Fahrverbot auf der A40 Was jetzt auf Dieselfahrer in Essen zukommt

Von den Fahrverboten in Essen ist erstmals auch eine Autobahn betroffen. Ab Juli 2019 müssen alte Dieselautos die A40 umfahren, eine der wichtigsten Verkehrsadern im Ruhrgebiet. Weitere Städte werden folgen.

A40 im Essener Stadtgebiet
DPA

A40 im Essener Stadtgebiet


Warum gibt es auf der A40 ein Fahrverbot?

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat die Einrichtung einer Diesel-Fahrverbotszone für das Stadtgebiet in Essen angeordnet. Die "Blaue Umweltzone" soll in 18 der 50 Stadtteile der Ruhrgebietsstadt gelten. Durch diese Zone verläuft auch ein Teilstück der A40, das damit ebenfalls von möglichen Fahrverboten betroffen ist. Die Richter verpflichteten Nordrhein-Westfalen am Donnerstag, entsprechende Regelungen in den Luftreinhalteplan aufzunehmen. In Essen sei die Einführung eines zonalen Fahrverbots "trotz der damit einhergehenden Belastungen für die Bevölkerung und die Wirtschaft verhältnismäßig", führte das Gericht aus.

Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) , die für die Einhaltung des bereits seit 2010 EU-weit gültigen Grenzwerts für das gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid (NO2) kämpft. Essen zählt zu den 35 Städten mit den höchsten Stickoxidwerten in Deutschland.

Wer ist von den Fahrverboten betroffen?

Dem Urteil zufolge muss in Essen zum 1. Juli 2019 innerhalb der derzeitigen grünen Umweltzone eine "Blaue Umweltzone" errichtet werden, in der dann nicht nur ein Fahrverbot für Diesel mit Euro-4-Motoren und älter, sondern auch für Benziner der Klassen Euro 2 und älter gelten soll. Ab 1. September 2019 soll das Verbot auf Diesel der Klasse Euro 5 erweitert werden. In Essen waren zu Beginn des Jahres rund 42.000 Dieselfahrzeuge der Klassen 4 und 5 zugelassen. Betroffen wären von dem Fahrverbot für ältere Diesel auf dem Autobahn-Abschnitt der A 40 aber nicht nur Anwohner und Pendler im Ruhrgebiet, sondern auch der Auto-Fernverkehr. In der Nachbarstadt Gelsenkirchen wurde ebenfalls ein Fahrverbot verhängt. Dort soll die Kurt-Schumacher-Straße bereits vom 1. Juli an nur noch für Euro-6-Diesel befahrbar sein. Für Gewerbetreibende soll es jeweils Ausnahmen geben.

Wie wichtig ist die A40 für die Region?

Die A40 ist eine der wichtigsten Verkehrsadern im Ruhrgebiet. Sie verbindet Duisburg im Westen mit Dortmund im Osten und führt mitten durch Großstädte wie Essen und Bochum. Auf der 94 Kilometer langen Autobahn mit 45 Anschlussstellen fahren teilweise Straßenbahnen und Busse auf dem Mittelstreifen. Das Autobahndreieck Essen-Ost, das im Stadtgebiet von Essen liegt, passieren täglich rund 130.000 Pkw. Der vom Dieselfahrverbot betroffene Abschnitt durchschneidet ein Wohngebiet, die Häuser stehen nur wenige Meter von der Fahrbahn entfernt. An dieser Stelle war 2017 ein Stickoxid-Wert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel gemessen worden. Erlaubt sind nur 40 Mikrogramm.

Gibt es sinnvolle Ausweichmöglichkeiten?

Derzeit gibt es noch keine offiziell ausgewiesenen Ausweichrouten. Eine Möglichkeit wäre ein kilometerlanger Umweg über die A42, Stau ist dort dann vorprogrammiert. Auch umliegende Orte müssen sich auf einen noch höheren Ausweichverkehr einstellen, als er dort wegen der ständig überlasteten A40 bereits herrscht.

Wo drohen weitere Fahrverbote?

Stuttgart hat bereits Fahrverbote angekündigt. Hier müssen Diesel der Euronorm 4 und schlechter ab 2019 der Umweltzone fernbleiben. Eine Ausweitung auf Euro 5 muss Baden-Württembergs Landesregierung nach einem Gerichtsurteil nun vorbereiten.

In Frankfurt am Main wird es ab Februar 2019 ein Fahrverbot geben, das wahrscheinlich die Umweltzone betreffen wird. München, Düsseldorf und Aachen müssen ebenfalls Fahrverbote umsetzen, allerdings weigern sich die zuständigen Behörden, den Urteilen nachzukommen. Oft legen sie Berufung ein. Auch bei rechtskräftigen Urteilen wie in München und Düsseldorf versuchen die Landesregierungen, die Fahrverbote so weit wie möglich zu umgehen. Aachen versucht, die Fahrverbote noch durch die Umrüstung kommunaler Fahrzeuge zu vermeiden. Gelingt das nicht, müssen auch hier zum 1. Januar 2019 Fahrverbote umgesetzt werden.

In Köln und Bonn muss das Land Nordrhein-Westfalen ab April kommenden Jahres Fahrverbote einführen. In Köln ist davon die gesamte Umweltzone betroffen, in Bonn zwei vielbefahrene Straßen. Die Landesregierung hat aber bereits angekündigt, Berufung beim Oberverwaltungsgericht einlegen zu wollen.

Mainz muss ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge zum 1. September 2019 einführen, wenn in den ersten sechs Monaten des Jahres der Mittelwert für Stickstoffdioxid über dem Grenzwert liegt. Berlin wartet noch auf die schriftliche Begründung, bevor die Stadt weitere Schritte unternimmt. Hier drohen Fahrverbote auf elf Straßenabschnitten.

Woran erkennt man, ob man betroffen ist?

Welche Abgasnorm das eigene Auto hat, steht im Fahrzeugschein. In Fahrzeugpapieren, die vor 2005 ausgestellt wurden, ist das Feld "Schlüsselnummer zu 1" entscheidend, bei aktuelleren Dokumenten findet sich die Abgasnorm in Feld "14.1". Die Ziffern in den Feldern geben folgendermaßen Aufschluss über die Schadstoffnorm:

  • Euro 1: 01-04, 09, 11-14, 16, 18, 21, 22, 77
  • Euro 2: 25-29, 34, 35, 40, 41, 49, 71
  • Euro 3: 30, 31, 36, 37, 42, 44-61
  • Euro 4: 32, 33, 38, 39, 43, 62-70
  • Euro 5: 35AO - 35MO
  • Euro 6: 36NO - 36Y0
  • Übrige: 00, 05-08, 10, 15, 17, 19, 20, 23, 24, 88

Wo stehen weitere Entscheidungen zu Fahrverboten an?

Am 21. November wird über Fahrverbote für Darmstadt verhandelt, am 21. Dezember folgt Wiesbaden. Insgesamt streitet die DUH derzeit vor Gericht für Fahrverbote in 29 Städten. In den kommenden Monaten sollen daraus 34 werden.



insgesamt 101 Beiträge
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heidelbeere0815 16.11.2018
1. Gute Nacht, Deutschland
Was daran sinnvoll sein soll, aus einem kurzen „ dreckigen“ Abschnitt einen langen „dreckigen“ zu machen, kann mir der Vielflieger Resch mal erklären. Wenn jetzt alle Benziner kaufen und den CO2 Ausstoß mal eben verdoppeln, wird aus vielen kleinen Problemchen das globale Problem Klimawandel noch schneller noch größer. Wir brauchen Vorschläge, wie der Verkehr insgesamt reduziert werden kann. Das wäre eine vernünftige Lösung. Aber Herr Resch wird so zum Retter der Autoindustrie, weil 50% der Autohalter jetzt neue Karren brauchen.
bruno15 16.11.2018
2. So gehts auch,
die Abwrack-Prämie war für den Staat wohl zu teuer. Dann muss man eben auf andere Art und Weise dafür sorgen, das die Autoindustrie ihre Autos los wird.
Ex-Mitarbeiter 16.11.2018
3. Unglaublich
Die Luft in den Städten ist so gut, wie schon lange nicht mehr und jetzt werden Dieselfahrer quasi enteignet. Die Regierung tut mal wieder nix für die einfachen Bürger. Kein Wunder das diese sich nach vermeintlichen Alternativen umsehen. Und unsere Volksvertreter wundern sich nur und können das nicht Verstehen. Armes Deutschland!
ekel-alfred 16.11.2018
4. Chaos pur
Autobahnen gehören dem Bund. Da hat NRW mal so gar nichts zum Fahrverbot zu sagen. Ansonsten wird es im ohnehin schon staugeplagten Ruhrgebiet ein Desaster werden. Das konnte man bei vielen A40 Sperrungen erleben.
Heike Friedrich 16.11.2018
5. Eine Zigarette verursacht über 20000 μ/m3!!!!
Ist es auch Wahnsinn , so ist es doch Methode! Hier werden vom Menschen ( Grüne und deren weitere Grünaktivisten) wahllos Grenzwerte vorgegeben, die nie erfüllbar sind. Als vpor 20 Jahren die NO2 Werte noch 70% höher waren, da war die welt noch in Ordnung! Auch die vorgegebenen Grenzwerte sind alles andere als logisch. Straße Stadt 40 μ/m3 an Kreuzungen, wo sich die Menschen bur kurze Zeit aufhalten, Im Büro gilt der Grenzwert 65 μ/m3 bei einer 8 Std.Zeit! Bei körperlicher Arbeit im Handwerk und Industrie dürfen bis zu 950 μ/m3 herrschen! Das verstehe , wer es will.!!!!
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