA-Statistik unter "Sonstige" geführt wird. Für Rolls-Royce registrierte das KBA im vergangenen Jahr 38 Neuzulassungen in Deutschland, für Bentley 201.

Opfer von Performance-Künstlern

Wie orientierungslos Daimler im Umgang mit dem Über-Mercedes zuletzt war, zeigen einige Eigenwilligkeiten der vergangenen Monate: Als der Karosseriebauer Xenatec aus dem benachbarten Weinsberg im Frühjahr eine Coupé-Variantedes Luxusliners ankündigte, reagierten die Schwaben nicht - wie sonst bei solchen Vorhaben - verschnupft. Sondern eher erfreut, dass sich überhaupt noch jemand für Maybach interessiert. Markenmanager Patrick Marinoff sagte: "Wir stehen der Kooperation mit Xenatec positiv gegenüber und bauen hierbei auf ein gegenseitig vertrauensvolles Verhältnis."

Kaum hatte die kleine, sehr zahlungskräftige Maybach-Kundschaft diesen Anschlag auf ihr Stilbewusstsein verdaut, nahm sich der Künstler Julian Schnabel eines Maybachs an und inszenierte ein vom Beschussamt Ulm durchlöchertes Modell mit in blutroter Farbe aufgepinselten Frauennamen auf der Biennale in Venedig als Kunstobjekt. "So geben wir den Maybach vollends zum Abschuss frei", frotzelt ein Mercedes-Manager, der namentlich lieber nicht genannt werden will.

Die Einstellung der Marke, die so aufwendig wiederbelebt wurde, dürfte nicht nur die bisherigen Kunden vergrätzen, sie bedeutet vor allem auch einen Gesichtsverlust für Zetsche, der sich lange für den Luxusliner starkgemacht hat.

S-Klasse als Wachtumstreiber

Unter dem Strich hat der Versuch, die Marke oberhalb der S-Klasse zu positionieren, Daimler viel Geld gekostet, wie Zetsche gegenüber der Zeitung einräumte. Das Auto soll nun weiter verkauft werden, bis die neue S-Klasse-Generation auf den Markt kommt. Die Beschäftigten der Maybach-Manufaktur bräuchten sich keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen, betonte Zetsche: "Das sind etwa 150 bestens qualifizierte Mitarbeiter, die wir für unser Wachstumsprogramm im Luxussegment brauchen werden." Mercedes will bis zum Jahr 2020 der absatzstärkste Hersteller von Premiumfahrzeugen werden.

Um das angepeilte Wachstumsziel zu erreichen, soll die Produktpalette in der Oberklasse deutlich aufgefächert werden. Statt wie bisher drei, soll es künftig sechs verschiedene Modelle der S-Klasse geben. Davon erhoffe sich Mercedes jährlich einen Absatzzuwachs im fünfstelligen Bereich, erklärte Zetsche. Auch eine Verdopplung des bisherigen S-Klasse-Absatzes von aktuell rund 80.000 Stück sei langfristig nicht abwegig: "Wir sind seit eh und je führend in diesem Segment. Das soll auch so bleiben. Wir wollen nicht warten, bis uns die anderen den Schneid abkaufen." Gebaut werden soll die S-Klasse auch künftig am Standort Sindelfingen.

mik

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insgesamt 38 Beiträge
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levitian 25.11.2011
1. Zeit geben!
Zetsche muss den Integrationsverweigerern und Zuhältern in Frankfurt einfach mehr Zeit geben, um vom Stern auf den Maybach umzusteigen. Dann klappts auch mit dem Absatz. Die Jugo-Bauarbeitertruppe ist ja schon von Mercedes auf BMW umgestiegen. Zetsche muss einfach näher am Kunden sein!
Ex-Kölner 25.11.2011
2. Überfällig!
Der Maybach sieht aus, als hätten chinesische Produktpiraten versucht, eine S-Klasse auf Rolls-Royce zu schminken. Allein schon der Kühlergrill und die zweifarbigen Seiten! Das geht gar nicht. Daimler hätte sich den Luxus eines optisch eigenständigen Maybach leisten müssen - dann hätte das Konzept funktionieren können. Als allzu offensichtliche S-Klassen-Variation ging's ja augenscheinlich nicht. Beruhigend im übrigen, daß auch im Luxussegment die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
GerhardFeder 25.11.2011
3. Dinosaurier
Der Dr. Z. ist in den USA mit den Chrysler-Dinos gescheitert und jetzt hier mit denen von Daimler. Die Markenpolitik von Daimler-Daimler-Chrysler-Daimler ist seit 17 Jahren nachhaltig gescheitert und eine Verbesserung steht noch aus. Der unsägliche smart wird nur gebaut, damit der Flottenverbrauch nicht noch weiter hinter der Selbstverpflichtung für 2006 zurückbleibt. Und wenn endlich mal die massive Steuersubvention für Firmen- und Dienstwagen zu Ende wäre, dann ...
blob123y 25.11.2011
4. Diese Mercedler
sind echt eine Lachnummer, die haben bis heute nicht begriffen das die das Auto nur anders BENENNEN muessen und schon laeufts. Nennt das Ding z.B. Mercedes 800 usw. Einen Gigafehler eines offensichtlich inkompetenten Managements sehen wir hier.
Luckyman 25.11.2011
5. Milliardengrab Maybach
Da wurden in langjähriger Daimler-Tradition wieder ein paar Millarden versenkt, das können die Schwaben perfekt. Über überteuerte Preise für die Massenmodelle müssen die nun wieder reingeholt werden. Herr Zetsche bekommt vom Aufsichtsrat dann auch sicherlich noch einen Millionenbonus für diese weitsichtige Entscheidung. Dabei war er der Motor hinter der Flop-Marke May-bach runter.
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