Faltverdeck für den Kopf Zylindrisch, praktisch, Hut

Hamburg - gefühlte Windstärke 6 - der Hut sitzt. Der Wahlhamburger Peter de Vries entwarf einen preisgekrönten Hut , der nicht nur vielseitig ist, sondern sogar Chancen hat, das Tuch als bevorzugte Kopfbedeckung cabriofahrender Frauen abzulösen.

Von Kati Borngräber


Pilotenmützen, Baseballcaps und Racing-Helme - es gibt eine breite Palette an Kopfbedeckungen, die beim Cabrio-Fahren vor Wind und Wetter schützen. Ein sportliches Outfit im sportlichen Wagen - das passt, meistens zumindest. Doch da sich Cabrios auch wegen ihrer Eleganz bei vielen Fahrern - und vor allem Fahrerinnen - großer Beliebtheit erfreuen, sollte der Kleiderschrank passionierter Frischluft-Fans auch mit einem etwas schickeren Accessoire ausgestattet sein.

Für Frauen, die bei Ausfahrten mit offenem Verdeck einen eher eleganten Look bevorzugen, diente bislang das Kopftuch à la Grace Kelly als Schutz vor Fahrtwind und Sonne. Das hat Stil, ohne Frage, nur ist es vielleicht auf die Dauer etwas langweilig. Die Suche nach einer angemessenen Alternative gestaltete sich bislang schwierig, schließlich musste neben dem passenden Style vor allem der Halt garantiert sein.

Das hat auch Peter de Vries erkannt und einen Hut entworfen, der sich zum Cabrio-Fahren ebenso eignet wie für einen Empfang in vornehmer Gesellschaft. Sushehat heißt das gute Stück, zu dem sich der gebürtige Holländer von den Kopfbedeckungen japanischer Feldherren inspirieren ließ.

Eine "Sushi-Rolle" zum Entfalten und Aufsetzen

Der Name setzt sich aus den Worten "Sushi", "she" und "hat" zusammen. Letztere sagen etwas über den Verwendungszweck des Produkts aus: ein Hut für Frauen. Die Analogie Sushi ist raffinierter, spielt zum einen auf die asiatisch anmutende Form an, zum anderen auf einen besonderen Clou: Wo gewöhnliche Hüte für den Transport in eine sperrige Schachtel verfrachtet werden müssen, lässt sich de Vries' Kreation zusammenfalten und in einer handlichen Rolle in Form eines Sushi-Röllchens bequem verstauen, im Handschuhfach zum Beispiel.

"Wegfliegen kann der Sushehat nicht, da er mit Bändern am Kopf befestigt wird", sagt de Vries. Die Bänder dienen indes nicht nur dazu, dem Fahrtwind zu trotzen, sondern erfüllen noch eine weitere Funktion: Sie machen die Kopfbedeckung äußerst wandelbar. "Ein Hut, neun Möglichkeiten", lautet de Vries' Slogan. So kann der Sushehat je nach Anlass oder Laune auf neun verschiedene Arten getragen werden. Das klingt kompliziert, und so ist es gut, dass Sushehat-Trägerinnen beim Binden ihres Kopfschmucks nicht völlig auf sich allein gestellt sind. De Vries zufolge handelt es sich hier nämlich um "den ersten Hut mit Gebrauchsanweisung".

Designpreise für den wandelbaren Hut

Vergangenes Jahr erhielt der Sushehat die Auszeichnung Design Plus der Messe Frankfurt, in diesem Jahr folgt der "red dot design award", der im Juni im Design Zentrum Nordrhein Westfalen in Essen verliehen wird. Die Preise erfreuen das Ego, und was noch wichtiger ist, sie sorgen für Publicity. "Davor war es schwierig, Designgeschäfte davon zu überzeugen, meine Kreationen ins Sortiment zu nehmen" sagt de Vries. Inzwischen exportiert er seine Hüte nach New York, Bangkok, Taiwan - und sogar nach Teheran. "In Schwarz, versteht sich, für eine geheime Modenschau", lässt er durchblicken.

Weil der Hut so gut zu Cabrios passt, hofft de Vries nun, dass ein Autohersteller auf seine Kollektion aufmerksam wird. Die Marke spielt für ihn dabei keine Rolle. Aber auch ohne Auto ist ein Sushehat keine Kleinigkeit. 239 Euro kostet ein Hut bei de Vries in seinem kleinen Geschäft in Hamburg-Eppendorf. Sollte tatsächlich ein Automobilhersteller Interesse zeigen, könnte de Vries sich vielleicht den Traum vom Zweitwagen mit Faltverdeck erfüllen. "Ein Cabrio ist ein Auto, in dem man sich frei fühlen kann", schwärmt er. Bis das für ihn gilt, wird der zweifache Vater wohl noch etwas Geduld brauchen – derzeit fährt er einen familienfreundlichen Kombi.



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