Fahrradhelme Machen Sie mal einen drauf

Deutschland ist eine Nation der Helmmuffel: Nur jeder sechste Radfahrer trägt eine schützende Kopfbedeckung. Attraktivere Modelle und trickreiche Konstruktionen sollen das ändern. Ein Auswahl.

closca.co / pd-f

Von Matthias Kriegel


Tragen Sie beim Fahrradfahren einen Helm? Falls ja, gehören Sie einer Minderheit an. Laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) greifen nur 16 Prozent regelmäßig zum Kopfschutz. Rund 50 Prozent gaben bei der Befragung an, nie einen Fahrradhelm zu benutzen.

Es ist ja schon paradox: Während Alltagsgeräte wie Smartphone oder Laptop generell in eine Schutzhülle gesteckt werden, bleibt die Schaltzentrale des Menschen in den allermeisten Fällen ungeschützt. Warum? "Zu unpraktisch", sagen die meisten, die in der BMVI-Studie nach den Gründen für den Fahrradhelmverzicht gefragt werden. Viele fügen an, dass ein Helm "komisch aussieht" oder zu unangenehmem "Schwitzen am Kopf" führt. Häufig als Gegenargument genannt wird auch, dass ein Fahrradhelm "die Frisur kaputt" mache.

Die Industrie hat längst reagiert und entwickelt schon seit geraumer Zeit Helme, die diese Einwände widerlegen sollen. Denn ungeachtet der Diskussion, ob und wann ein Fahrradhelm sinnvoll ist oder nicht: Für die Hersteller bedeutet die geringe Quote an Helmträgern auch ein riesiges Marktpotenzial. Mit welchen technischen Tricks und modischen Kreationen die Helmmuffel missioniert werden sollen, sehen Sie in der Bildergalerie:

Der 16-Prozent-Anteil an Helmträgern ist übrigens gar nicht so mickrig, wie es scheint: Immerhin lag die Quote laut Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Jahr 2011 noch bei elf Prozent. Es geht also aufwärts. "Im Alltagsbereich hakt es zwar noch", sagt Thomas Geisler vom Pressedienst Fahrrad, "aber im Sportbereich hat sich der Helm zum Glück durchgesetzt und gehört mittlerweile zur Standardausrüstung." Im Profisport sind Helme seit 2003 verpflichtend, die meisten Freizeitsportler ahmen dies inzwischen nach.

Es gibt noch einen weiteres Anzeichen für den zunehmenden Gebrauch der schützenden Kopfbedeckungen: Bei den erwachsenen Radfahrern von morgen ist der Helm schon heute fast obligatorisch - in der Altersgruppe der unter Zehnjährigen liegt die Quote bei rund 75 Prozent. Das mag allerdings auch daran liegen, dass viele Eltern ihren Kindern verordnen, was sie selbst ablehnen: eine Helmpflicht.



insgesamt 156 Beiträge
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dolfi 28.08.2017
1. Niemals...
werde ich zum Fahrrad fahren einen Helm aufsetzen. Bei meinen gelegentlichen Ausfahrten bin ich vorsichtig und fahre eh meist nur auf Radwegen. Der Helm nimmt mir die Freiheit, einfach aufs Rad zu steigen und loszufahren. Was kommt als nächstes? Der Helm beim Laufen?
Palisander 28.08.2017
2. Kein Wunder
das hier noch keiner kommentiert hat. Das muss doch ein Witz sein. Ich kenne kein Land das so viele Eier auf dem Kopf trägt wie der Deutsche. Wenn ich eines wirklich widerlich finde dann solche Überschriften, die ein völlig verzerrtes Bild karikieren. Mehr Rücksicht ganz besonderes von Radfahrern im Straßenverkehr sollte hier lieber stehen. Dann müsste man wesentlich seltener Helm tragen. Der Spiegel, dein Freund im Verkehr...
herjemine 28.08.2017
3. Verschont mich!
Vor zwei Wochen war es soweit: Nach 43 Unfallfreien Jahren bin ich mit vollem Tempo mit dem Rad in die Beifahrertür eines SUVs gekracht. Die Dame meinte nicht blinken zu müssen. Wie erwartet zog ich mir kräftige Schürfungen an den Handflächen und starke Stösse an den Knien zu. Mein Kopf blieb jedoch völlig unbeschadet. Das Helm-Blabla dient nur dem Umsatz der Wassermelonenagroindustrie (Freunde von von Politikern). Wenn schon Knieschützer und Handschuhe. Da könnte man ja vor entsetzten Kinder- und Elternaugen Kartoffeln über den Asphalt schleifen oder Mohrrüben gegen Kantsteine schlagen um die Sinnhaftigkeit vorzuführen. Und ich dachte mal "mit dem Essen spielt man nicht"
RalfHenrichs 28.08.2017
4. Fahrradhelme sind Quatsch
und werden sich auch nicht durchsetzen. Wohne ja in der Fahrradhauptstadt Münster. Fahrradfahren hat sich hier vor allem deshalb durchgesetzt, weil man einfach so fahren kann. Mit Helm muss man sich immer fragen, wohin anschließend mit dem Helm? Und wenn man viele kleine Touren macht (ist hier üblich), z.B. in ein Geschäft, ein paar Meter weiter, ins nächste Geschäft etc. immer wieder Helm auf und ab. Mit dem Auto hat man das Problem nicht, obwohl man hier Platz hätte, den Helm zu verstauen (im Auto halt). Hinzu kommt, dass es Studien gibt, dass Fahrradhelme mehr schaden als nutzen. Wichtiger wäre es, die Infrastruktur zu verbessern und das Fahrradfahren sicherer zu machen. Wer das Fahrrad als Sportgerät nutzt (Rennrad, BMX) sollte aber einen Fahrradhelm nutzen. Aber das tun die meisten Sportler ja auch heute schon.
jojack 28.08.2017
5. Hausaufgaben gemacht?
Ich hoffe, die Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht und sind sich sicher, dass ihre Helmkreationen die bisherigen Verweigerer umstimmen koennen. Ansonsten wird das naemlich ein Flop. Und die hier genannten Ausreden halte ich fuer Unfug. Fahrradhelme sind klein und leicht, passen in jeden Rucksack. Wo ist das Problem?
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