Bundesländer-Ranking Wo der Verkehr am saubersten und sichersten ist

Wie sicher und sauber ist der Verkehr in Deutschland? Eine Studie vergleicht die Bundesländer. Hinten liegt ein Bundesland, das sonst in Rankings regelmäßig führt.

Radfahrer in München
DPA

Radfahrer in München

Von


In vielen Ranglisten steht Bayern weit oben - beim Wirtschaftswachstum etwa, bei der Verbrechensaufklärung oder der Arbeitslosigkeit. Wenn es allerdings um eine nachhaltige Verkehrspolitik geht, schneidet das Land schlecht ab. Bayern hat zusammen mit Niedersachsen die schlechteste Verkehrspolitik aller Bundesländer, so das Ergebnis einer Studie im Auftrag von Allianz pro Schiene, dem Umweltverband BUND und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Führend in dem Bundesländervergleich sind Baden-Württemberg und Thüringen.

Der "Bundesländerindex Mobilität & Verkehr" misst in regelmäßigen Abständen, wie gut die Verkehrssituation in den Bundesländern aktuell ist und wie ambitioniert die Ziele sind, die die dortigen Regierungen sich gesteckt haben. Erhoben hat die Daten das Marktforschungsinstitut Quotas. Dabei wurden fünf Bereiche bewertet: •

  • Verkehrssicherheit
  • Lärmminderung
  • Flächenverbrauch
  • Klimaschutz
  • Luftqualität.

Basis der Studie sind amtliche Statistiken und Angaben der Landesregierungen zu ihren verkehrspolitischen Vorhaben. In jedem Teilbereich sind maximal 20 Punkte möglich, insgesamt also maximal 100 Punkte.

Die Karte zeigt, wie gut die Bundesländer insgesamt abschneiden. Klicken oder tippen Sie auf die Reiter, um einzelne Bereiche anzuzeigen:



Was war in Ihrem Bundesland ausschlaggebend? Was sind die Stärken und Schwächen? Der Überblick, wie die Studienautoren bewertet haben.

Die Spitzengruppe - Platz 1 bis 4: Baden-Württemberg, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Berlin

Baden-Württemberg verbesserte sich im Vergleich zur letzten Bewertung im Jahr 2016 um drei Plätze. Punkte sammelt das Land vor allem durch weniger Schwerverletzte im Straßenverkehr und das Ziel, die Zahl der Getöteten bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren (im Vergleich mit 2010). Zudem ist laut Studie Baden-Württemberg eines von nur vier Ländern, die das Flächensparziel des Umweltbundesamts erreichen wollen. Schlechter schneidet das Land beim Klimaschutz und der Luftqualität ab.

Thüringen landet im Ranking weit oben, weil die Luftqualität am besten ist. Der Auswertung zufolge gibt es dort die geringste Feinstaubkonzentration und keine Grenzwertüberschreitungen beim Stickstoffdioxid im Jahresmittel. Das Bundesland hat zudem als eines von wenigen seit 2009 den CO2-Ausstoß pro Kopf im Verkehr gesenkt.

Rheinland-Pfalz liegt beim sparsamen Verbrauch von Flächen vorn. Lediglich ein Hektar wird hier pro Tag benötigt, um Straßen und Häuser zu bauen. Zudem stoßen Verkehrsteilnehmer ebenfalls weniger CO2 aus.

In Berlin liegt der CO2-Ausstoß pro Einwohner im Verkehr schon heute bei 1,6 Tonnen pro Einwohner - das ist der niedrigste Wert aller Bundesländer. Zudem hat sich die Hauptstadt nach Einschätzung der Studienautoren ambitionierte Ziele für sichereren Verkehr und sauberere Luft gesetzt. Aber: Acht Prozent aller Berliner sind von Verkehrslärm betroffen, der höchste Wert in Deutschland.

Fotostrecke

10  Bilder
Nahverkehr: Hier ist der ÖPNV besonders preiswert

Oberes Mittelfeld - Platz 5 bis 8: Sachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und NRW

Die Einwohner Sachsens sind vergleichsweise selten von Dreck und Lärm betroffen, das Land habe zudem ein "ambitioniertes Klimaschutzziel speziell für den Verkehrsbereich". Allerdings werden in Sachsen viele Menschen im Straßenverkehr verletzt - und es werden keine konkreten Minderungsziele angestrebt. Im Vergleich zum letzten Ranking 2016 konnte das Land vier Plätze aufsteigen.

Bremen ist fast so laut wie Berlin: 7,5 Prozent aller Bremer sind von Lärm betroffen, ein typisches Problem der Stadtstaaten. Bremen punktet mit einem sinkenden CO2-Ausstoß, der Einhaltung der Stickoxid-Grenzwerte und dem klaren Ziel, die Zahl der Opfer von Verkehrsunfällen bis 2020 zu halbieren.

Details zur Studie
Welche Daten wurden ausgewertet?
Der Auswertung liegen Zahlen des Statistischen Bundesamts, des Umweltbundesamts, des Länderarbeitskreises Energie und der Länderinitiative Kernindikatoren zugrunde. Dazu kamen Angaben der Landesregierungen zu politischen Zielen.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die statistischen Daten waren frei zugänglich. Zudem wurde im März 2018 ein Fragebogen an alle Bundesländer verschickt, den alle Länder außer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beantwortet haben. Für diese Länder wurden die politischen Ziele recherchiert.
Von wem stammt die Studie?
Die Studie hat das Institut Quotas erstellt, im Auftrag von Allianz pro Schiene, BUND und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Das Unternehmen Quotas hat nach eigenen Angaben bereits unter anderem für die Deutsche Post und das Umweltbundesamt Studien erstellt.

Mecklenburg-Vorpommern ist das Land mit dem gefährlichsten Straßenverkehr. 79 Getötete pro eine Million Einwohner wurden hier registriert, der Höchstwert in Deutschland. Die Politik hat hier allerdings gegengesteuert, 2010 waren es noch 108 Tote. Punkten kann Mecklenburg-Vorpommern mit der geringsten Lärmbelastung aller Bundesländer.

Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen gehört zu den größten Verlierern der Auswertung, es hat im Vergleich zu 2016 drei Plätze verloren. Die Luftqualität ist stellenweise schlecht, und die Menschen in Nordrhein-Westfalen sind lärmgeplagt. Die schwarz-gelbe Koalition hat keine konkreten Ziele, wie das Land leiser werden kann. Positiv kommt NRW beim Flächenverbrauch weg. Von 2010 bis 2017 ist die Verkehrsfläche pro Einwohner konstant geblieben, und bis 2020 sollen pro Tag weniger als fünf Hektar verbraucht werden.

Unteres Mittelfeld - Platz 9 bis 12: Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Hessen und Schleswig-Holstein

Sachsen-Anhalt liegt beinahe in jeder Kategorie in der Mitte, weil sich verschiedene Faktoren gegenseitig aufheben. So ist die Feinstaubkonzentration niedrig, Stickoxid-Werte werden aber überschritten. Die Ziele für weniger Flächenverbrauch sind weitreichend, gleichzeitig ist aber schon viel Land zubetoniert und - asphaltiert. Der Verkehr ist mit 59 Toten pro eine Million Einwohner und 1092 Schwerverletzten verhältnismäßig gefährlich.

Brandenburg war bei der letzten Auswertung Schmuddelkind und liegt jetzt immerhin im Mittelfeld: Das Bundesland hat vier Plätze im Vergleich zu 2016 gutgemacht. Der Aufstieg gründet vor allem auf Verbesserungen bei Luftqualität und Klimaschutz. Das Land hat aber auch die meisten Straßen und Schienen von allen: 444 Quadratmeter pro Einwohner. Das wird negativ bewertet - wegen des damit verbundenen Flächenverbrauchs.

In Hessen ist der Verkehr so sicher wie sonst nirgends: Das Bundesland hat schon heute pro Einwohner die wenigsten Verkehrstoten aller Bundesländer. Langfristig strebt die Landesregierung sogar die "Vision Zero" an, die Reduktion der Toten auf null. Gleichzeitig ist Hessen das Land mit den höchsten CO2-Emissionen im Verkehr - und das Land, in dem der Ausstoß am stärksten steigt. Auch die Luftverschmutzung ist relativ hoch. Insgesamt schafft Hessen daher nur einen Platz im Mittelfeld.

Fotostrecke

15  Bilder
Hohe Abgasbelastung: In diesen Städten gelten die Diesel-Rabatte

Schleswig-Holstein hat steigende Verletztenzahlen im Straßenverkehr zu verzeichnen. Die Jamaika-Koalition in Kiel will zwar die "Verkehrssicherheit verbessern", sagt aber nicht, wie stark und bis wann. Das norddeutsche Bundesland landet damit beim Punkt Sicherheit auf dem letzten Platz. Auch das bisherige Ziel für mehr Lärmschutz hat die neue Koalition fallen gelassen. Ein CO2-Ziel gibt es zwar - allerdings steigen die Emissionen derzeit, anstatt zu fallen.

Die Schlusslichter - Platz 13 bis 16: Saarland, Hamburg, Niedersachsen und Bayern

Im Saarland sind laut Auswertung vergleichsweise viele Einwohner von Verkehrslärm betroffen, und es gibt viele Tote im Straßenverkehr. Im vergangenen Jahr waren es 43 pro eine Million Einwohner. In beiden Bereichen habe sich die CDU-SPD-Regierung keine konkreten Ziele zur Verbesserung gesetzt, bemängeln die Autoren.

Die Hansestadt Hamburg ist der Stadtstaat mit der schlechtesten Verkehrspolitik; Berlin und Bremen liegen deutlich weiter vorne. Hamburg hat sich allerdings leicht verbessert, 2016 lag die Stadt noch auf dem 16. Platz. Die Studie bemängelt etwa, dass ein "Verkehrssicherheitsprogramm mit ambitionierten Zielen" fehle, zudem seien Hamburger besonders stark von Feinstaub, Stickoxid und Verkehrslärm betroffen.

Fotostrecke

8  Bilder
VCD-Umweltliste: Zu diesen Autos rät der Öko-Verkehrsklub

In Niedersachsen ist der Flächenverbrauch so hoch wie in keinem anderen Bundesland: neun Hektar werden pro Tag zugebaut. Weil die SPD-CDU-Landesregierung zudem das bisherige Flächensparziel aufgegeben hat, landet Niedersachsen beim Flächenverbrauch auf dem letzten Platz. Das Land ist zudem das einzige ohne Klimaschutzziel und hat die drittmeisten Getöteten im Straßenverkehr.

Ganz hinten in der Tabelle ist auch Bayern. Dort kritisiert die Studie die vergleichsweise hohe Zahl der Verkehrstoten und Verletzten, und die hohe Stickoxidkonzentration in den Städten. Zudem ist der Freistaat das einzige Land, das keine Zahlen zum CO2-Ausstoß für einzelne Verkehrsarten ausweist. Das Klimaschutzziel ist laut Autoren wenig ambitioniert - die für 2020 angepeilten Werte waren demnach schon 2007 erreicht.

Video: Verkehrsinfarkt - Dauerstau in Deutschland

SPIEGEL TV
insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
happy2010 07.11.2018
1.
In Bayern spiegelt sich schlicht die Bundesrepublik Da hatten wir nun Jahrzehnte CSU Verkehrsminister, und laut Dudenhöfer waren die so unsäglich faul und/oder unfähig, so dass wir im Endeffekt die schlechtesten Gesetze aller Industriestaaten betreffend Automobilindustrie haben Wir haben eine stümperhafte Flickschusterei bei Straßenbau, und ein lavieren, schlingern und wegsehen des STaates bei allen zu regelnden Dingen Aussitzen ist angesagt Oder der CSU Wechsel in die Wirtschaft Und genau dasselbe Bild spiegelt sich nun, wenn man bayernintern die Verkehrspolitik betrachtet Dafür haben wir eine Autobahnmaut, dafür hat Dobrint ja 2 Jahre seiner Amtszeit und 100% seiner Kapazität verballert Ach stimmt, die Maut haben wir ja noch gar nicht Aber ein Gesetz dazu, dass um 17 Ecken das ganze halblegal gemacht hat Dafür haben wir vergessen, dass neben Infrastruktur und Verkehr auch DIGITALE Infratruktur gebaut werden sollte Macht nichts, auch das haben wir versemmelt Bayerns abschneiden passt ins Bild Vielleicht sollte Söder mal nach Rumänien fahren? Bulgarien Estland ... Die zeigen, wie es geht
intercooler61 07.11.2018
2. cuius pecunia, eius opinio
Zur Verkehrsleistung (wie viele Menschen & Güter kommen wie schnell wie weit) sagt die "Studie" mE nix. Und, grundstürzende Erkenntnis: In der Großstadt isses lauter & dreckiger als aufm Land. Sapperlot, wer hätte das geahnt!
brunellot 07.11.2018
3. Kann ich zu 100% bestätigen
Als Schwabe, der seit über 13 Jahren im Großraum München lebt, kann ich zu 100% bestätigen dass Bayern eine katastrophale Verkehrspolitik betreibt. Leider sind auch die Bundesverkehrsminister der letzten Dekade alle aus dem Land der Bierseligkeit gekommen, so dass die katastrophale Verkehrspolitik sich leider auch im Bund niederschlägt. Aber Herr Söder, unser neuer Landesvater, wird das ja jetzt alles richten. Obwohl es laut Söder keinen Richtungswechsel geben wird, soll mit dem "weiter so" in Bayern laut Söder definitiv aufgehört werden. Wie das nun gehen soll ist mir zwar völlig schleierhaft, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt...
k70-ingo 07.11.2018
4. Warum wurde die Infrastruktur nicht berücksichtigt?
Es ist zwar ersichtlich, daß die Studie von Autogegnern in Auftrag gegeben wurde, aber warum wurde die Qualität der Verkehrsinfrastruktur nicht berücksichtigt? Das Thema betrifft alle Verkehrsteilnehmer, auch die mit alternativem Antrieb. In dem Bereich würde NRW den letzten Platz belegen. Die desaströse Verkehrspolitik zu Lande, zu Wasser und in der Luft war mit ein Grund, warum hier letztes Jahr Rot-Grün abgewählt wurde.
Hemmel 07.11.2018
5. Sie haben einen wichtigen Teil von Lebensqualität vergessen.
Stauhäufigkeit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.