Erste Probefahrt im neuen Skoda Superb Streng abgeschirmt

Skoda hat sein Flaggschiff aufgemöbelt: Die neuste Version der Limousine Superb bietet mehr Platz, Komfort und Extras als der Vorgänger und kommt Autos wie dem VW Passat oder Audi A6 ziemlich nahe. In einem Detail übertreffen die Tschechen sogar Rolls-Royce.

Uli Sonntag

Eine Straße im Hinterland von Lissabon in Portugal: Kopfsteinpflaster, Spurrinnen, Bodenwellen und jede Menge Gullydeckel - die Piste ist eine kilometerlange Tortur für Autos. Genau deshalb wurde sie für die erste Probefahrt im neuen Skoda Superb ausgewählt. Die Karosserie des Wagens ist dabei noch mit Folie überklebt: Drei Monate vor der offiziellen Weltpremiere des Autos auf dem Genfer Salon soll der Härtetest auf der üblen Fahrbahn vor allem eines demonstrieren - wie hoch die Ansprüche bei Skoda, der einstigen Billigmarke aus Tschechien, mittlerweile sind.

"Komfort, Komfort, Komfort", sagt Projektleiter Roman Hawelka, wenn man ihn nach der Zielvorgabe für die Neuentwicklung des Top-Modells der Tschechen fragt. Fünf Fahrwerkseinstellungen erlaubt die Technik, im bequemsten Modus erscheint eine stilisierte Wolke auf dem Bildschirm. Um der Anzeige gereicht zu werden und ein schwebendes Fahrgefühl zu erreichen, hat Hawelkas Team an mehreren Stellen angesetzt: Auf den 18-Zoll-Felgen sind extra große Reifen montiert, im Vergleich zum Vorgänger sind die Sitze besser gepolstert, der Motor stärker eingedämmt und um die Windgeräusche zu minimieren, wurde an der Aerodynamik gefeilt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nach der Probefahrt über die Rüttelpiste wirkt der Superb teureren Autos ebenbürtig, zum Beispiel dem frisch überarbeiteten Audi A6 .

In der Größe gewachsen, beim Gewicht geschrumpft

Beim Platzangebot hat schon der aktuelle Skoda Superb überzeugt, jetzt kommen noch mal fünf Zentimeter mehr Breite und acht Zentimeter mehr Radstand hinzu. "Mit fast 16 Zentimetern Beinfreiheit bieten wir im Fond mehr als doppelt so viel Platz wie der beste Wettbewerber", freut sich Hawelka und schlägt auf der Rückbank demonstrativ die Beine übereinander.

Mit durchweg neuen Motoren - es gibt zunächst fünf Benzin- und drei Dieselmotorisierungen von 120 bis 280 PS - sowie dem erstmaligen Einsatz der Zylinderabschaltung sollen einzelne Modelle außerdem um bis zu 30 Prozent sparsamer werden. Dabei hilft auch eine Gewichteinsparung: Obwohl das Auto größer wurde, wiegt es jetzt je nach Variante um bis zu 75 Kilogramm weniger.

Während das Basismodell der Baureihe weiterhin deutlich unter 25.000 Euro kosten soll, wie man bei Skoda hört, werden andererseits immer mehr Möglichkeiten geschaffen, diesen Preis mit Extras nach oben zu treiben. Dazu zählen beispielsweise ein Glasdach oder eine automatische Heckklappe, die sich per angedeuteten Fußtritt öffnen lässt. Oder ein Abstandstempomat mit Stop-and-Go-Funktion samt Lenkeingriff. Ein üppiges Infotainment-System inklusive LTE-Hotspot und vollständiger Integration von Smartphones mit Apple-Software, MirrorLink oder Google-Betriebssystem wird ebenfalls angeboten.

Schirmherrschaft auf beiden Vordersitzen

Das Flaggschiff der Volkswagen-Tochter Skoda wird damit zu einem echten Konkurrenten anderer Modelle aus dem Konzern, wie dem VW Passat und Audi A6. Die fein austarierte Balance der Marken ist jedenfalls empfindlich gestört.

Doch Skoda-Chef Winfried Vahland hält sich nicht lang mit konzerninternen Rangeleien auf. Er nennt den Superb vollmundig den "neuen Maßstab in der Mittelklasse" und vergleicht das neue Auto im Überschwang sogar mit den Luxusmodellen von Rolls-Royce. Ist da etwa jemand einmal zu oft über die Rüttelpiste gefahren?

Offenbar nicht - denn Vahland beschränkt sich bei dem Kräftemessen auf ein Detail: Und zwar auf den Regenschirm, der in die Tür integriert ist. "Allerdings haben wir da ein bisschen weitergedacht", kokettiert er. Bei Rolls-Royce steht der Regenschutz nämlich nur dem Fahrer mit einem Griff zur Verfügung. "Aber weil Skoda eine demokratische Marke ist", sagt Vahland, "gibt's den Schirm bei uns auch in der Beifahrertür."



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insgesamt 25 Beiträge
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Rinax 11.12.2014
1. Skoda - simply clever
Bin selbst Skodafahrer (Octavia RS) und würde mein geliebten Kombi niemals tauschen wollen, höchstens gegen Nachfolgemodelle. Der Spruch mit dem Regenschirm hat mir im Artikel gut gefallen :D
tomymind 11.12.2014
2.
Richtig, der Regenschirm war für mich während der Autofahrt immer das wichtigste. Vor allem da sich der Beifahrer Fußraum bzw der hintere ja gefühlte 20m weit weg befindet. So wie der Kofferraum. Und bevor jetzt jemand mit nass machen kommt, es ist nur Wasser.
whiterussian 11.12.2014
3. Erstaunlich
welchen Weg die Marke in den letzten Jahrzehnten hingelegt hat. So lange ist es noch nicht her, dass Skoda mit billigen Kleinwagen im Dacia Segment auf Kundenfang ging. Respekt!
rallerollo 11.12.2014
4. hmmm
Ein Audi mit Skoda Emblem... was anderes ist es doch nicht... so rückt das Auto dem VW Einheitsbrei immer näher
rathat 11.12.2014
5. Es heißt Škoda!
Ich, als überzeugter Rolls Royce Besitzer, werde dann natürlich in Erwägung ziehen, einen Škoda zu kaufen, damit dann die Beifahrerseite (auf der nie jemand sitzt) auch einen Regenschirm hat. Dabei ist mir auch egal, wenn der im Superb keinen Griff aus Silber hat. Aber so läuft es bei VAG: Kleinigkeiten herausstellen und noch nicht einmal ein haltbares DSG oder Motoren mit Steuerkette bauen können. PS: für einen Autoreporter sollte es kein Problem darstellen, den Namen einer Marke richtig zu schreiben. Also Škoda statt Skoda.
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