Fahrverbote Viele Autos sind ohne grüne Plakette in Umweltzonen unterwegs

Um Diesel-Fahrverbote umzusetzen, könnte die blaue Plakette kommen. Doch eine Umfrage zeigt: Wo das Autofahren bereits jetzt nur mit einer Farb-Plakette erlaubt ist, wird diese Vorschrift oft missachtet.

Mittlerer Ring in München
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Mittlerer Ring in München


Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist klar: In einigen deutschen Innenstädten drohen Fahrverbote - und wie die Bundesregierung fürchtet, nicht nur für ältere Diesel-Modelle, sondern selbst für jene mit der Schadstoffklasse 6. In diesem Zuge könnte auch die blaue Plakette eingeführt werden, um jene relativ sauberen Autos zu erkennen, die nicht von einem Verbot betroffen wären.

Doch eine Umfrage der Presseagentur dpa unter deutschen Städten zeigt: Wo bereits jetzt nur Autos mit einer farbigen Plakette fahren dürfen, wird diese Vorschrift häufig missachtet. Konkret geht es um die grüne Plakette, mit der man in Umweltzonen unterwegs sein darf, die derzeit in insgesamt 58 Städten eingerichtet sind. Die grüne Plakette erhalten Benziner mit geregeltem Katalysator sowie Diesel der Abgasnorm Euro 4 oder besser.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW zum Beispiel halten sich etliche Autobesitzer nicht an die Regeln, wie Ordnungsämter und Polizei berichten. Die Stadt Köln erfasste im vergangenen Jahr etwas mehr als 11.000 Verstöße. Das waren zwar 17.000 weniger als noch 2014. Ein Grund für den Rückgang sei aber vor allem eine insgesamt höhere Zahl modernerer Fahrzeuge, sagte ein Sprecher.

Allerdings bedeutet das Fehlen der grünen Plakette nicht immer, dass das betreffende Auto grundsätzlich nicht in Umweltzonen fahren dürfe. Viele Autofahrer besäßen durchaus einen dafür geeigneten Wagen mit ausreichend niedrigen Schadstoffwerten, sagte der Sprecher der Stadt Köln. Sie hätten jedoch lediglich keine Plakette.

In Bayern deutlich weniger Verstöße als früher

Deutlich mehr Umweltsünder registrierte Aachen. Hier erfasste das Ordnungsamt in fast 29.000 Fällen eine nicht vorschriftsmäßige Umweltplakette. Die Behörde sprach aber nur knapp 11.300 Mal eine Verwarnung oder ein Bußgeld aus. "Aachen ist eine Grenzstadt mit vielen Besuchern aus Holland und Belgien", erklärte eine Sprecherin. "Und wir dürfen nicht ins Ausland vollstrecken."

In Düsseldorf hingegen hielten sich die meisten Autofahrer an die Plakettenpflicht, sagte ein Sprecher. "Wir haben kaum Verstöße." Laut dem Ordnungsamt wurden dennoch rund 7400 Bußgeldverfahren eingeleitet. Essen zählte 2017 fast 9400 Fälle. Oft beließ es das Ordnungsamt hier bei einer Ermahnung, 2930 Mal wurde ein Bußgeld verhängt. Die Dortmunder Behörden stellten im vorigen Jahr mehr als 4100 Verstöße fest.

In Stuttgart wurden im vergangenen Jahr rund 26.500 solcher Fälle registriert, 2016 waren es etwa genau so viele. Doch auch hier handele es sich mitunter um Hybrid- und Euro-6-Fahrzeuge, die lediglich ohne die korrekte grüne Plakette unterwegs seien, sagte eine Stadtsprecherin.

In Berlin erwischten die Behörden im vergangenen Jahr sogar mehr als 65.000-mal Autofahrer, die verbotenerweise in die Umweltzone fuhren, teilte die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz mit. Dabei seien 86 Prozent dieser Verstöße auf Fahrzeuge entfallen, die nicht in Berlin zugelassen waren. 2014 und 2015 lag die Zahl der registrierten Verstöße mit rund 71.000 noch etwas höher als zuletzt.

In den bayerischen Städten mit Umweltzone sank die Zahl der Verstöße in den vergangenen Jahren kräftig. In München etwa hat sich nach Angaben der kommunalen Verkehrsüberwachung seit 2012 die Zahl der Autofahrer mehr als halbiert, die ihr Fahrzeug ohne gültige Plakette in der Umweltzone parkten. 2012 waren es 6494 Fälle, 2017 nur noch 2959. Auch in Augsburg und Neu-Ulm wurden weniger Verstöße gezählt.

fdi/dpa

insgesamt 159 Beiträge
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flintenschuetze.de 03.03.2018
1. Langsam fällt es auf
Der Spiegel sollte statt ständiger Panikmache endlich vernünftige Recherche betreiben - beispielsweise gibt es die Euro6d Norm noch nicht. Die kommt erst im Herbst dieses Jahres. Anstatt immer nur auf Dobrindt herumzuhacken, wäres es angebracht die Historie vernünftig zu recherchieren. Man wird auf eine Reihe von Verkehrsministern stoßen, die lange vor Dobrindt die jetzigen Probleme schützend mitbegründet haben.
Aberlour A ' Bunadh 03.03.2018
2. Summer in the City
Was kann es Schöneres geben, als bei obigen Bild auf dem Mittelstreifen zu sitzen, eine Tasse Café zu genießen und der Duft der Freiheit einzuatmen. Seien wir mal ehrlich. Das macht die Stadt doch erst attraktiv.
markusd09 03.03.2018
3. ist
doch ganz einfach. Betroffene Fahrzeughalter durch die kfz Zulassungsstelle anschreiben lassen...Frist von 2 Wochen geben und sollte bis dahin nicht nachgewiesen werden das man die Plakette hat wird das Auto stillgelegt
Mephisto Müller 03.03.2018
4. Richtig so.
Sollte die blaue Plakette und Fahrverbotszonen kommen freue ich mich über jeden der diese stumpf ignoriert. Ich würde es, hätte ich keinen nagelneuen Diesel, ebenfalls tun. Diesen seines gleichen suchenden Wahnsinn muss man einfach ignorieren und weiter machen als sei nichts gewesen.
frank_n_furter 03.03.2018
5. Wer hätte das gedacht?
Was wird denn noch alles missachtet? Da würde eine beliebig lange Liste herauskommen. Es gibt halt ein einen gewissen Prozentsatz von Leuten, die meinen, Regeln seien nur Empfehlungen (für andere): rechts überholen, rasen, im Halteverbot parken (gerne mit Warnblinker, dann darf Mann das), Mittelspurfahrer, etc. Regeln müssen auf ihre Einhaltung kontrolliert werden, und die Verkehrsanarchisten müssen spürbare Strafen erhalten, sonst können wir sie abschaffen, das wäre ehrlicher.
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