Designer Syd Mead Als die Autos fliegen lernten

Er ist berühmt geworden durch Filme wie "Blade Runner" und "Tron", sein Spezialgebiet ist futuristisches Autodesign: Syd Mead hat viele Trends vorausgesehen - auf die Straße hat es nur ein Entwurf für ein Zubehörteil gebracht.

Syd Mead: "Sind diese Dinger nicht verrückt?"
Patrick Strattner / SPIEGEL WISSEN

Syd Mead: "Sind diese Dinger nicht verrückt?"

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Los Angeles im Winter 2019: Es regnet Tag für Tag, seit Wochen. Durch die Pfützen auf den Straßen drängeln sich die Menschen, über ihren Köpfen patrouilliert die Polizei in fliegenden Autos. Das L.A. der Zukunft, wie es in "Blade Runner" von Ridley Scott dargestellt wird, ist ein Moloch. Ein einziger, düsterer Albtraum, den man nicht aus dem Kopf bekommt.

Der entscheidende Architekt dieser filmischen Apokalypse ist Syd Mead, ein freundlicher Herr, der aussieht wie ein Sonntagsspaziergänger. Mead, 81, gekleidet mit kariertem Jackett, Stoffhosen mit Bügelfalte und blasspinkem Polohemd, empfängt in seinem Wohnzimmer. Er nimmt auf dem Ledersofa Platz, neben ihm liegt ein Smartphone. "Sind diese Dinger nicht verrückt?", fragt er. "Mit ihnen haben sich Zukunftsvisionen aus den Sechzigerjahren verwirklicht."

Mead ist ein Fachmann für Visionen. Vergangenheit und Zukunft: Auf diese Zeitdimensionen ist er spezialisiert. Die Gegenwart scheint ihm zu flüchtig, deswegen hat er sie aus seinem Wohnzimmer auch fast verbannt: Er umgibt sich hier mit einer großen Sammlung von Modellautos, ausschließlich kleine Oldtimer. Sie parken fein säuberlich auf Glasregalen. Zwischen den Cadillacs und Mercedes im Miniformat stehen Modelle aus seiner eigenen Schöpfung. Die fliegenden Autos aus "Blade Runner", "Spinner" genannt, und natürlich sein berühmtestes Werk, das Lightcycle aus "Tron".

An diesem Kult-Geschoss lässt sich sein Erfolg am besten festmachen: Die Fahrzeuge des US-Amerikaners könnten heute noch als visionäre Studien durchgehen, obwohl sie mehr als 30 Jahre alt sind. Syd Meads Zukunft ist zeitlos. Richard Taylor, der bei der "Tron"-Produktion für die Spezialeffekte verantwortlich war, sagte einmal: "Syds Werke erinnern dich an etwas, das du vorher noch nie gesehen hast."

Zeitlose Zukunft: Szene aus "Tron" mit Lightcycles
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Zeitlose Zukunft: Szene aus "Tron" mit Lightcycles

Der Vater blätterte mit seinem Sohn aber in Comics, der kleine Syd lernte Buck Rogers kennen, The Green Hornet und Flash Gordon. Später bekam er von seinen Eltern ein Buch des US-Malers Chesley Bonestell geschenkt, der als Mitbegründer der modernen Science-Fiction-Kunst gilt, und zog sich Bildbände von Rubens, Anthonis van Dyck und Maxfield Parrish aus dem Bücherregal des Vaters.

Mit 26 machte er den Abschluss. Dann wurde die Zukunft sein Geschäft: Er bekam einen Job im Styling-Studio von Ford und arbeitete dort unter anderem an einem Konzeptauto auf Basis des Thunderbirds. Im Auftrag des Konzerns US Steel entwarf er dann Auto-Studien für einen Image-Prospekt - die keilförmigen Limousinen und Sportwagen würden auch auf dem Genfer Autosalon 2015 als innovativ durchgehen.

"Die fliegen mich ein"

Über die Jahre ist Syd Mead selbst zu einer Ikone geworden. BMW schmückte sich 2011 in einem Image-Film mit ihm und interviewte ihn neben der Astronauten-Legende Buzz Aldrin und der damaligen Google-Vizepräsidentin Marissa Mayer zum Thema Zukunft.

Drei Jahre später ist er immer noch umworben. "Bald besuche ich Europa", sagt er, "ich bin zu einem Festival für Animationsfilme, visuelle Effekte und Videospiele in Portugal eingeladen. Es heißt 'The Trojan Horse was a Unicorn'." Syd Mead grinst wie ein Teenager, der Name des Festivals amüsiert ihn sichtlich, "aber die fliegen mich ein". Mead fühlt sich durch die VIP-Behandlung sichtlich geschmeichelt.

"200th Running of the Kentucky Derby": Vision der "Elektronischen Herde"
Syd Mead

"200th Running of the Kentucky Derby": Vision der "Elektronischen Herde"

Kein Wunder: Videospiele und Animationsfilme sind vergleichsweise junge Phänomene - als Mead zur Schule ging, liefen gerade mal die ersten Zeichentrickfilme mit Donald Duck. Als er studierte, gab es Flipperautomaten statt Game-Konsolen. Deswegen weiß er, wie schwierig es mittlerweile ist, sich nicht von der Realität einholen zu lassen. "Viele einstige Visionen sind bereits Wirklichkeit. Passt man nicht auf, dann entwirft man etwas, das es beim Autohändler um die Ecke zu kaufen gibt."

Bislang hat er dieses Problem aber offensichtlich erfolgreich umschifft. Er ist gefragt in Hollywood. Filme, die im Weltraum, im Cyberspace oder auf dem Planeten Erde im neuen Millennium spielen, staffierte er mit Raumschiffen, Autos und Gebäuden aus. Außer "Blade Runner" und "Tron" zählen "Star Trek", "Alien", "Mission to Mars" und "Elysium" zu seinen bekanntesten Produktionen. Der kleine, ältere Herr ist ein Ein-Mann-Entwicklungslabor, bei dem man ein ganzes Universum in Auftrag geben kann.

Fliegende Autos von Syd Mead: "Spinner" in "Blade Runner"
DDP

Fliegende Autos von Syd Mead: "Spinner" in "Blade Runner"

Wie aber schafft es der 81-Jährige, den Anschluss zu halten? "Manchmal schaue ich YouTube, aber die Plattform ist wie ein schwarzes Loch, das Aufmerksamkeit verschlingt. Es gibt da einfach zu viel zu sehen. Ich lese viel Science-Fiction-Literatur, Wissenschaftsmagazine wie Popular Science und Wirtschaftszeitungen wie den 'Economist'. Und ich beobachte meine Umgebung ganz genau." Er hat das Fantasievermögen mal auf eine einfache Formel gebracht: Imagination is arranging knowledge in new formats - Vorstellungskraft bedeutet, vorhandenes Wissen in neue Formen zu bringen. "Ich versuche also ständig, mein Wissen zu erweitern und meine innere Bibliothek zu pflegen."

Legitimer Nachfolger aus Deutschland

Mead ist ein guter Bibliothekar, der sich um den Respekt der jungen Avantgarde keine Sorge machen muss. Zu seinen Bewunderern zählt auch der deutsche Designer Daniel Simon. Der 39-Jährige ist sozusagen Meads legitimer Nachfolger in Hollywood: Er entwarf unter anderem das neue Lightcycle für eine Fortsetzung von "Tron". Daniel Simon bezeichnet Mead als ein "Idol": "Designer versuchen heutzutage, mit immer komplizierteren Entwürfen künstlich 'Neuheiten' zu suggerieren - ein ermüdender Trend, vor allem bei Autos", sagt er. "Syd Mead spielt dagegen mit genial einfachen Grundformen. Er verschmilzt sie aber so raffiniert, dass ständig komplett neue und zeitlos schöne Formen entstehen. Aus etwas Simplen schafft er etwas Innovatives."

Simon kennt sein Idol persönlich, der Deutsche war schon einige Male zu Gast in Pasadena, wo Mead sich gern mit Menschen umgibt. In dem Viertel, in dem er seit vielen Jahren zusammen mit seinem Lebenspartner und Manager Roger Servick wohnt, reihen sich großzügige Anwesen aneinander. Sein Haus liegt am Ende einer breiten Straße ohne Bürgersteig. Beim Plaudern vor dem Interview erwähnt Mead die Vorzüge der großen Glastür vor seiner Terrasse: "Wenn wir hier Partys veranstalten, schieben wir die Türe weit auf, und alle haben Platz."

Bei ihm trifft sich Hollywood

An illustren Gästen mangelt es nicht: Mead hat nicht nur einen guten Draht nach Hollywood, sondern auch zum Jetset. Bei Scheichs und Milliardären ist er ein gefragter Innenausstatter von Jachten und Privatflugzeugen. Mitunter offenbar ein harter Job. Als er das Luxusboot eines berühmten Immobilientycoons aus New York gestalten sollte, verging ihm schnell die Lust, erzählt er: "Seine Gattin hatte einen grässlichen Geschmack."

Im gleichen Atemzug sprach Mead damals von der "Elektronischen Herde": Autos, die untereinander kommunizieren und somit einen sicheren und geordneten Verkehrsfluss ermöglichen - so wie eine Bisonherde geschlossen über die Steppe trampelt oder Fische in einem Schwarm durchs Wasser schwimmen. Vor mehr als 30 Jahren beschrieb Mead damit ein Prinzip, das jetzt Car-to-Car- und Car-to-X-Kommunikation genannt wird. Dass der Mensch den autonomen Fahrzeugen Vertrauen schenkt und das Lenken und Bremsen ihnen überlässt, daran hat er keine Zweifel: "Die Leute sind auch in Flugzeuge geklettert."

Er zeigt auf die Wohnzimmerwand hinter sich. Links neben dem Glasregal mit den Modellautos ist eine große Fläche mit einem seiner Werke tapeziert. Die Illustration zeigt einen imaginären Concours d'Elegance der Zukunft. Bei der realen Glamour-Veranstaltung trifft sich jedes Jahr die High Society der Autosammler in Pebble Beach an der US-Westküste.

"Man kann in dieses Bild hineinsteigen"

Am linken Bild- und Wandrand parkt ein klassisches US-Auto, daneben ein Fahrzeug aus der Vorkriegszeit. Im Zentrum, genau in der Mitte der Illustration, stehen Menschen. Ein kleines Grüppchen, Männer mit halb entblößten Hintern und Frauen in engen Kleidern. Zwischen der Szene und dem Betrachter gibt es kein Hindernis, als Gast bewegt man sich sozusagen auf die Gruppe zu. "Man kann in dieses Bild hineinsteigen", sagt Mead, "man kann diese Menschen treffen und eine gute Zeit haben."

In der Welt auf seiner Wohnzimmerwand sind am Horizont schwach der Kühlergrill und die Scheinwerfer eines Autos zu erkennen. "Das ist eine Erinnerung an die Geschichte des Automobils", erklärt er. Glaubt Syd Mead, dass Autos in der Zukunft irgendwann verschwinden werden? "Die Menschen werden bei ihrer Fortbewegung immer auch Privatsphäre genießen wollen. Aber die Frage nach der Mobilität der Zukunft ist bislang unbeantwortet. Und ich weiß nicht, ob die Autoindustrie die richtige Antwort finden kann."

Eigenanfertigung: Wandschmuck in Syd Meads Haus
Patrick Strattner / SPIEGEL WISSEN

Eigenanfertigung: Wandschmuck in Syd Meads Haus

Die Branche steht tatsächlich unter Druck. In den USA und der EU gelten bald strengere Umweltauflagen, die junge Zielgruppe scheint das Interesse am Auto verloren zu haben, und Alternativen wie Carsharing machen die Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs überflüssig. Gerade deshalb setzt Mead aber Hoffnung in die Autoindustrie: "Bedrohung ist immer eine gute Voraussetzung für Innovation."

Innovation durch Persönlichkeitsspaltung

Syd Mead hat eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie man etwas Neues erschafft: "Man muss sich in drei Persönlichkeiten aufspalten", erklärt er. "Erstens in den verrückten Wissenschaftler, der völlig frei denkt und Ideen spinnt." Für einen Augenblick verwandelt er sich wieder in einen Teenager und feixt. Er verdreht die Augen nach oben und lässt die Zeigefinger am Kopf kreisen. "Das ist sehr wichtig, denn wenn man zu ernst an die Sache geht, beraubt man sich selbst vieler Möglichkeiten." Dieser Schritt folgt nämlich erst darauf: "Zweitens schlüpft man in die Rolle einer Person, die alle Ideen kritisch prüft und sie zu etwas Konkretem formt, das sich umsetzen lässt." Und schlussendlich gehe es um den fertigen Entwurf: "Man muss sich, drittens, in denjenigen hineindenken, der dem Kunden oder Auftraggeber mit einer realistischen Lösung gegenüber tritt."

Was das Aussehen moderner Autos angeht, gibt es nach Ansicht von Mead kaum Designer, die sich erfolgreich in die drei Persönlichkeiten spalten können. "Futuristisches Design ist nicht in Mode. Die Lamborghinis mit diesen eckigen Öffnungen und scharfen Kanten? Das soll wohl cool aussehen. Ich halte es aber für Männlichkeitswahn in 3D." Ein bisschen begeistern kann er sich immerhin für den Jaguar F-Type. "Sehr modern und trotzdem elegant. Aber mal ehrlich, solche Autos sind letztendlich doch auch nur zum Angeben da."

"Palm Springs Fantasy": 61er Lincoln Continenta und Zukunftsmobile
Syd Mead

"Palm Springs Fantasy": 61er Lincoln Continenta und Zukunftsmobile

Zum Abschied bittet Mead noch in seine Garage. Dort wohnt ein 57er Mercury. Fünfeinhalb Meter lang und fast zwei Tonnen schwer, "das wahrscheinlich höchst entwickelte Auto seiner Zeit", sagt Mead und erzählt von elektrisch verstellbaren Sitzen und automatischen Fensterhebern. Ins Schwärmen gerät er aber bei den kurzen Radioantennen, die horizontal aus zwei großen Lufteinlässen an den Seiten des Dachs herausstechen: bestens geeignet, um mit anderen Autos in Kontakt zu treten - Stichwort Car-to-Car-Kommunikation. Oder anders gesagt: kleine Hörner für das elektronische Herdentier. Bis heute dienen sie aber nur dazu, Radiosender zu empfangen.

Diese Konfrontation mit der Wirklichkeit blieb den Auto-Entwürfen von Syd Mead erspart. "Ich habe nur an einem einzigen Serienfahrzeug mitgearbeitet", sagt der 81-Jährige. "Mein Beitrag zur amerikanischen Automobilgeschichte sind die Rücklichter des 1960er Ford Falcon." Seine berühmtesten Fahrzeuge bleiben dagegen für immer in ihren eigenen Welten von Filmen und Illustrationen. Keine schlechte Voraussetzung dafür, dass die Zukunft von Syd Mead noch eine Ewigkeit überdauert.



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KuGen 25.12.2014
1. ....fliegen lernten
Glücklicherweise können sie es nicht. Und wir sollten alles dafür tun, dass es auch nicht dazu kommt. Nicht bevor Antigrav oder etwas ähnliches erfunden ist. Und auch dann ist und bleibt es zweifelhaft in diesen unseren überbevölkerten Städten.
Markus Landgraf 25.12.2014
2. Die Zukunft kommt
Visionäre wie Mead gibt es viel zu wenige - besonders in Europa. Das fliegende Auto kommt! Auf nach 2015!
Seska Larafey 25.12.2014
3.
Um eine solche Zukunft zu erleben, wie es Mead erfindet, brauchen wir erst eine Energie Quelle, die lange anhält Sei es bessere Batterien, oder Kompaktkraftwerke. Jedenfalls ist unsere Zukunft nicht mehr ein verbesserter Otto Motor. Vielleicht ist Anti Grav der Motor. Aber es braucht eine Potente Energie die es antreibt Also, wir sollten erst mal die Basis der Energiequellen erforschen, darauf können wir weiter Aufbauen. Immer ein Schritt nach dem andern Zu Bild 5 von 6: Möglich in unseren Heutigen Zeit. Kippsensoren wie im diesen Segway damit es auf den 2 Rädern balanciert wird. Die Motorräder haben ja auch schon eine ähnliche Antriebseinheit wie hier. Was hier aber noch scheitert ist die Energiequelle. Ob es nun Batterien (noch zu Schwer) oder ein Kraftwerk hier einsetzbar ist, muss die Entwicklung zeigen
Alternator 25.12.2014
4.
"Designer versuchen heutzutage, mit immer komplizierteren Entwürfen künstlich 'Neuheiten' zu suggerieren - ein ermüdender Trend, vor allem bei Autos" Genau das! Wunderbar auf den Punkt. Was auch eher schädlich als der Entwicklung förderlich wirkt, ist der Trend gute Lösungen zu Gunsten einfach nur neuer aufzugeben. Leider sind hier die Kunden, die die Produkte kaufen, oftmals wenig hilfreich, weil sie sich einfach mit der Aussicht auf den Wiederverkaufswert viel Unfug und Chichi als vermeintliche Wertsteigerung wünschen. Wo zum Beispiel vielleicht für ein Familienauto der Teddyhalter oder die Staubox für gebrauchte Papiertücher hilfreich wäre, hat der Jahreswagen dann eine Halterung für alle "Buisnessfördenden" iToys, weil das laut Statistik den Wert eines Jahreswagens steigert. Oder eben jene buisnessfördernden iToys haben keine echte Tastatur mehr, weil das der Trend ist, brauchen als ein Programm, das so tut, als sei es eine Tastatur, welches dann durch ein Programm, das so tut als sei es eine Tastatur, die aber auch Eingaben, die von bestimmten Netzwerkadressen kommt, annimt, ersetzt ist. Somit hat dieser tragbare Computer dann wegen seiner Optik ein gravierendes Sicherheitsproblem geschaffen… Design darf nicht nur Selbstzweck sein. Wenn etwas vollendet ist, sollte man das anerkennen, und die volendete Form beibehalten. So, wie es zum Beispiel bei den E-Gitarren ist. Die allgemein als am besten spielbaren anerkannten Konstruktionen anerkannten Designs stammen fast unverändert aus den 50er Jahren, Die Les Paul, die Telecaster und die Stratocaster. Abgesehen von diesen Grundformen haben sich nur wenige Nischenprodukte gefunden, die oft auch mehr der Optik auf der Bühne dienen, als der Ergonomie. Wer vollendetes verändert, verschlechtert es. Wer ein wendiges, sparsames Stadtauto verbessert, indem er einen Rennwagenmotor, ein breites Portfahrwerk mit kratzeranfällig ausgestellten Alufelgen und unübersichtlich rund gelutschter Karosserie hinzu fügt, verbessert nichts. Wer ein Auto baut, das rundum Kameras braucht, damit der Fahrer die Parklücke, in die er einparken möchte, noch sieht, weil die Verglasung rundum bestenfalls ncoh Schießscharten darstellt, hat das Ziel des Designs nicht verstanden.
wakaba 25.12.2014
5.
Syd Meads Ideen und Visualisierungen begleiten mich seit 30 Jahren. Er hat für mehrere Generationen von Designern eine generische visuelle Skizziersprache erschaffen. Er erschuff grosse und weitreichende Bühnenbilder. Die eleganten Autoentwürfe sind legendär - wurden oft für Serienprodukte aufgegriffen und meistens von unfähigen und kurzsichtigen Industrie-Komitees völlig zerfledert. Die deutsche Schule hat Jahrzehnte damit verbracht dogmatisch-textische Hürden gegen die Südkalifornische Visualisierungstechniken aufzubauen - statt einfach mal malen zu lernen... BMW ist so ein Fall wo ein US-Designer auf eine Herde von unfähigen Designern prallte - das Designgemetzel ist legendär und immer noch auf den Strassen zu sehen... In jedem Fall ist Mead Protagonist einer Mal- und Denkschule und so interessant wie Da Vinci und Michelangelo - die eben auch für die Zukunft schuffen.
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