Urteil zum Mindestabstand Mein Beruf ist Fahrer, ich weiß von nichts

Ein Lkw-Fahrer fuhr dem Vordermann zu dicht auf und sollte 80 Euro Bußgeld zahlen - den Abstand hätte er anhand von Fahrbahnmarkierungen einschätzen können müssen, so die Begründung. Doch das Oberlandesgericht Oldenburg kam zu einer anderen Einschätzung.

Fahrbahnmarkierungen: Längen helfen beim Halten des Mindestabstands
AP

Fahrbahnmarkierungen: Längen helfen beim Halten des Mindestabstands


Der weiße Streifen einer Fahrbahnmarkierung auf der Autobahn ist sechs Meter lang. Und der nicht geweißte Raum zwischen den weißen Streifen, dort wo nackter Asphalt schimmert, ist zwölf Meter lang. Hätten Sie es gewusst? Nein? Auch nicht weiter schlimm.

Sowas muss man nicht wissen. Selbst wenn man von Berufs wegen täglich mit den Streifen und den Lücken dazwischen zu tun hat. Die Richter des Oberlandesgerichts (OLG) Oldenburg haben ein Urteil des Amtsgerichts Wildeshausen gegen einen Lkw-Fahrer aufgehoben. Der sollte 80 Euro Bußgeld zahlen, weil er den Mindestabstand von 50 Metern zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht eingehalten hatte. Die Amtsrichter argumentierten, der Fahrer hätte seinen Abstand anhand der unterbrochenen Mittellinie erkennen müssen.

Bußgeld könnte trotzdem fällig werden

Das Amtsgericht war davon ausgegangen, dass jeder Fahrer wissen muss, wie lang die Fahrbahnmarkierungen und die dazwischen liegenden Räume bei einem unterbrochenen Mittelstrich einer Autobahnfahrbahn sind.

Nein, muss er nicht, entschied der 2. Senat des OLG. Zwar ergebe sich aus der Richtlinie für Straßenmarkierungen (RMS-1 und RMS-2) die Länge der Striche von sechs Metern und die der Zwischenräume von zwölf Metern. Das sei dem durchschnittlichen Kraftfahrer aber nicht bekannt, deswegen könne nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass ein Fahrzeugführer mit Hilfe der Fahrbahnmarkierungen den Abstand ermitteln können muss, urteilten die Richter.

Trotzdem, der betroffene Fahrer ist damit noch nicht aus dem Schneider. Der Senat des OLG Oldenburg verwies die Sache an das Amtsgericht mit dem Hinweis zurück, dass es eine erneute Verurteilung aber für möglich halte. (Aktenzeichen: 2 Ss(Owi) 322/14)

smh/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Emmi 22.01.2015
1. Was muss ein Brummifahrer überhaupt wissen!?
Manchmal hat man den Eindruck, ein Ziegelstein auf dem Gaspedal bei sonst leerer Fahrerkabine verursacht das gleiche Fahrverhalten...
Layer_8 22.01.2015
2. Kommt die Frage
in der Führerscheinprüfung vor? Würde Sinn machen im Zusammenhang mit den Faustformeln für Bremsweg usw. Weiß aber diese aus dem Stehgreif auch nicht mehr :D
der_joerg 22.01.2015
3. Striche?
Striche? Ich hab keine gesehen!
Layer_8 22.01.2015
4. Hab ich
Zitat von EmmiManchmal hat man den Eindruck, ein Ziegelstein auf dem Gaspedal bei sonst leerer Fahrerkabine verursacht das gleiche Fahrverhalten...
damals bei der Bundeswehr so gemacht. Versorgungfahrer. Die Kiste lief auf der Autobahn auch nicht schneller als 60 oder so. Musste aber immer einen Beifahrer beihaben, Dienstvorschrift, womöglich wegen Einschlafgefahr.
charly44 22.01.2015
5. Komisch
ich musste anno 1993 bei meiner Theorieprüfung noch wissen, dass der Abstand zwischen zwei dieser weißen Reflektorpoller genau 50 Meter beträgt. Außerdem gilt ja wohl: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, wieso hier auf einmal?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.