Wie beeindruckt man in Zukunft die Kumpels vom GTI-Club? Mit einem Porträt der Freundin auf der Reifenflanke. Denn der japanische Reifenhersteller Bridgestone hat ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich Pneus nahezu beliebig gestalten lassen: mit Farben, Grafiken oder sogar Fotos. Im nächsten Jahr soll die neue Drucktechnik einsatzreif sein.
Man denke dabei vor allem ans Ersatzgeschäft, sagt Bridgestone-Sprecher Christian Mathes. "Für Fahrzeugtuning und -individualisierung ergeben sich ganz neue Möglichkeiten."
Wieder einmal also versucht sich ein Reifenhersteller an der Auflösung des Dogmas, dass Autos an den Füßen Schwarz zu tragen haben. Es gilt ja ohnehin erst seit 1926, als den bis dato weißen Gummireifen Ruß beigemischt wurde, um sie geschmeidiger und langlebiger zu machen.
Weil das teuer war, blieben die Reifenflanken zunächst unbehandelt - was den Weißwandreifen hervorbrachte. Später galten unter sportlich ambitionierten Fahrern Reifen mit dünnen roten Zierringen als das Nonplusultra im Radkasten. Wer sich die nicht leisten konnte, kaufte wenigstens weiße Reifenfarbe und pinselte die auf den Reifenflanken hervorgehobenen Markennamen damit an.
Bei bunten Bremsspuren hörte der Spaß dann auf
Irgendwann kamen auch die Reifenhersteller darauf, dass bunte Pneus womöglich ein gutes Geschäft wären. Technisch war das problemlos möglich, denn der Weichmacher Ruß in der Gummimischung war längst durch farbloses Silica ersetzt worden. Theoretisch wären Reifen also in jeder Farbe herstellbar, der dazu nötige Aufwand bei der Herstellung jedoch würde einen 16-, 18, oder 20-Zöller im Lieblingsfarbton der Gattin oder in der Kontrastfarbe zum Autolack immens teuer machen.
Bislang jedenfalls misslangen sämtliche Versuche, farbige Reifen zu etablieren. Nur einmal schien es zu klappen, das war vor etwa zehn Jahren in Kalifornien. Damals bot der französische Hersteller Michelin das Modell Coraldo mit farbigen Streifen auf der Lauffläche an.
Zwei rivalisierende Gangs in South Central Los Angeles montierten die Pneus mit den blauen oder den roten Streifen, ihren jeweiligen Erkennungsfarben, auf die Autos und legten in Dutzenden Straßen quer zu Fahrbahn farbige Bremsspuren hin, um ihre Reviere zu markieren. Der Bürgemeister von Los Angeles forderte daraufhin ein Verbot der bunten Pneus - und so blieb auch dieser Vorstoß eine Episode.
jüp
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