Familienkutschen auf dem Genfer Autosalon Fünf Argumente gegen SUVs

Man mag es kaum glauben, aber nicht jeder Familienvater und Firmenfahrer findet sein Heil im SUV. Deshalb gibt es in Genf noch ein paar Neuheiten, die mit echten Qualitäten locken.

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Der Genfer Autosalon ist auch dieses Jahr vom SUV befallen. Weil die oft bis zur Unkenntlichkeit domestizierten Geländewagen seit Jahren ihren Marktanteil ständig ausbauen, zaubern die Hersteller einen Offroad-Softie nach dem anderen aus dem Hut. Das zumindest ist der vorschnelle Eindruck, denn man bei einem Messerundgang gewinnen kann. Doch es gibt noch Hoffnung.

"Klar ist der SUV ein Megatrend. Aber in Deutschland zum Beispiel machen die anderen Karosserievarianten noch immer 80 Prozent des Marktes aus," sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Das ist ein Potenzial, das die Hersteller nicht brachliegen lassen dürfen, wenn sie keine Absatzeinbußen riskieren wollen, sagt der Experte und erklärt damit, weshalb zwischen all den SUVs auf dem Salon eben doch noch ein paar ganz konventionelle Kombis, Vans und Kompaktklasse-Modelle enthüllt werden.

Allein mit bewährten Karosseriekonzepten wie dem des Kombi beispielsweise kann man die Käufer aber offenkundig nicht mehr locken. Die Hersteller müssen sich bessere Tricks ausdenken. Fünf Beispiele zeigen, wie sich die altbewährten Autos gegen den SUV-Trend stemmen.

Renault Mégane Grandtour
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Renault Mégane Grandtour

  • Technologieoffensive: Vernunft und Vergnügen müssen sich nicht länger ausschließen - das ist die Botschaft des neuen Renault Mégane Grandtour, der in Deutschland im September in den Handel kommt. Neben einem Kofferraum von 580 Litern Volumen und einer Ladelänge von 2,77 Metern bietet der Lastenträger als Einziger in der Kompaktklasse eine Hinterradlenkung. In der ohnehin schon etwas sportlicher gezeichneten Modellvariante GT soll sie für zusätzlichen Fahrspaß sorgen, weil der Kombi damit schneller um die Kurven kommt und auf schnellen Autobahngeraden weniger nervös reagiert.

    Eine praktische Seite hat die von Espace & Co. übernommene Technologie übrigens auch: Weil die Räder in oder gegen die Lenkrichtung jeweils ein paar Grad eingeschlagen werden, lässt sich der Kombi auch leichter in Parklücken rangieren.
Honda Civic
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Honda Civic

  • Designoffensive: Auffälliges Design ist kein Privileg von SUV und Geländewagen, sagt Daisuke Tsutamori. Er ist Projektleiter für die zehnte Generation des Honda Civic und belegt mit dem neuen Fünftürer seine Behauptung. Offiziell handelt es sich bei dem Civic noch um eine Studie, aber angeblich stimmt das Konzeptfahrzeug zu mehr als 80 Prozent mit dem für 2017 geplanten Serienauto überein. Gut so, denn der Kompaktwagen sieht herrlich wütend aus. Elegant ist das kantige und böse blickende Design mit den stechenden Scheinwerfern und dem scharfen Spoiler am Coupé-Heck vielleicht nicht gerade, aber es fällt zumindest auf.

    Ebenfalls mit einem besonderen Augenmerk aufs Design hat Kia seine Mittelklasselimousine Optima zum ersten Mal zum Kombi umgebaut - nur, dass der koreanische Hersteller bei diesem Sportswagon nicht auf einen aggressiven Raumfahrtlook setzt, sondern ein schickes Business-Dress anlegt.
Fiat Tipo
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Fiat Tipo

  • Preisoffensive: Fiat setzt im Kampf gegen die SUV und CrossOver beim neuen Tipo schlicht auf die große Überzeugungskraft eines kleinen Preises. Schon die Limousine, die mit Eintauschprämie für 11.990 Euro feilgeboten wird, ist eine Kampfansage. Wirklich spannend wird es, wenn jetzt für jeweils rund 1000 Euro mehr ein konventionell geschnittener Fünftürer und vor allem der Kombi nachgereicht werden.

    Damit rücken die Italiener geschickt an die Stelle, die Skoda so langsam verlässt und werden zum Preisbrecher in der Kompaktklasse: Deutlich schicker gezeichnet, moderner motorisiert und besser ausgestattet als Dacia, aber lange nicht so teuer wie Kia & Co. bieten sie den Kopfkäufern schlicht den besten Deal.
Citroën SpaceTourer
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Citroën SpaceTourer

  • Platzoffensive: Noch einer und noch einer und noch einer - wer die Gäste auf dem Toyota-Stand im neuen ProAce verschwinden sieht, der braucht zum Zählen fast alle Finger. Schließlich bietet die neue Großraumlimousine, die es baugleich auch als Peugeot Traveller und als Citroën Spacetourer gibt, bis zu neun Sitzplätze und ist damit selbst den größten Möchtegern-Geländewagen überlegen. Und auch ein Ladevolumen von fast fünf Kubikmetern sucht man bei den SUVs vergebens.

    Zugegeben: Diese Wagen kommen aus der Nutzfahrzeugsparte. Doch haben es die Kooperationspartner geschickt verstanden, den Kleinbussen ihr sprödes Transporterimage auszutreiben. Zum konkurrenzlosen Platzangebot und Sitzlandschaften mit mehr Variabilität als bei jedem Geländewagen gibt es deshalb durchaus konkurrenzfähige Assistenzsysteme und ein Ambiente, für das man sich neben Hyundai Santa Fe oder Mazda CX-5 nicht schämen muss.
Renault Scenic
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Renault Scenic

  • Täuschungsoffensive: Innen Großraumlimousine und außen Geländewagen - so will der neue Renault Scénic die Kunden bei der Stange halten und das Schrumpfen des Van-Segments stoppen. Innen lässt der französische Familienfreund mit seiner variablen Sitzlandschaft, den praktischen Schubladen für den Kleinkram oder einer verschiebbaren Mittelkonsole an seiner Bestimmung keinen Zweifel. Doch außen spricht das Design eher den SUV-Fan an: Designchef Laurens van den Acker hat dem Van ein bulliges Gesicht gezeichnet, die Bodenfreiheit um vier Zentimeter angehoben, die Radläufe stark betont und so lange mit den Einkäufern gestritten, bis sie ihm die wuchtigen 20-Zöller als Serienausstattung genehmigten.

Egal ob Preisbrecher oder Platzwunder, Technologieträger, Hingucker oder Täuscher - eines können all die neuen Anti-SUVs nicht bieten: Allradantrieb. Aber die meisten Geländewagen werden von der Kompaktklasse abwärts ohnehin längst als Fronttriebler gekauft.



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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
DieterKühne 03.03.2016
1. SUVs sind gut geeignete Rentnerautos
Seitdem ich mich dem Rentenalter nähere, kann ich SUVs und Mini-Vans mehr abgewinnen. Es wundert sich keiner, wenn man damit gemächlich fährt, man braucht sich beim Ein- und Aussteigen nicht so mühen, man könnte sogar mit Hut fahren. Für meine Bedürfnisse ist die höhere Anhängelast ein echter Vorteil, die bei vielen Mittelklasse-Limousinen so knapp bemessen ist, dass ich meinen Wohnwagen nicht damit ziehen darf. Wenn man nicht rast, spielt die größere Stirnfläche kaum eine Rolle, da sie im Gegensatz zur Geschwindigkeit nicht quadratisch in die Berechnung der Energie eingeht, die ein fahrendes Auto benötigt, um gegen den Luftwiderstand anzukämpfen. Wermutstropfen ist der gegenüber Kombis merkbar höhere Preis, aufgrund der Nachfrage leider auch bei Gebrauchtwagen.
wo_st 03.03.2016
2. Hut oder nicht Hut
Die richtigen SUV sind saugemütlich und vom guten Hersteller sind die sicher wie kleine Panzer. Allein durch die schiere äußere Größe ist man gezwungen etwas weniger dynamisch zu fahren. Der Spritverbrauch dämmt den Gasfuß ebenfalls und daher kommt das "langsamere" fahren. Unabhängig von dem allen bin ich ganz zackig mit dem SUV auf der Straße und das ist nicht zum nachahmen.
garfield 03.03.2016
3.
Zitat von DieterKühneSeitdem ich mich dem Rentenalter nähere, kann ich SUVs und Mini-Vans mehr abgewinnen. Es wundert sich keiner, wenn man damit gemächlich fährt, man braucht sich beim Ein- und Aussteigen nicht so mühen, man könnte sogar mit Hut fahren. Für meine Bedürfnisse ist die höhere Anhängelast ein echter Vorteil, die bei vielen Mittelklasse-Limousinen so knapp bemessen ist, dass ich meinen Wohnwagen nicht damit ziehen darf. Wenn man nicht rast, spielt die größere Stirnfläche kaum eine Rolle, da sie im Gegensatz zur Geschwindigkeit nicht quadratisch in die Berechnung der Energie eingeht, die ein fahrendes Auto benötigt, um gegen den Luftwiderstand anzukämpfen. Wermutstropfen ist der gegenüber Kombis merkbar höhere Preis, aufgrund der Nachfrage leider auch bei Gebrauchtwagen.
So ist es, auch wenn ich dieses Alter noch nicht ganz erreicht habe. Ich habe auch keine Lust mehr, mich in einer Sitzposition kurz über dem Asphalt zu befinden, wo ein daneben stehender 10-Jähriger auf den Fahrer herunter schaut - und vor allem mich dann wieder beim Aussteigen hoch zu quälen. Das würde mich mal interessieren, warum alte Männer im Auto so oft mit Hut fahren. ;-) Auch dies trifft für mich zu. Ich will ein geräumiges und möglichst WEICHES Reisesofa mit angenehmer Sitzposition zum Ein- und Aussteigen, dass ruhig seine "Ecken und Kanten" haben soll. Diese 08/15 rundgelutschten alle gleich aussehenden Windkanalkutschen sind nur noch langweilig. Aber die Kisten müssen ja am liebsten am Boden entlang schleifen mit großzölligen Rädern, die nur noch eine Handbreit Gummi haben, was zusammen mit der oft genug brettharten - Verzeihung - "sportlichen" Federung für ein tolles GoKart-Gefühl sorgt. Nix für mich. Da hilft auch keine geschwungene Sicke im Seitenblech. Auch hinten sollen die Fenster keine Schießscharten sein. Und wenn man nicht ständig solche überdimensionierten Schluckspecht-Motoren einbauen würde (die 100 müssen ja unbedingt in ein paar Sekunden erreicht werden können), fällt auch eine "Schrankwand" mit etwas höherem Schwerpunkt nicht aus der Kurve, in die man sich bei der dann vernünftigen Maximalgeschwindigkeit ohnehin nicht "legen" könnte. Das scheint heutzutage niemand als normales Auto anzubieten, so dass auch ich einen eigentlich unvernünftig großen spritfressenden SUV fahre, der aber wenigstens meinen Wünschen in etwa nahe kommt.
secretsurf 03.03.2016
4. Renault Scenic mit 20Zöllern...
... serienmässig, tja Pech gehabt. Direkt aus der zukünftigen Gebrauchtwagenwunschliste gestrichen. Ich versteh es nicht und werds wohl auch nicht mehr verstehen. Der Scenic II hatte 101PS, einem reellem Verbrauch von 4.2-4.7l mit dem berühmten 1.5er DCI, kam schon vor 12 Jahren auf den Markt, serienmässig auf 215er mit 16" Felgen, herausnehmebar bis zu 7 Sitze usw... Nun baut man die 4te Generation auf 20er Felgen wahrscheinlich noch mit 40er Querschnitt-Reifen und das serienmässig. Wie realitätsfern ist bitte der Ingenieur bzw. das zuständige Management? Gerade in einer Zeit immer schlechter werdender Strassen usw. denkt niemand an Komfort, Haltbarkeit und vorallem Kosten einer solchen Proletenbereifung. Mangelnde Alltagstauglichkeit á la GTI-Treffen am Wörthersee braucht kein vernünftiger Autofahrer - Sagt ein Renault Fan.
ChrisDude 03.03.2016
5. Back to the roots
Ich bin vom SUV wieder zurück zum Kombi und bereue es kein Stück. Agileres Fahrverhalten, weniger Verbrauch und wenn man nicht gerade die Marke aus Ingolstadt fährt und bei der Sonderausstattung auf Sportfahrwerk und 20 Zöller verzichtet dann fährt man auch komfortabel.
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