Drohende Fahrverbote Welches Auto kaufen?

Stickoxide, Feinstaub, Fahrverbote: Wer auch in Zukunft in eine Umweltzone fahren will, hat beim Autokauf viel Qual und wenig Wahl. Worauf sollten Kunden also achten?

Hyundai

Von


Fahrverbote für Dieselautos drohen vielleicht schon ab dem Frühjahr. Viele Kunden fühlen sich alleingelassen: Der von Politik und Industrie einberufene Dieselgipfel war purer Aktionismus, die damals beschlossenen Maßnahmen waren halbherzig und haben die Verunsicherung bei den Kunden sogar noch verstärkt. Jetzt drohen auch noch Benzinern, die bislang als unbedenklich galten, wegen ihres Feinstaubausstoßes möglicherweise Fahrverbote.

Viele Kunden fragen sich nun: Welches Auto kann ich überhaupt noch kaufen, ohne Gefahr zu laufen, es in einem halben Jahr am Rand der Umweltzone abstellen zu müssen?

Die Antwort ist tatsächlich kompliziert. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich vor dem Autokauf deutlich eingehender mit technischen Details befassen, als das bislang nötig war. Hier finden Sie die wichtigsten Dinge, auf die Sie achten sollten:

Benziner

  • Nur noch mit Partikelfilter: Die meisten Benzinmotoren sind Direkteinspritzer - das macht sie sparsamer, aber auch schmutziger. Sie stoßen ultrafeine Rußpartikel aus, die für Menschen gesundheitsschädlich sind. Benziner, die zu viele Rußpartikel ausstoßen, könnten in Zukunft deshalb aus Umweltzonen ausgeschlossen werden. Ab September 2018 brauchen neu zugelassene Benziner einen Partikelfilter. Immer mehr Hersteller rüsten ihre Benziner schon jetzt mit solchen Filtern aus, allerdings noch nicht alle Modelle. Benziner ohne Partikelfilter emittieren zu viel Feinstaub und könnten deswegen von Fahrverboten betroffen sein, auch wenn sie nagelneu sind.
  • Nachrüstmöglichkeit erfragen. Bei einigen Modellen lässt sich ein Partikelfilter nachträglich einbauen. "Wer sich unbedingt einen bestimmten Benziner kaufen will, sollte sich versichern lassen, dass ein Partikelfilter nachrüstbar ist", rät deshalb Gerd Lottsiepen, Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).
  • In bewährte Technik investieren: Bei einigen Fahrzeugen, vor allem Kleinwagen, geht es auch ohne Filter. Ihre Motoren haben keine Direkteinspritzung, ihr Partikelausstoß ist deshalb deutlich niedriger. Der VCD rät in seiner Umweltliste deshalb bisher nur zum Kauf von Benzinern ohne Direkteinspritzung wie dem Peugeot 108 Active 68.

Diesel

  • Nur mit Euro 6d: Aktuelle Dieselautos haben kein Feinstaubproblem, stoßen aber zu viele Stickoxide aus. Ab 2020 gilt für sie deshalb die Abgasnorm Euro 6d. Wer auch in Zukunft mit einem Diesel in Innenstädten unterwegs sein will, sollte ein Auto kaufen, das diese Norm bereits erfüllt. Modelle verschiedener Hersteller schaffen bereits die neue Norm, eine aktuelle Liste gibt es beim ADAC.
  • Auf die Motorisierung achten: Wer ganz sicher gehen will, sollte sich sehr genau mit dem Motor beschäftigen, der in seinem künftigen Wunschauto steckt. Es gibt nämlich bereits heute Dieseltriebwerke verschiedener Hersteller, die die gesetzlich geforderten Grenzwerte für den Stickoxidausstoß sogar schon unterschreiten. Und zwar nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße bei sogenannten PEMS-Tests mit portablen Messgeräten - also unter realen Fahrbedingungen. Möglich wird das durch eine motornahe Montage des SCR-(Ad-Blue)-Katalysators. Anders als bei den sogenannten Unterflur-SCR-Systemen, die bislang überwiegend verbaut wurden, kommen die motornahen Systeme schneller auf Betriebstemperatur und operieren damit deutlich wirksamer. Motoren mit der neuen Technologie sind unter anderem der Mercedes OM 654 im E 220d, der BMW B47 im 520d und die 2,0 TDI-Variante des VW EA288 im aktuellen Passat. BMW setzt beim 520d zusätzlich zur Harnstoffeinspritzung auf einen Speicherkatalysator für Stickoxide.
Fotostrecke

5  Bilder
ADAC Ecotest: Das sind die Sieger:

Die Alternativen

  • Hybridfahrzeuge: Käufer sollten auch hier auf den verbauten Motor achten. Viele Plug-in-Hybride fielen beim Ecotest des ADAC durch einen hohen Feinstaubausstoß auf. Ihre Benzinmotoren werden oft nur bei starker Beschleunigung zugeschaltet und sind dann noch nicht auf optimaler Betriebstemperatur. Dadurch stoßen sie besonders viele Partikel aus. Gleichzeitig sind die verwendeten Motoren oft direkteinspritzende Benziner, die ohnehin mehr Feinstaub ausstoßen. Einzige Ausnahme ist der Prius, bei dem Toyota auf eine Saugrohreinspritzung setzt, dadurch ist der Schadstoffausstoß deutlich geringer.
  • E-Autos: Stromer werden vor allem für Pendler mit kurzen bis mittleren Distanzen immer interessanter. Sie können lokal emissionsfrei fahren. Wenn der genutzte Strom aus erneuerbaren Energien stammt, ist ihre Klimabilanz ebenfalls gut. Käufer sollten darauf achten, ob sie auch die Batterie kaufen wollen, teilweise können die Akkus auch gemietet oder geleast werden. Dadurch können Kunden stets die neueste Batterie nutzen, müssen allerdings monatliche Mietbeträge zahlen.
  • Wasserstoffautos: Hyundai Nexo, Toyota Mirai und Co. sind eine umweltfreundliche Option und haben eine höhere Reichweite als ein Elektroauto. Vor dem Kauf sollte man jedoch die Anzahl der Tankstellen in der Umgebung prüfen, das Tankstellennetz ist bisher in vielen Gegenden sehr dünn. Auch die Modellauswahl ist momentan noch überschaubar.
  • Erdgas bietet ein besser ausgebautes Tankstellennetz und günstige Preise. Das Angebot an Erdgasautos ist vielfältig, Fiat, Mercedes, Opel und der Volkswagen-Konzern bieten verschiedene Modelle auch als Erdgasvariante an, Audi beispielsweise den A4. Der A4 mit Erdgasantrieb landete im Ecotest des ADAC auf Rang sechs - und schob sich damit noch vor das Model X 100D von Tesla. Autos mit alternativen Antrieben belegten im Umwelttest des ADAC generell die vorderen Plätze: Der Sieg ging an den Hyundai Ioniq Electric vor dem VW eGolf, Platz zwei belegte mit dem Toyota Prius ein beinahe schon gewöhnlicher Plug-in Hybrid.
Mehr zum Thema


insgesamt 204 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lupo62 01.02.2018
1. Heiße Luft
Fahrverbote wird es an bestimmten Tagen für bestimmte Fahrzeuge für bestimmte Straßen geben. Keinesfalls aber dauerhaft für alle für ganze Innenstädte. Das wäre gesellschaftlich und auch aus wirtschaftlichen Gründen (die Menschen müssen zu ihren Arbeitsplätzen kommen) gar nicht machbar. 100.000 Autos, die am Stadtrand einer Großstadt abgestellt werden müssen (auf welchen Parkplätzen?) und 150.000 Menschen, die dann mit zusätzlichen -zigtausend Bussen weitertransportiert werden - vergesst es. In so weit kann man als Besitzer eines halbwegs modernen Autos die Entwicklung entspannt sehen. Alles heiße Luft
dirk1962 01.02.2018
2. So schwer ist das nicht
Wer einen Toyota Hybrid kauft, geht kein Risiko ein. Dank Saugrohreinspritzung ist Feinstaub kein Thema, geringer Verbrauch ist garantiert und der CO2 entspricht auch den zukünftigen Grenzwerten. Schade, dass unsere Autobauer nichts Vergleichbares auf die Straße bekommen.
franxinatra 01.02.2018
3. Da bin ich dann mal gespannt ...
was demnächst dann beim Erdgas-Auto als verwerflich ausgegraben wird. Mittlerweile scheint es egal zu sein, womit man sich bewegt, es gibt immer einen Faktor, mit dem der Halter zur Kasse gebeten werden kann...
j.ogniewski 01.02.2018
4. Ich frage mich nur
Wann werden endlich auch mal andere als Autofahrerr gezwungen Verantwortung für ihren Schadstoff-Ausstoss zu übernehmen? In den Studien zum Thema Strassenverkehr zeigen meistens dass der Warenverkehr der weitaus grössere Umweltsünder ist. Schiffe und Flugzeuge werden gar nicht erst berücksichtigt obwohl bekannt ist das gerade det Flugverkehr unser grösster Schadstoff-Verursacher ist. Mal ganz abgesehen, daß es eine Diskriminierung ist immer nur Autos zu Sündenböcken zu machen - unsere Umwelt-Probleme lösen wir damit ja nicht. Und noch was: es ist durchaus möglich, bestehene Fahrzeuge aufzurüsten so daß diese höhere Umwelt-Auflagen erfüllen, aber niemand greift das auf. Wenn schon Verbote, muss der Staat dies möglich machen, am besten sogar noch subventionieren. Mal ganz abgesehen von der Ungerechtigkeit - soviele noch funktionierenden Fahrzeuge wegzuschmeissen wäre ja auch nicht gerade gut für die Umwelt.
don_spon 01.02.2018
5. Autogas
gab es auch noch, als noch dazu sehr günstige Alternative. Aber seit Oktober dürfen nur noch Autogasanlagen mit einer ABE (ECE R-115) verbaut werden. Diese gibt es größtenteils noch nicht. Wer keinen 6D Diesel oder direkteinspritzenden Benziner kaufen kann oder mag, kann ja noch mit seinem ineffizienten alten Saugbeziner Dino in die Stadt fahren. Ich fahre sowas und bin durch die Umstellung der Rechtslage beim Autogas gekniffen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.