Fotoausstellung "Driving Crazy" Ein anderer Blick auf die Boliden

Düster, poetisch, dreckig - die Autofotografie von Frank Kayser steht in krassem Kontrast zu den üblichen "Frisch-polierter-Wagen-fährt-im-Sonnenschein-über-Küstenstraße"-Motiven vieler Pkw-Prospekte oder PS-Magazine. Eine Ausstellung zeigt jetzt Kaysers beste Bilder.

Von Jürgen Pander

Frank Kayser

Als Frank Kayser zu einer Party während der letzten IAA in Frankfurt mit einem völlig schlammverkrusteten Audi-Sportwagen vorfuhr, dachten einige Mitarbeiter des Herstellers, der Wagen sei von Anti-Auto-Aktivisten mit Dreck beworfen worden. "Tatsächlich war ich nur über einige Feldwege gefahren", sagt Frank Kayser. Die Episode bringt ganz gut auf den Punkt, worum es dem Autofotografen auch bei seiner Arbeit vor allem geht: "Ich möchte totem Blech Leben einhauchen."

Und dabei kommt dann eben manchmal ein völlig verdrecktes Auto heraus. Oder Motive, auf denen zwar auch ein schicker Sportwagen zu sehen ist, das Auge aber zugleich an vielen anderen interessanten Dingen hängenbleibt und das Gehirn die Einzeleindrücke zu einer kleinen Geschichte zusammenpuzzelt. "Für mich ist an einem Auto nicht die Technik das Wichtigste, sondern die Form", sagt Kayser.

Eine Auswahl seiner Fotoserien ist ab sofort im Automuseum Prototyp in der Hafen-City in Hamburg zu sehen (Ausstellung "Driving Crazy", bis 23. Juni 2013), parallel dazu erscheint im Delius Klasing Verlag ein Bildband unter dem gleichen Titel. Bei beidem handelt es sich um Premieren - es ist die erste Werkschau von Kayser, der in der Szene der Autofotografen inzwischen zu den Großen zählt.

Ab auf den Flugzeugträger

Der Mann, Jahrgang 1967, aus Eichenzell in der Nähe von Fulda ist Autodidakt. Nach Abitur und Zivildienst fing er sogleich als Fotoassistent an, fotografierte irgendwann selbst und beschloss vor einigen Jahren sich ganz auf Sportwagenfotografie zu konzentrieren. Eines der ersten Projekte war ein Auftrag vom Lamborghini-Magazin, es ging um ein Fotoshooting auf dem italienischen Flugzeugträger "Garibaldi". Die Fotoerlaubnis galt für 36 Stunden an Bord des Kriegsschiffes, und sie ermöglichte eine spektakuläre Serie, die Kayser auf Anhieb in den inneren Zirkel der Autofotografen katapultierte.

Inzwischen liest sich die Liste seiner Auftraggeber wie das Who's who der Branche, zudem arbeitete er als offizieller Rennfotograf in Le Mans oder dokumentierte mit seinen Bildern einen russischen Raketenstart auf dem Weltraumbahnhof im kasachischen Baikonur. "So stellt man sich Armageddon vor", sagt Kayser über die Atmosphäre des Kosmodroms, "überall Zerstörung und Zerfall". Gerade deshalb plane er, dorthin zurückzukehren - um dort einen Sportwagen zu fotografieren.

Am liebsten jedoch wäre ihm ein noch weitaus abgelegenerer Ort als Kulisse. "Das Projekt, das ich unbedingt noch realisieren möchte", sagt Kayser mit lässiger Selbstverständlichkeit, "ist ein Auto-Shooting auf dem Mond."



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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
harry hausen 19.04.2013
1. So beeindrucked die Bilder sein wollen...
... für mich einfach zuviel Photoshop!
oxy 19.04.2013
2. Nicht ganz so neu
Im Automagazin Ramp sind seit Jahren Fotos wie die oben abgebildeten zu sehen. Ansprechend anders ....
dr.petermann 19.04.2013
3. Schöne Perspektiven / übertriebene Effekte
... so wie Herr Harry Hausen es treffend beschrieben hat, die Photoshop Tools liefen wohl auf Hochtouren... was zur Folge hat, dass beispielsweise der R8 auf dem ital. Feldweg aussieht, als wäre dieser auf jene Ebenenmaske eingefügt worden. Beides beißt sich... Einen Blick für gute Perspektiven kann man dem Fotografen aber durchaus bescheinigen. Beste Grüße Dr. Petermann
RealSatiriker 19.04.2013
4. Jepp, ich für mich...
Anfangs fragte ich mich noch 'Was ist Fotografie und was ist Bildbearbeitung?". Heute ob überhaupt noch fotografiert wurde.
sarah.schwarzfeld 19.04.2013
5. sieht das bescheiden aus
als ob das gerendert ist, wie bei Computerspielen
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