Extrem-Luxustuner Mansory Monster für Millionen

So sehen wirklich teure Autos aus: Klavierlack auf der Konsole, ein Innenraum aus Leder, das Dach aus Glas - und Fenster, die auf Knopfdruck trübe werden. Kourosh Mansory baut im Fichtelgebirge Nobelautos zu Juwelen der Straße um. Auch preislich gesehen.


Wenn Kourosh Mansory von seiner Werkstatt aus auf Testfahrt geht, holen Mütter den Nachwuchs ins Haus, Schuljungs stehen mit aufgerissenem Mund am Straßenrand und Hausfrauen schütteln verständnislos den Kopf. Als wären es Ufos aus einer anderen Galaxie, fliegen dann plötzlich die teuersten Sportwagen und Luxuslimousinen über die kurvigen Straßen des Fichtelgebirges.

Denn Mansory ist Tuner und hat sich auf eine Fahrzeugauswahl versteift, von denen die Einheimischen der strukturschwachen Region nicht einmal zu träumen wagen: Bentley Continental, Aston Martin DB9, Ferrari 599, Mercedes SLR oder Rolls-Royce Phantom stehen in seiner Werkstatt - und müssten eben bisweilen auch mal auf Testfahrt, sagt der Iraner, der seit mehr als 30 Jahren in Europa lebt und sein Geld als Zulieferer für andere Tuner gemacht hat. "Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, nur die Karbonblenden und Sportlenkräder für andere Firmen zu fertigen - sondern wollte meine eigenen Autos auf der Straße sehen."

Mansory hat vor einigen Jahren das Edel-Tuning begonnen. Dass er sich dabei auf die teuersten Autos der Welt stürzt, folgt neben der persönlichen Faszination präzisem Kalkül. "Wer so einen Wagen kauft, der muss nicht auf die Rechnung schauen", sagt Mansory. "Da fehlt es nicht am nötigen Kleingeld für die Umbauten."

Mit Kleingeld allerdings ist es nicht getan. "Für Umbauten wie den SLR Renovatio, den Ferrari 599 GTB Stallone oder den Rolls-Royce Conquistador zahlt man zwischen 300.000 und 500.000 Euro", sagt Mansory - exklusive Steuer und Basisfahrzeug, versteht sich.

Ein Fußballmillionär will seinen Ferrari veredeln lassen

Trotzdem haben die rund 30 Mitarbeiter allem Anschein nach gut zu tun. Kunden wie jenen ungenannten Fußballmillionär aus Barcelona, der gerade einen Ferrari veredeln lassen will, muss er aufs Frühjahr vertrösten. Und auch der Besteller der 30 individualisierten Audi R8 wird sich wohl noch etwas gedulden müssen. Denn an mehr als drei, vier Autos parallel kann das Team nicht schrauben. Und bei einer Bearbeitungsdauer von drei bis vier Monaten ist die Werkstatt bis weit ins nächste Jahr ausgebucht.

Außerdem muss zwischendurch ja auch noch entwickelt werden. Erst das Design am Computer, dann das Tonmodell, dann abscannen, Formen fräsen, Teile gießen. "Unser Entwicklungsprozess ist identisch mit dem der Autohersteller und dauert pro Modell ein bis zwei Jahre", sagt Mansory. Im Augenblick arbeitet er am ersten Geländewagen der Firma; einem Chopster auf Basis des Porsche Cayenne.

Chrom, Gold, Leder und Milchglas

Welche Anstrengungen die Hersteller auch immer selbst unternehmen, gegen Mansorys Arbeiten wirkt das stets ein wenig stümperhaft. Wer daran zweifelt, dem zeigt der Chef in der Werkstatt zum Beispiel einen aktuellen Phantom-Umbau. Von außen gibt sich die Limousine mit den markanten Scheinwerferschlitzen des Coupés, der wenig stilsicher vergoldeten Kühlerfigur, den beinahe hüfthohen 22-Zoll-Rädern und den chromblinkenden Kiemen fast noch bescheiden.

Doch innen ist der Luxusliner eine dunkle Höhle, die ausgeschlagen ist mit handschuhweichem Leder und einem kilometerlangen Nahtbild in Kontrastfarben. Konsolen schimmern in Karbon und Klavierlack, es gibt riesige Multimedia-Monitore und elektrisch ausfahrende Schreibtische. Der Clou aber sind das große Glasdach und die hinteren Seitenfenster, die sich auf Knopfdruck eintrüben und das Elend der Welt hinter Milchglas entschwinden lassen. Den Namen des künftigen Besitzers zu nennen, verbietet Herrn Mansory die in diesem Geschäft notwendige Diskretion. Und die orangefarben in die Kopfstützen eingenähten Schriftzüge kann hierzulande ohnehin kaum keiner lesen. Doch so viel lässt er sich dann doch entlocken: "Der Rolls ist das Geburtstagsgeschenk für den Sohn des Hauses." Wenigstens zur bestandenen Führerscheinprüfung? "Nein, der Junior wird erst 13."

"Schnell genug sind die Autos ohnehin schon"

Mansory bietet auch Motor-Tuning an. Den ab Werk mit 460 PS arbeitenden V12-Motor des Rolls-Royce bringt er mit zwei Kompressoren auf mehr als 600 PS. Und der Ferrari 599 GTB leistet als Stallone 720 statt 620 PS. "Doch geht es meinen Kunden ganz klar um die Optik und die Individualität. Schnell genug sind die Autos ja ohnehin", sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.

Für europäische Maßstäbe kommen Autos wie der leuchtend orange Bentley Lemansory, der zweifarbige SLR Renovatio oder der mattschwarze Rolls-Royce Conquistador gefährlich nahe an die Peinlichkeitsgrenze. Doch die vornehmlich im europäischen Osten, im amerikanischen Westen und in den Golfstaaten beheimatete Kundschaft goutiert die eigenwilligen Entwürfe, bestellt im Jahr zwischen 70 und 80 Komplettfahrzeuge - und freut sich, dass sie das Auto selbst in Dubai, Moskau der Beverly Hills auf Anhieb wiedererkennt.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.