Fahrradmesse E-Bikes werden gesellschaftsfähig

Ausblick auf 2012: Die Fahrradmesse Eurobike zeigt auch in diesem Jahr wieder alles, was die Hersteller zu bieten haben. Die wichtigsten Trends lassen sich mit drei Worten zusammenfassen: Die Fahrräder werden schicker, technisch raffinierter und sie fahren immer häufiger elektrisch.

dapd

Friedrichshafen - Was gibt's Neues auf dem Fahrradmarkt? Einen ersten Überblick gibt die Fahrradmesse Eurobike, die vom 3. September an in Friedrichshafen ihre Pforten für das Publikum öffnet. "Reihenweise große Premieren" versprechen die Veranstalter mit 1100 Ausstellern aus 42 Nationen. Sie erwarten mehr als 40.000 Besucher. Topthemen werden laut dem Branchenexperten Gunnar Fehlau vom industrienahen Pressedienst Fahrrad Mountainbikes auf ungewohnt großen Rädern und - einmal mehr - Elektrofahrräder sein.

Mehr Komfort auf unwegsamen Pisten sollen die sogenannten Twentyniner bieten - Mountainbikes mit großen 29-Zoll-Laufrädern, statt der gewohnten 26-Zöller. "Nach ersten Anlaufschwierigkeiten aufgrund einer starken Zurückhaltung bei Herstellern und Händlern nimmt das Thema 29 Zoll in Europa kräftig Fahrt auf", sagt Fehlau. Das Angebot an Twentyninern wachse rasant. Mit besonderen Spielarten versuchen sich einige Hersteller auf der Eurobike hervorzutun.

E-Bikes an jeder Ecke

Das Greed 29 der Marke Haibike ist so ein Fall: Der Rahmen dieses Twentyniners besteht aus Karbon. Das Leichtbaukonstrukt wiegt gerade einmal 1150 Gramm, das gesamte Fahrrad 9,7 Kilogramm, erklärt der Hersteller. Der Schweizer Pedelec-Spezialist BikeTec vereint in seinem neuen Modell Flyer X-Serie 29 die beiden wichtigsten Trends der Fahrradsaison 2012: Das Mountainbike rollt auf 29-Zoll-Rädern und verfügt über einen elektrischen Zusatzantrieb. Der Mittelmotor des geländegängigen Pedelecs leistet wahlweise 250 oder 350 Watt und wird von einem Lithium-Ionen-Akku mit Strom versorgt. Zur Standardausstattung gehören hydraulische Scheibenbremsen und eine 10-Gang-Schaltung von Shimano. Im Frühjahr 2012 soll das E-Bike zu Preisen ab 4990 Euro in den Handel kommen.

E-Bikes sind auf der Eurobike in diesem Jahr praktisch an jeder Ecke zu finden. Kein Wunder: Rechnet die Fahrradbranche in diesem Jahr in Deutschland doch mit einem Absatz von etwa 300.000 Stück, wie Messe-Sprecher Wolfgang Köhle erklärt.

Das E-Bike wird das Fahrrad zwar nicht aus dem Handel verdrängen, aber es dürfte in den kommenden Jahren eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Das E-Bike habe einen Imagewandel vollzogen, erklärt Fehlau das Phänomen. Der Ruf des Rentnerrads sei passé, Händler in Großstädten machten immer mehr junge Familien unter den Käufern aus.

Motor, Akku und Elektronik in einer Nabe

Auch die "Kinderkrankheiten" beim E-Bike wie eine zu kurze Akkuleistung seien weitgehend behoben, fügt der Fahrrad-Experte hinzu. Bei normaler Fahrweise halte der Akku für eine Strecke zwischen 30 und 50 Kilometern.

Eine besondere Spielart des E-Bikes ist die Weltneuheit der Schweizer Hersteller MTB Cycletech und des Massachusetts Institute of Technology (MIT): das e-Jalopy. Das Fahrrad ist mit einem so genannten Greenwheel-Antrieb ausgerüstet, bei dem Elektromotor, Akku und Motorsteuerung in der Hinterradnabe vereint und über einen Riemen mit der Tretkurbel verbunden sind, in der wiederum eine 2-Gang-Schaltung steckt. Der Batteriestatus und der Standort des abgestellten Velos können per Smartphone abgerufen werden.

Eine Weltpremiere im Bereich Verkehrssicherheit zählt zu den Technik-Highlights der Eurobike - das erste Bremslicht für Fahrräder. Die Elektronik in der BreakTec-Rückleuchte von Busch & Müller reagiert auf die Pulsfrequenz von Nabendynamos und passt die LED-Leuchtstärke an. Verringert sich das Fahrtempo abrupt, leuchtet das Rücklicht heller und warnt so den nachfolgenden Verkehr. Das Bremslicht soll sich an allen Fahrrädern mit Nabendynamo nachrüsten lassen und wird ab Oktober für knapp 40 Euro erhältlich sein.

Hartnäckig hält sich schon seit Jahren der Retrotrend auf dem Fahrradmarkt. Eine der Neuheiten für Fans moderner Klassiker ist das Flair von Winora. Es greift nahezu alle Stilelemente traditioneller Hollandräder auf und ist ab 499 Euro zu haben.

mik/dpa



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