Feinstaub-Fahrverbote Welches Auto bekommt welche Plakette?

Zahlreiche deutsche Großstädte wollen in Kürze Umweltzonen einrichten, in denen Autos mit älterem Kat und alte Dieselfahrzeuge nicht mehr fahren dürfen. Die Einstufung der Fahrzeuge erfolgt in Kategorien. SPIEGEL ONLINE dokumentiert sie.


Hamburg – Der Schock war groß: Dass viele deutsche Großstädte ab dem 1. März oder kurz darauf sogenannte Umweltzonen planen, stand seit längerem fest. Sie sollen der Bekämpfung von gesundheitsschädlichem Feinstaub aus Autoabgasen dienen. Doch erst Mitte Dezember wurde bekannt, welche Fahrzeuge aus den Zonen verbannt werden sollen: beileibe nicht nur alte Kisten, sondern alle Autos der Schadstoffgruppe 1.

Autoabgase: Dreckschleudern dürfen bald nicht mehr in die Innenstädte
DDP

Autoabgase: Dreckschleudern dürfen bald nicht mehr in die Innenstädte

Über die Fahrverbote entscheidet künftig eine sogenannte Umweltplakette, die je nach Schadstoffgruppe unterschiedliche Farben hat. In welche Gruppe ihr Auto fällt, können Autofahrer den Fahrzeugpapieren entnehmen.

Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 4 und besser fallen laut Angaben der Kraftfahrzeug- Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz- Sachverständiger (KÜS) in die Schadstoffgruppe 4 und erhalten eine grüne Plakette. Autos mit der Schadstoffgruppe 3 - Euro 3 - bekommen eine gelbe Plakette. Wer in die Schadstoffgruppe 2 fällt, kann eine rote Plakette am Auto befestigen. Die Schadstoffgruppe 1 wird nicht gekennzeichnet. Dazu gehören alte Dieselfahrzeuge und Benziner ohne geregelten Katalysator. Die Plakette wird nach Worten der KÜS voraussichtlich zwischen fünf und zehn Euro kosten und ist unter anderem bei Zulassungsstellen oder Prüfstationen erhältlich.

Kein Plakette - Fahrverbot

Die Schadstoffklasse eines Autos ergibt sich aus der Emissionsschlüsselnummer in den Fahrzeugpapieren. Diese Schlüsselnummern finden sich laut der KÜS in älteren Fahrzeugscheinen und Fahrzeugbriefen im Feld zu 1 ("Fahrzeug- und Aufbauart") an der 5. und 6. Stelle. Ab dem 1. Oktober 2005 wurden allerdings andere Fahrzeugpapiere ausgestellt. Dort steht die Emissionsschlüsselnummer in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 im Feld 14.1.

Bei Pkw mit Benzinmotoren erhalten die Schlüsselnummern 14, 16, 18 bis 70 und 71 bis 74 die grüne Feinstaubplakette. Diesel-Pkw bekommen diese Plakette, wenn sie die Nummer 32, 33, 38, 39, 43, 53 bis 70 oder 73 bis 75 haben. Selbstzünder mit der Emissionsschlüsselnummer 25 bis 29, 35, 41 oder 71 erhalten die rote Plakette. Gelb gibt es für Fahrzeuge mit der Nummer 30, 31, 36, 37, 42, 44 bis 52 und 72.

Die Gesellschaft für technische Überwachung hat eine Website eingerichtet, auf der Autofahrer ebenfalls ersehen können, welche Feinstaub-Plakette ihr Fahrzeug bekommt. Auch der ADAC hat eine Übersicht erstellt.

Wer keine Plakette am Auto führt, darf künftig nicht mehr in die Umweltzonen fahren. Ausgenommen von diesen Fahrverboten sind unter anderem Mofas und Motorräder, Arbeitsmaschinen, Kranken- und Arztwagen und Kraftfahrzeuge von Personen, die schwerbehindert sind. Sie haben laut TÜV Hannover in ihrem Schwerbehindertenausweis den Eintrag "aG", "H" oder "Bl".

Wie genau die Umweltzonen in den einzelnen Städten zugeschnitten sein werden, ist allerdings in vielen Fällen noch nicht bekannt. Manche Städte haben die Termine auch verschoben. So bestätigte der Berliner Staatssekretär für Umwelt, Benjamin Hoff (PDS), heute die Einführung einer Umweltzone innerhalb des S-Bahnrings – allerdings erst im Jahr 2008. "Die Bürger der Stadt Berlin haben jetzt ein Jahr Zeit, sich darauf vorzubereiten", sagte Hoff. In den nächsten Monaten sollen Plaketten zu je zehn Euro verkauft werden, die die Autos in die verschiedenen Schadstoffgruppen einteilen.

har/gms/dpa



Forum - Fahrverbote - sinnvoll oder hinderlich?
insgesamt 573 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
yieeha.Happy, 04.01.2007
1.
Ist ihnen etwas darüber bekannt, wie das Einhalten dieser Regelung kontrolliert werden soll, bzw. wie die Strafen für einen Verstoß sind? Sollte es dafür - wie z. B. für geringe Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit - ein Verwarnung, verbunden mit einer Geldstrafe aber ohne Eintrag ins Verkehrszentralregister geben, würden sich wohl viele nicht daran halten. Dies sieht man ja schon daran, dass ein guter Teil der Autofahrersich eben die angesprochenen geringen Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit zur Gewohnheit gemacht hat. "Es passiert ja nicht viel"
Gosch, 04.01.2007
2.
---Zitat von sysop--- Im Frühjahr wollen viele deutsche Städte Fahrverbote für Autos mit hohem Feinstaub-Ausstoß einführen. Ist die Regelung umweltpolitisch und verkehrstechnisch sinnvoll? ---Zitatende--- Umweltpolitisch ja. Verkehrspolitisch nur dann, wenn ein attraktives ÖPNV-Netz existiert (und wie viele deutsche Städte haben das schon?). Sozialpolitisch nein. Betroffen sind doch in erster Linie die Fahrer von alten Stinkern - und abgesehen von ein paar Überzeugungs-Nostalgikern sind das doch wohl im Regelfall Leute mit wenig Kohle!
Azenion, 04.01.2007
3. Ausnahme für Mofas? Ein Witz!
Zweitaktmotoren mit ihren beißenden blauen Abgaswolken sind ja wohl die größten Stinkbomben auf unseren Straßen, dazu unverschämt laut. Ist mir unbegreiflich, warum man die nicht verbietet. Und dann auch noch freie Fahrt in "Umweltzonen"? Unfaßbar!
inmado 04.01.2007
4. Enteignung?
Ich kann es kaum glauben: "Wer keine Plakette am Auto führt, darf künftig nicht mehr in die Umweltzonen fahren". Und was ist mit denen, die in der "Umweltzone" wohnen? Was soll man denn mit einem Auto, mit dem man nicht mehr nach Hause fahren darf? Der Marktwert der betroffenen Fahrtzeuge wird sicher drastisch sinken, so das man hier schon fast von Enteignung reden kann. Die so kurzfriste Einführung einer solchen Regelung ist ein Unding!
knut3000 04.01.2007
5.
Der Begriff "alte Stinker" trifft es aber nur zum Teil. Ich fahre seit vielen Jahren ausschließlich "Ente", also Citroen 2CV (sowohl als armer Student als auch heute), die als Benziner mit einem Verbrauch zwischen 5 und 6 Litern sicher erheblich weniger in Sachen Feinstaub "stinken" als ein soeben zugelassener Diesel-SUV. Mal ganz abgesehen von den ständig zunehmenden Feinstaubmassen, die uns die "Güter gehören auf die Strasse" Lobby zumutet. Und ich denke, dass meine persönliche Pkw-Umweltbilanz besser ausfällt, wenn ich ein solch einfaches und günstiges sowie vergleichsweise sparsames Fahrzeug 20 Jahre und mehr fahre, als wenn ich alle 5 Jahre einen Neuwagen erwerbe, Recycling hin oder her. Für mich ist die neue Verordnung grundsätzlich gut gewollt, aber auch mit einigen Ungereimtheiten sowie einer gewissen persönlichen Unbequemlickeit versehen, welcher ich aber eher gelassen gegenüber stehe. Ich bin mal gespannt, wie sich die Umsetzung der Verordung und die Einführung der Umweltzonen in der Praxis darstellt...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.