Rentner am Steuer Versicherer fordern Fahrprüfung für Senioren

Senioren verursachen statistisch mehr Unfälle als die Hochrisikogruppe der Fahranfänger. Trotzdem traut sich die Politik nicht, Eignungstests einzuführen. Nun melden sich die Versicherer zu Wort - und fordern genau dies.

Älterer Autofahrer
DPA

Älterer Autofahrer


Die Debatte um Fahrtests für Senioren wird schon seit Jahren hitzig geführt, nun hat sich eine gewichtige Stimme zu Wort gemeldet: Unfallforscher der deutschen Versicherer erwarten, dass Testfahrten für Autofahrer im Seniorenalter auf lange Sicht verpflichtend eingeführt werden.

Zunächst sollten die Kontrollen auf freiwilliger Basis erprobt werden, um die Akzeptanz zu testen, sagte der Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Siegfried Brockmann, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Dienstag.

"Langfristig aber wird eine solche Kontrollfahrt zur Pflicht werden müssen", ergänzte Brockmann. "Die Wahrscheinlichkeit ist einfach zu groß, dass ältere Fahrer ihr Können zu positiv einschätzen und die Teilnahme deshalb verweigern." Der Bereich Unfallforschung beim GDV wolle noch in diesem Jahr Standards für eine derartige Testfahrt entwickeln.

Erst mal alles nur freiwillig - aber dann...

Brockmanns Angaben zufolge soll die angedachte Kontrollfahrt im Beisein eines geschulten Begleiters erfolgen, um den Autofahrern neutrale Rückmeldungen zu geben. Das Ergebnis soll nach GDV-Vorstellungen vertraulich sein und lediglich eine Empfehlung darstellen. "Niemand soll anschließend gezwungen werden, seinen Führerschein abzugeben", betonte er.

Zuletzt hatte sich die Debatte meist an besonders dramatischen von Senioren verursachten Unfällen entzündet. Wenn diese auf der Autobahn als Falschfahrer tödliche Unfällen verursachten oder die Kontrolle über Ihr Auto verloren und in Passanten rasten.

Zur Begründung der Versichererinitiative verwies Brockmann auf Unfallstatistiken von Autofahrern über 75 Jahren. Drei von vier Unfällen, an denen sie beteiligt seien, verursachten sie selbst. Der Wert sei höher als in der Hochrisikogruppe der Fahranfänger. Noch sei die absolute Zahl der Unfälle älterer Senioren gering, betonte er. Angesichts der demografischen Entwicklung werde sich diese jedoch "zu einem Problem entwickeln".

Genau in der demografischen Entwicklung ist wohl auch der Grund dafür zu suchen, warum in Deutschland nicht schon längst die in anderen europäischen Ländern durchaus üblichen Fahreignungstests durchgeführt werden. Bei der Bundestagswahl 2013 waren bereits gut ein Drittel der Wahlberechtigten über 60 - die Wahlbeteiligung in dieser Altersgruppe war zudem überdurchschnittlich. Gerade die CDU/CSU findet bei Rentnern großen Zuspruch. Kein Wunder also, dass sich Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erst vergangenes Jahr kategorisch gegen verpflichtende Fahreignungstests ausgesprochen hatte.

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Sollten Autofahrer ab 75 Jahren regelmäßig auf ihre Fahrtüchtigkeit kontrolliert werden, zum Beispiel durch Testfahrten mit geschulten Beobachtern?

mhe/afp



insgesamt 169 Beiträge
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Romiman 17.01.2017
1. Schnell schnell...
... entwickelt das wirklich komplett autonome Auto fertig, damit auch die wieder Auto fahren können, die (eigentlich) nicht (mehr) Auto fahren können!
boetho11 17.01.2017
2. ein weiterer Grund für autonomes Fahren...
dann brauchen wir werde Führerscheine...noch Autoversicherer.
rst2010 17.01.2017
3.
wohl eher nicht. denn bis dahin fahren die fahrzeuge autonom. das autonome fahren ist mehr im gespräch und wird als wichtiger erachtet (von den autobauern), als schadstoffarm zu fahren; was wird dann wohl kommen? doch nicht, was die vernunft fordert. sondern das, was mehr einbringt (wiederum den autobauern).
_gimli_ 17.01.2017
4.
Das Problem, dass die Politik hier hat, ist doch ganz einfach erklärt: Wenn 30% der Senioren aus ländlichen Gebieten die Fahrerlaubnis entzogen bekämen und deshalb nicht mehr am gesellschaftlichen Leben inkl. Arztbesuche, Einkäufe etc. teilnehmen könnten, bekommen Protestparteien noch mehr Zulauf. Und da die Immobilität der Senioren zusätzliche Belastungen für die Kinder dieser Leute bedeutet (falls diese noch in der Nähe der Eltern wohnen), gilt dies auch für diese Personen. Einfach mal den Nahverkehr auf dem Land anschauen, dann wird klar, warum sich an dieses Thema niemand ran wagt. Wie sagte mir kürzlich ein Kollege aus den USA: "If elder people here in the rural areas lose their driving license, they are like dead." Gleiches gilt für Deutschland.
padberx 17.01.2017
5. Das kann ein lustiges Forum werden ...!
Selbstverständlich wäre eine verpflichtende Nachschulung ab einer bestimmten Altersgrenze sinnvoll und vernünftig (analog zum Führerschein auf Probe für Fahranfänger). Aber das werden sich die alten Herrschaften bestimmt nicht sagen lassen. Und von den vielen Alten in der Regierungsverantwortung darf man da auch nicht allzu viel erwarten ... ;-)
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