KTM Freeride E: Stecker raus und rein ins Gelände

Von Jochen Vorfelder

KTM Freeride E: Abseitiges Vergnügen Fotos
KTM

Mit der Freeride E bringen die Österreicher von KTM ihr erstes Elektro-Motorrad auf den Markt. Die Maschine hat keine Straßenzulassung, soll aber die Lösung aller Offroad-Probleme sein. Das unbescheidene Ziel: Die Schaffung einer neuen Trendsportart.

Johannes Proschek hat bis 2009 im Formel-1-Zirkus gearbeitet. Aufgabe des Managers war es, im Rennstall von Toyota mehr Leistung aus Menschen und Motoren rauszukitzeln: "Das war nicht immer einfach", erinnert er sich, während er aus seinem Büro im beschaulichen Mattighofen über eine grüne Wiese blickt. In der Gemeinde in Oberösterreich befindet sich sein neuer Arbeitsplatz, hier sitzt der Motorradhersteller KTM. Als Projektleiter soll Proschek einem großen Wagnis zum Erfolg verhelfen: der Markteinführung des Freeride E-Crossers. Proschek, seit 2010 bei KTM, ahnte damals schon: "Auch das wird nicht ganz einfach."

Als KTM im Sommer 2007 eine Geländemaschine mit Elektroantrieb ankündigte, hielten die meisten Betrachter den Prototyp für eine witzige Fingerübung der Rennsportingenieure. Doch Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender von KTM, nahm die Sache von Anfang an ernst. Er sieht in den lautlosen E-Fahrzeugen ein zukünftiges Firmenstandbein. Die jetzt vorgestellte Sportvariante und die geplanten Wander- und Straßenversionen sollen neue Käufer ansprechen.

Dazu will er sogenannte E-Parks in der Nähe von Städten errichten lassen: Geländestrecken, auf denen E-Bikes gemietet werden können und Kurse für Crossfahrten angeboten werden. "Wenn die Anwendung des Sportgeräts lautlos näher an die Städte rückt, steigt die Akzeptanz", ist sich Pierer sicher. E-Crossen, so seine Vision, soll zu einer Trendsportart wie Mountainbiking werden.

Da fehlt einiges

Der erste E-Park ist hinter dem KTM-Betriebsgelände in Mattighofen entstanden. Dort parkt nach fünf Jahren Entwicklung nun auch die Freeride E. Die Strom-KTM könnte auch als 80er oder 125er Crossmaschine durchgehen. Die Farbgebung und die Komponenten wie Leichtbaurahmen, WP-Gabel und Federbein sowie Bremsen und Fahrwerk sind typisch "ready to race".

Gegen diesen kleinen Qualitätsrenner wirken die Konkurrenten wie die Zero oder Quanta eher hausbacken und handgestrickt. Auch das Gewicht von 95 Kilogramm und die Leistung passen: Die umgerechnet bis zu 30 PS und ein maximales Drehmoment von 42 Nm können sich sehen lassen.

Der Antrieb kommt nun allerdings nicht mehr aus dem traditionellen Verbrenner mit Vergaser, sondern aus einem staub- und wasserdicht gekapselten, bürstenlosen Synchronmotor. Das Aggregat wird von einem 2,1 kWh-Batteriesatz mit Lithium-Ionen-Zellen und 300 Volt Betriebsspannung angetrieben.

Das ändert nicht nur den Fahrzeugcharakter, sondern auch die Optik: Schaltgetriebe, Kupplung, Tank, Krümmer und Auspuff entfallen ersatzlos. Und damit auch Benzinfüllaktionen im Gelände, das Säubern von verdreckten Luftfiltern, scheppernde Klemmen an verölten Endtöpfen und bläuliche Rauchfahnen - die typischen Offroad-Dramen eben.

Driften für alle

Im Gelände geht die Freeride ab wie Schmidts Katze. Ein Klick am Einschalter, dann "bootet" sich das Fahrzeug hoch. Wheelies aus dem Stand sind kein Problem. Der Freeride E mangelt es also nicht an Kraft. Die Kapazität der Akkus reicht laut Proschek aus, um sich zwischen 30 und 45 Minuten auszutoben. Gemütlichere Wanderfahrten sollen bis zu einer Stunde möglich sein. Geladen ist der Akku nach 90 Minuten.

Für Offroad-Novizen ist der E-Antrieb interessant, weil er sich im Vergleich zu einem benzingetriebenen Crosser leichter beherrschen lässt. Für einen Drift durch enge Kurven ist bei der Freeride E beispielsweise kein gleichzeitiges Bremsen, Schalten, Kupplungsschleifen und Gasgeben nötig. Hier reicht der beherzte Griff in die Bremsen und volle Kraft voraus im Scheitelpunkt.

Abwürgen lässt sich die Maschine nicht. Weil deshalb auch niemand beim Antreten verzweifelt, hat KTM neben den stadtnahen Trendsportlern auch schon andere Zielgruppen wie Jäger, Waldarbeiter und alpine Kurgemeinden mit Mountainbike-Strecken im Visier.

Seit Juli werden die ersten 100 von insgesamt 500 Vorserienmaschinen ausgeliefert - bisher nur an KTM-Mitarbeiter, handverlesene Offroad-Experten und wenige Privatfahrer, die sich über eine Website bewerben können. Sie sollen das E-Mobil unter Alltagsbedingungen testen: Wie macht sich der Motor bei einer ordentlichen Schlammpackung im Gelände und regelmäßiger Malträtierung durch einen Kärcher? Hält die Batterie auch im Winter durch? Welche Kosten entstehen für eine zweite, geleaste Wechselbatterie? Diese Fragen müssen spätestens im Frühjahr 2013 geklärt sein. Dann sollte die Freeride E für einen stolzen Preis knapp unter 10.000 Euro in den Verkauf gehen.

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1. Respekt!
Michael KaiRo 27.07.2012
Zitat von sysopMit der Freeride E bringen die Österreicher von KTM ihr erstes Elektro-Motorrad auf den Markt. Die Maschine hat keine Straßenzulassung, soll aber die Lösung aller Offroad-Probleme sein. Das unbescheidene Ziel: Die Schaffung einer neuen Trendsportart. Fahrbericht KTM Freeride E - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,846313,00.html)
KTM hat hier eine tolle Idee gehabt und es sieht so aus, als wenn sie es optimal umsetzen täten. Mit solchen Anwendungen kann man den ersten Schritt in Sachen Elektromobilität machen, statt gleich mit der Tür ins Haus fallen zu wollen. Ach ja, habe früher selbst mal ein bissl Trial und Cross gemacht. Wow, was geht das in die Knochen selbst bei nur 30 Minuten - dagegen ist ein 10 km Dauerlauf reine Pillepalle. Aber Spaß machts!
2. Ktm
dr.edi 27.07.2012
hat neben der Freeride noch anderen Zero Maschinen im zukünftigen Portfolio. Und sie sind im Moment der einzigste Hersteller der EBikes zum Trend erheben könnten. Die Qualität der KTM Maschinen wird mit "ready to race" beworden und auch geliefert. Hier gibts feinstes Fahrwerk mit perfekter Motorabstimmung. Dagegen sehen sämtliche erhältlichen Varianten anderer Hersteller aus wie kalter Kaffee.
3.
Michael KaiRo 27.07.2012
Zitat von dr.edihat neben der Freeride noch anderen Zero Maschinen im zukünftigen Portfolio. Und sie sind im Moment der einzigste Hersteller der EBikes zum Trend erheben könnten. Die Qualität der KTM Maschinen wird mit "ready to race" beworden und auch geliefert. Hier gibts feinstes Fahrwerk mit perfekter Motorabstimmung. Dagegen sehen sämtliche erhältlichen Varianten anderer Hersteller aus wie kalter Kaffee.
Am Besten gefällt mir pers. allerdings immer noch die KTM X-Bow - damit lassen sich selbst so Supersportwagen wie ein Porsche 911 GT3 RS (mit Sportreifen), ein Mercedes SLS AMG Roadster, ein Audi R8 GT (mit Sportreifen) auf kurvenreichen Strecken vernaschen. Völlig überflüssig, aber sicher ein tolles Spaßvehikel. Aber so ein Elektro-KTM-Freeride E täte mich schon reizen - keinen Krach machen und doch im Wald rumfahren - dürfte aber ein Spaziergängerschreck werden.
4.
no-panic 27.07.2012
Zitat von dr.edihat neben der Freeride noch anderen Zero Maschinen im zukünftigen Portfolio. Und sie sind im Moment der einzigste Hersteller der EBikes zum Trend erheben könnten. Die Qualität der KTM Maschinen wird mit "ready to race" beworden und auch geliefert. Hier gibts feinstes Fahrwerk mit perfekter Motorabstimmung. Dagegen sehen sämtliche erhältlichen Varianten anderer Hersteller aus wie kalter Kaffee.
Naja, das mag Ihre Meinung sein. Auch andere Hersteller bieten im Segment Offroadsportmotorräder sehr hohe Qualität und werksseitig hochwertige Komponenten. Neben den 4 japanischen Herstellern seien hier Husqvarna (gehört zu BMW) und Husaberg (KTM ) erwähnt. Qualitativ sehr hochwertig und wirklich "ready to race" ist TM und die sind auch mächtig auf dem Vormarsch. Bei KTM frage ich mich immer, warum es für die "Ready to Race" Bikes noch einen Power Parts Katalog mit edlen Komponenten braucht ;) Im E Mobilitätsbereich wagt KTM nun neue Wege, es bleibt abzuwarten, was daraus wird. Interessant ist die Entwicklung allemal, auch aus sportlicher Sicht.
5.
no-panic 27.07.2012
Zitat von Michael KaiRoAm Besten gefällt mir pers. allerdings immer noch die KTM X-Bow - damit lassen sich selbst so Supersportwagen wie ein Porsche 911 GT3 RS (mit Sportreifen), ein Mercedes SLS AMG Roadster, ein Audi R8 GT (mit Sportreifen) auf kurvenreichen Strecken vernaschen. Völlig überflüssig, aber sicher ein tolles Spaßvehikel. Aber so ein Elektro-KTM-Freeride E täte mich schon reizen - keinen Krach machen und doch im Wald rumfahren - dürfte aber ein Spaziergängerschreck werden.
Das mit dem im Wald rumdüsen vergessen Sie mal ganz schnell wieder, da wird es gesetzliche Riegel geben, aus guten Gründen. Mir gefällt die Vorstellung jedenfalls nicht, beim Waldspaziergang von irgendwelchen E-Hirschen umgespitzt zu werden. Mal angesehen davon, daß Boden und Wurzelwerk nachhaltig geschädigt werden etc.
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Fahrzeugschein
Hersteller: KTM
Typ: Freeride E
Karosserie: Zweirad
Motor: bürstenloser Synchronmotor
Getriebe: ohne
Leistung (E-Motor): 30 PS
Drehmoment (E-Motor): 42 Nm
Höchstgeschw.: 95 km/h
Gewicht: 95 kg
Zum Autor
Jochen Vorfelder ist passionierter Motorradfahrer. Er berichtet seit Jahren über die Bike-Szene und betreibt das Blog Moto1203. In der Rubrik Schräglage berichtet er für SPIEGEL ONLINE regelmäßig über die neuesten Zweirad-Entwicklungen. Alle bisher erschienen Schräglage-Folgen

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