Fahrverbote, Dienstwagen, Kaskotarife Was sich 2019 für Autofahrer ändert

Strengere Abgasnormen, mehr Förderung für Elektroautos und Fahrverbote in diversen Großstädten: Für Autofahrer gibt's im kommenden Jahr viel Neues - ein Überblick.

Dichter Verkehr in München
DPA

Dichter Verkehr in München


Das neue Jahr bringt für Autofahrer viele Änderungen. So kommen Millionen Autos in andere Typklassen bei der Kfz-Versicherung, wodurch manche Fahrer mehr und andere weniger zahlen werden. Elektroautos müssen ab Mitte des Jahres akustische Warnsignale abgeben, um Passanten und Radfahrer auf sich aufmerksam zu machen. Ebenfalls ab der Jahresmitte sollen Autobesitzer ihre Fahrzeuge erstmals online zulassen können. Alle wichtigen Änderungen für 2019 im Überblick:

Neue Typklassen bei der Kfz-Versicherung


Für etwa 11 Millionen Fahrzeughalter ändern sich zum 1. Januar 2019 die Beiträge ihrer Kfz-Versicherung.

  • 5,4 Millionen Autofahrer rutschen in niedrigere Typklassen, die Beiträge sinken. Ein Beispiel: Fahrer eines VW Tiguan 2.0 TSI mit Vollkaskoversicherung zahlen nach der Umstufung 264 Euro weniger. Das hat das Verbraucherportal Check24 errechnet.
  • Rund 5,7 Millionen Halter werden künftig höher eingestuft. Besitzer eines teilkaskoversicherten Toyota RAV4 Hybrid müssen dann bis zu 1134 Euro mehr zahlen.
  • Bei fast drei Viertel, also rund 29,5 Millionen Autofahrern bleibt die Typklasse ihrer Kfz-Haftpflichtversicherung unverändert. Einmal jährlich wertet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Schadensbilanzen aller in Deutschland zugelassenen Automodelle aus, an denen sich dann die Versicherungsbeiträge für die einzelnen Typen bemessen.

Zulassung erstmals online

Die Neuzulassung von Autos und Umschreibung bei Halterwechsel wird im kommenden Jahr digitalisiert. Ab Mitte 2019 können Halter ihre Autos dann erstmals auch online zulassen und ummelden. Voraussetzung dafür ist ein elektronischer Personalausweis.

Warnsystem für Elektroautos

Ab dem 1. Juli 2019 müssen Elektro- und Hybridautos mit akustischen Warnsystemen ausgerüstet werden. Das gilt zunächst nur für neue Elektroautotypen, die in Europa zugelassen werden. Ab Mitte 2021 ist das System dann für alle neu in den Verkehr gebrachten E-Autos, sowie für Plug-in Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge vorgeschrieben. Die AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System) genannten Systeme sollen bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h einen Ton erzeugen, der den Geräuschen von Verbrennerautos ähnelt und auch das Beschleunigen und Abbremsen des Fahrzeugs hörbar macht. Dadurch sollen Sehbehinderte, Fußgänger und Radfahrer auf die E-Autos aufmerksam gemacht werden. Diese erzeugen bei niedrigen Geschwindigkeiten sonst kaum Fahrgeräusche.

Steuervorteile für Elektrodienstwagen

Für Dienstwagen, die auch privat genutzt werden, müssen ab 2019 nur noch 0,5 Prozent des Listenpreises im Monat als geldwerter Vorteil versteuert werden, sofern es sich um ein Elektro- und Hybridauto handelt. Beispiel: Bei einem Fahrzeug, das 30.000 Euro kostet, beträgt der geldwerte Vorteil 150 Euro im Monat. Diese Summe wird mit dem individuellen Prozentsatz versteuert. Die Neuregelung greift für Fahrzeuge, die nach dem 31. Dezember 2018 und vor dem 1. Januar 2022 angeschafft werden. Bei anderen Autos beträgt der geldwerte Vorteile weiterhin ein Prozent des Listenpreises. Mit der Förderung möchte die Bundesregierung einen Kaufanreiz für E-Autos schaffen.

Neue Abgasnorm Euro 6d-temp

Ab 1. September 2019 müssen alle Neufahrzeuge die strenge Abgasnorm Euro 6d-temp erfüllen. Sie hat Fachleuten zufolge bereits dazu geführt, dass Autohersteller erstmals wirksame Abgasreinigungssysteme in Dieselfahrzeuge einbauen und diese deutlich weniger Schadstoffe ausstoßen.

Der Abgastest findet im neuen Testzyklus WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) auf dem Prüfstand statt. Der soll reales Fahrverhalten besser simulieren als der alte NEFZ-Zyklus.

Zusätzlich werden die Abgase im realen Betrieb gemessen (Real Driving Emissions, RDE). Dafür wird das Auto auf Straßen gefahren, wo zufällige Beschleunigung, Verzögerung, oder wechselnde Temperaturen die Messung realistischer machen. Das soll die Diskrepanz zwischen den im Labor gemessenen Abgaswerten und den tatsächlichen Emissionen im Verkehr zusätzlich verringern.

Die neue Norm gibt Dieselfahrern laut Fachleuten mehr Sicherheit, dass sie nicht von Fahrverboten betroffen sind. Ein EU-Gericht hat die Grenzwerte zuletzt allerdings gekippt. Ob Fahrer neuester Diesel doch aus Städten ausgesperrt werden, dürfte sich ebenfalls 2019 zeigen.

Neue Fahrverbote

Im kommenden Jahr treten zahlreiche neue Fahrverbote für alte Dieselautos in verschiedenen deutschen Städten in Kraft.

Den Anfang macht Stuttgart. Dort dürfen ab 1. Januar 2019 Dieselfahrzeuge der Abgasnorm Euro 4 und niedriger die Umweltzone der Stadt nicht mehr befahren.

Im April 2019 folgt Köln. Ab dann gilt ein Fahrverbot für Euro-4-Diesel und Autos mit niedrigerer Abgasnorm in der Umweltzone. Ab September 2019 wird das Verbot auf Euro-5-Diesel ausgeweitet. Gleiches gilt für Bonn, allerdings nur für zwei Straßenabschnitte.

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Fahrverbote und Co.: So kämpfen Europas Metropolen gegen Abgase

In Berlin werden ab Juni 2019 auf 11 Straßenabschnitten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge einschließlich Euro 5 verhängt . Die Sperrung von insgesamt 120 weiteren Abschnitten wird geprüft.

In Essen wird ab Juli 2019 eine Zone eingerichtet, in der Dieselautos nur noch mit mindestens Euro 5 und ab September sogar nur noch Euro 6 fahren dürfen. Davon betroffen ist erstmals auch ein Abschnitt der Autobahn A40.

Gelsenkirchen muss ab Juli 2019 einen Straßenabschnitt für Dieselautos unterhalb Euro 6 sperren.

Im September 2019 drohen Diesel-Fahrverbote in Mainz, sollten die Grenzwerte in der ersten Jahreshälfte überschritten werden.

In Darmstadt haben sich die Kommune und klagende Umweltverbände auf einen Vergleich geeinigt. Fahrverbote für Dieselautos bis Euronorm 5 und Benziner bis Euronorm 2 wird es ab Juni vorerst auf zwei Straßen geben - sie könnten aber noch ausgeweitet werden.

Weiterhin drohen nach Gerichtsurteilen auch Fahrverbote in Frankfurt, München, Aachen und Wiesbaden . Dort dauern Rechtsstreitigkeiten noch an.

cfr/dpa

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Seite 1
MikeRubato 29.12.2018
1. Dieselfahrer ...
Dieselfahrer bitte schon mal die Warnweste aufs Armaturenbrett legen !!! Weitere Aktionen dann nicht ausgeschlossen ! JEDER Dieselfahrer hat vor wenigen Jahren ein behördlich zugelassenes Fahrzeug gekauft, hergestellt von der Autoindustrie gemäß den gültigen Normen und Prüfverfahren (die im Verhältnis wenigen echten Betrugsfälle bei VW etc. jetzt mal ausgenommen), d.h. hier handelt es sich um eiskalte ENTEIGNUNG seitens des Staates. Ich verstehe nicht, wieso sich die Bewohner und Einpendler von Stuttgart und den anderen Städten mit großflächigen Verboten gefallen lassen, aber vielleicht kommt da ja noch was, wenn die ersten Strafen fällig werden. Also: Her mit den Warnwesten!!!
vantast64 29.12.2018
2. Besser Wohnungsbau als Blechkisten zu fördern,
die sowieso alle 15 Jahre verschrottet werden müssen, weil sie keinen Umweltansprüchen genügen. Das Auto ist in JEDER Hinsicht eine Fehlkonstruktion, die großen Kinder haben das aber noch nicht gemerkt, weil es zu viel Spaß macht, mit ihnen zu spielen und durch die Welt zu fahren, diese dabei unter Lärm und Gestank unwirtlich zu machen, man gehe nur durch Kölns Seitenstraßen.
Akkon 29.12.2018
3.
Zitat von MikeRubatoDieselfahrer bitte schon mal die Warnweste aufs Armaturenbrett legen !!! Weitere Aktionen dann nicht ausgeschlossen ! JEDER Dieselfahrer hat vor wenigen Jahren ein behördlich zugelassenes Fahrzeug gekauft, hergestellt von der Autoindustrie gemäß den gültigen Normen und Prüfverfahren (die im Verhältnis wenigen echten Betrugsfälle bei VW etc. jetzt mal ausgenommen), d.h. hier handelt es sich um eiskalte ENTEIGNUNG seitens des Staates. Ich verstehe nicht, wieso sich die Bewohner und Einpendler von Stuttgart und den anderen Städten mit großflächigen Verboten gefallen lassen, aber vielleicht kommt da ja noch was, wenn die ersten Strafen fällig werden. Also: Her mit den Warnwesten!!!
Das ist mit Verlaub absoluter Humbug - wenn irgendwo eine Straße für LKW-Verkehr gesperrt wird, wäre dies ihrer Logik zufolge auch Enteignung - denn eine bestimmte Fahrzeuggruppe wird mittels Verbot daran gehindert, diese Straße zu benutzen. Enteignung ist, wie der Name schon sagt, der entschädigungslose Entzug von Eigentum, Fahrverbote führen aber sicher nicht zum Einzug eines Fahrzeugs, es sei denn, der Eigentümer häuft mittels festgestelltem Verstoß gegen ein Fahrverbot derartige Strafsummen an, dass ihm am Ende durch einen Gerichtsvollzieher das Fahrzeug gepfändet wird - aber wie realistisch ist das? Ich habe eher den Eindruck, mancher Autofahrer wäre tatsächlich der Meinung, ihm gehören alle Straßen, und das Verbot der Benutzung wäre die Enteignung - das würde dann allerdings Bände über das Selbstverständnis dieser Straßennutzer sprechen. Umgedreht wäre es wohl nicht so ganz abwegig, wenn man sich in dieser Diskussion schon auf juristische Begrifflichkeiten einlässt, im Rahmen der NOx-Ausstöße mancher Fahrzeuge von mindestens fahrlässiger Körperverletzung der betroffenen Anwohner auszugehen...
Mr.Marcus 29.12.2018
4. Westen oder Sperre
...ich denke es ist an der Zeit, dass die Dieselfahrer sich organisieren und wichtige Straßen sperren bzw. Lahmlegen. Von mir aus wird der Diesel verboten, dann hätte ich aber auch gerne die 25+ k vom Staat wieder, die er gekoste hat...! Schließlich wurde mein Auto ordnungsgemäß zugelassen !
Teile1977 29.12.2018
5. Gelbwesten
Mal an alle die jetzt in gelben Westen Revoltieren wollen: Wir haben in Deutschland eine Gewaltenteilung. Das heißt das unsere Regierung absolut nichts machen kann wenn ein Gericht ein Fahrverbot ausspricht. Unsere Gerichte sind unabhängig! Die Grenzwerte wurden beschlossen, ob die gut, schlecht, zu hoch, zu niedrig sind spielt dabei ersteinmal keine Rolle. Das Gericht prüft ob die Werte eingehalten werden und entscheidet dann. Den ganzen Prozess anstoßen und massiv mit seinen top Juristen weiterdrängen tut die DUH, also wenn sie Protestieren wollen dann vor den Gerichten, oder vor der DUH. P.s. Wer meint als Benziner Fahrer ist er sicher der täuscht sich. Die DUH hat sich die Benziner nur noch nicht vorgenommen, aber sie hat es bereits angekündigt. Wenn die Diesel in über 40 Städten nicht mehr einfahren dürfen, wird statt dem NOX der Feinstaub als großer yMörder ausgegraben. Da der inzwischen aber kaum noch aus Dieselauspuffen kommt, werden es zuerst die direkt einspritzenden Benziner sein. Danach Autos generell, es kommt 4x mehr Feinstaub aus Reifen und Bremmsabrieb als aus dem Auspuff. Der Mann hat ein klares Ziel: den Individualverkehr in Deutschland massiv einzuschränken.
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