Fehlerhafte Website Bundesamt kriegt Abwrack-Chaos nicht in den Griff

Die Millionengrenze ist längst überschritten: Täglich reservieren Hunderttausende Autobesitzer die Abwrackprämie - doch viele scheitern an dem fehlerhaften Online-Antragsverfahren. Verantwortlich für das Chaos soll ein externer Dienstleister sein, den das zuständige Bundesamt beauftragt hat.


Eschborn/Hamburg - Auch drei Tage nach dem Beginn der Online-Reservierung für die Abwrackprämie strapaziert die beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) dafür eingerichtete Seite die Geduld der Nutzer: Viele Besucher der Adresse www.ump.bafa.de kennen den Text schon auswendig: "Leider konnte Ihre Anfrage zum jetzigen Zeitpunkt nicht bearbeitet werden. Bitte versuchen Sie es in ca. drei Minuten erneut."

Schrottautos: Seit die Abwrackprämie online beantragt werden muss, geht es drunter und drüber
DPA

Schrottautos: Seit die Abwrackprämie online beantragt werden muss, geht es drunter und drüber

Auch jenen, die zum Reservierungsformular vordringen, blühen unangenehme Überraschungen. Weil die Seite viel zu viele Javascript-Abfragen produziert und damit die Serverlast hochtreibt, ist die Absturzgefahr sehr hoch. "Es hat den Anschein, dass da jemand konzeptionelle Fehler gemacht hat", sagt Jakob Stehr, Chef der Webdesign-Agentur Kurvenfrei. "So wie es jetzt programmiert ist, zerschießt es einem schnell die Seite. Das hätte man verhindern können."

Zudem werden die sensiblen Daten der Antragsteller unverschlüsselt übermittelt - und in einigen Fällen gar versehentlich an unbeteiligte Dritte verschickt. Mitunter erhält der Antragsteller überhaupt keine Bestätigung.

Ein Sprecher des Bafa räumte am Donnerstag außerdem ein, es seien möglicherweise Anträge mehrfach an die Behörde übermittelt worden - das erscheint denkbar, weil Personen ihre Informationen mehrfach oder parallel zu ihrem Autohändler eingegeben haben könnten. Wie viele der 1,1 Millionen eingereichten Anträge doppelt (oder gar dreifach) vorliegen, sei unklar. "Das können wir noch nicht abschätzen", sagte der Sprecher SPIEGEL ONLINE.

Importeure jubeln über Absatzzahlen

Einen Großteil des Durcheinanders hat ein externer Dienstleister produziert, den die Bafa mit der Erstellung der Reservierungsseite beauftragt hatte. Angesichts von Datenschutzpannen, Abstürzen und Doubletten stellt sich die Frage, welche IT-Firma für das Debakel verantwortlich ist. Die Bafa weigert sich jedoch beharrlich, den Namen zu nennen.

Auch wenn die genaue Zahl der Anträge derzeit unklar bleibt - sicher ist, dass die Abwrackprämie im März für einen massiven Anstieg bei den deutschen Neuzulassungen gesorgt hat. Der Autoimporteursverband VDIK meldete am Donnerstag, insgesamt seien 401.000 Neuwagen zugelassen worden und damit 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die ausländischen Autohersteller, die stark im Kleinwagensegment vertreten sind, konnten bislang erheblich stärker von der Abwrackprämie profitieren als deutsche. Das größten prozentuale Plus verzeichnete Daihatsu. In absoluten Zahlen liegen hingegen VW, Skoda und Dacia vorne.

Managern bei Mercedes und BMW dürften angesichts dieser Zahlen Tränen in die Augen treten. Sie müssen zusehen, wie der größte Pkw-Boom der jüngeren deutschen Geschichte an ihnen vorbeigeht; nach den jüngsten verfügbaren Informationen der Bafa haben die beiden Premiumhersteller durch die Abwrackprämie nicht einmal 6000 Fahrzeuge zusätzlich verkauft - beide zusammen, wohlgemerkt.

Abwrackprämie auf amerikanisch

Im Ausland hat die deutsche Prämienregelung inzwischen viele Fans, darunter US-Präsident Barack Obama. Der plant ein Programm mit dem schönen Namen "cash for clunkers" (etwa: Bares für Rostlauben). 3000 bis 5000 Dollar sollen US-Bürger danach bekommen, wenn sie ihr Altmetall gegen einen umweltfreundlichen Neuwagen eintauschen.

Ob die Amerikaner ihre Abwrackformulare auf Papier oder im Internet einreichen müssen, ist noch unklar. Die US-Administration hat den Vorteil, zunächst einmal das deutsche Modell studieren zu können. Da kann man lernen, wie man es am besten nicht macht.

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