Feinstaubplaketten: Ruhrpott wird zur Grünen Zone

Jetzt soll auch Deutschlands größtes Stadtgebiet zur Umweltzone werden: In einem 50 Kilometer langen Korridor zwischen Duisburg und Dortmund sollen Autos ab Oktober 2008 nur noch mit einer Feinstaubplakette fahren dürfen.

Tief im Westen soll bis zum Herbst Deutschlands größte Umweltzone entstehen. Entsprechende Pläne bestätigten am Donnerstag Sprecher der Bezirksregierungen Düsseldorf, Münster und Arnsberg. Die endgültige Entscheidung treffe im Februar das Landesumweltministerium, wie ein Sprecher in Düsseldorf sagte. In dem etwa 50 Kilometer langen und 10 Kilometer breiten, fast durchgehenden Korridor sollen Pkw und Lkw ohne Plakette nur auf Autobahnen und wenigen Bundesstraßen passieren können.

Autobahn A40 bei Essen: Der "Ruhrschleichweg" bleibt vermutlich plakettenfreie Zone.
DPA

Autobahn A40 bei Essen: Der "Ruhrschleichweg" bleibt vermutlich plakettenfreie Zone.

Betroffen sind 13 Städte: Im westlichen Ruhrgebiet sollen etwa zwei Drittel der Fläche von Essen, Mülheim, Oberhausen und Duisburg zur Umweltzone erklärt werden, gab die Bezirksregierung Düsseldorf am Donnerstag bekannt. Ausgenommen bleiben danach die südlichen Stadtbereiche von Essen und Mülheim und der Südosten von Duisburg.

Zum nördlich anschließenden Gebiet der Bezirksregierung Münster hin soll der Übergang fließend sein. Dort seien die südlichen Stadtbezirke von Bottrop, Gladbeck und Gelsenkirchen sowie Teile von Recklinghausen, Herten und Castrop-Rauxel betroffen, erklärte Fachdezernent Johannes Wiedemeier und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Im östlichen Revier sind die Städte Dortmund, Bochum und Herne betroffen.

"Es wird keinen Flickenteppich geben"

Seit dem 1. Januar dürfen die Innenstädte von Köln, Berlin und Hannover nur noch mit Feinstaubplaketten befahren werden. Durch die Umweltzonen soll die Feinstaubbelastung in den Städten verringert werden. Nur Autos, die mit einer kostenpflichtigen Plakette bestückt sind, dürfen noch in die Umweltzonen fahren. Nach einer Übergangsfrist müssen Autofahrer, die diesen Aufkleber nicht vorweisen können, mit einem Bußgeld von 40 Euro und einem Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei rechnen.

Das Ruhrgebiet galt lange als Nachzügler. Die Umweltzonen-Pläne nehmen in Nordrhein-Westfalen nun Form an, sind nach Darstellung der Bezirksregierung Arnsberg allerdings noch nicht komplett. Es sei zum Beispiel noch offen, ob die Umweltzonen von Dortmund und Bochum ineinander übergehen würden. Grundsätzlich würden Umweltzonen dort eingerichtet, wo die Belastung auch hoch sei. "Es wird aber keinen Flickenteppich geben", sagte Sprecher Jörg Linden.

Der Sprecher des NRW-Umweltministeriums, Markus Fliege, nannte die Pläne der Bezirksregierungen "reine Entwürfe auf Arbeitsebene". Sie würden der Ministeriumsspitze vorgelegt. In der zweiten Februarhälfte werde Minister Eckhard Uhlenberg (CDU) voraussichtlich einen koordinierten Plan vorlegen. Zuvor wollen die Bezirksregierungen ihre Pläne der Öffentlichkeit unterbreiten.

Die Umweltzonen sollen im Oktober wirksam werden. Ohne Chance auf eine Plakette sind im wesentlichen Benziner ohne geregelten Katalysator und ältere Dieselfahrzeuge etwa aus den achtziger Jahren. Ausnahmen und Kompromisse sind noch in der Diskussion.

Klagen mit ADAC-Rückendeckung vorerst unwahrscheinlich

Der ADAC würde die seit Jahresbeginn in Berlin, Hannover und Köln geltenden Umweltzonen gerne gerichtlich anfechten. Der Automobilclub selbst werde nicht klagen, unterstütze aber betroffene Mitglieder im Widerspruchsverfahren, erklärte ein Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Da in den bereits bestehenden Umweltzonen derzeit noch keine Strafen fällig werden, fehle jedoch zurzeit noch die Klagegrundlage, sagte der Sprecher. Derzeit bereite man noch keine Musterklagen vor. "Bis da etwas bei uns aufläuft, kann es noch Wochen oder Monate dauern", so der Sprecher.

hil/dpa/ddp

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Forum - Umweltplakette für Autos - was sind Ihre Erfahrungen?
insgesamt 379 Beiträge
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1. Volksverdummung
shep 02.01.2008
Was hier abläuft fällt doch wieder unter die Rubrik "Mal testen, wie sehr wir das Volk für blöd verkaufen können, ohne das es aufmuckt". Ziel soll ja eine Reduzierung der Feinstaubwerte sein, man weiß aber jetzt schon, dass mindest. 95% aller Autos weiter fahren dürfen. Dann wird die Plakette nach Kriterien vergeben, zu deren Ermittlung Feinstaubemissionen überhaupt nicht berücksichtigt wurden, sondern nur andere Emissionen. Und Dieselruß und Feinstaub werden munter in einen Topf geworfen. Und wozu brauche ich dann noch eine ASU Plakette? Besagt diese denn nicht, dass mein Auto die gesetzlichen Vorschriften erfüllt? Wie soll das mit ausländischen Autos funktionieren ? Den Aufschrei hätte ich gerne gehört wenn deutsche Autofahrer eine Plakette kaufen müssen um durch italienische Städte fahren zu dürfen! Und wenn tatsächlich Dieseruß (endlich) als Problem erkannt wird, warum werden dann Diesel PKW durch niedrige Mineralölsteuern noch gefördert? Das ist alles so daneben! Was mich noch brennend interessiert: Gibt es denn Kriterien, anhand derer der Erfolg der Maßnahmen meßbar ist, d.h, wird bei Nichterreichen der Kriterien dieses Gesetz wegen Wirkungslosigkeit wieder gestrichen (oder verschärft ? ). Ich habe davon nichts gehört, das alles wird doch nur gemacht damit die Politiker sagen können, sie hätten ja alles getan ... Volksverdummung eben.
2. Nein. Keine sinnvolle Idee.
Emmi 02.01.2008
Begründung: Als ich mir vor 5 Jahren ein damals modernes Auto kaufte, das wegen der zu erwartenden Fahrleistung ein Diesel werden sollte (inzwischen 200.000 km gefahren) hatte ich gar k(aum) eine Chance, ein weniger umweltschädliches Modell zu wählen, zumal das Thema Feinstaub damals noch nicht in den Medien angekommen war. Da die Nachrüstung mit einem Feinstaubfilter nicht nur teuer, sondern wie die Erfahrungen der letzten Monate zeigen sogar u. U. völlig sinnlos ist, ist es nicht einzusehen, wieso ich jetzt dafür bestraft werden soll, in dem ich bestimmte Stadtzentren nicht mehr befahren können soll, wozu ich ggfs. dienstlich sogar gezwungen sein werde. Oder erwartet man, dass ich mir ein neues Auto kaufe? Das ist aber in der (ökonomischen und ökologischen) Gesamtbilanz (und nicht nur durch die Brille der "Hauptsache unsere Straße ist feinstaubfrei"-Fraktion betrachtet) sicherlich nicht sinnvoll. Dass LKW in Stadtzentren nichts zu suchen haben, kann ich noch nachvollziehen, aber normale Bürger und ihrer Arbeit nachgehende Menschen zu drangsalieren, halte ich für nicht gerechtfertigt.
3.
baerchen50, 02.01.2008
Zitat von sysopDie seit Jahresbeginn geltende Plakettenpflicht für Kraftfahrzeuge in Berlin, Köln und Hannover ist nach wie vor umstritten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Ist die Plakette eine sinnvolle Idee?
Sinnvoll ? Alles dient nur einem Zweck, nämlich das Politiker sagen können "Wir haben etwas getan". Und bei der Einrichtung von Umweltzonen hat man doch glatt vergessen den Wind/das Wetter auszusperren - per Gesetz -. Dem nächsten Ost-/West-/Süd-/Nordwind kann man dann ja ein Knöllchen spendieren und einen Punkt in Flensburg verpassen. 18 Points sind schnell erreicht. Nur, wie entzieht man denen den Führer- äh Windflugschein ?
4. Besser als nichts
fsiggi, 02.01.2008
Als Radfahrer ist die Umweltzone richtig! Gerade alte Transporter, die vor mir an einer Ampel standen, haben mir Gifte und Staubpartikel ins Gesicht geblasen, so dass mir manchmal schlecht wurde. Diese Stinker werden jetzt wenigstens aus der Innenstadt ausgesperrt. Noch besser wäre, die würden gar keine AU-Plakette mehr bekommen. Die Feinstaubrichtlinie der EU stammt aus dem Jahr 1999 und ist seit 2005 bereits in Kraft.
5. Gesundheit ist ein teures Gut - Umweltzonen volkswirtschaftlich sinnvoll
Publizist73 02.01.2008
Im Jahr 2005 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ergebnisse einer Studie zur Feinstaubproblematik veröffentlicht. (http://www.euro.who.int/mediacentre/pr/2005/20050414_1?language=german) Eine Verringerung der Feinstaubbelastung kann durch Partikelfilter erreicht werden, und die Umweltzonen sind ein guter Schritt in die Richtung, die Luft und damit die Lebensqualität in den Städten zu verbessern. Auch volkswirtschaftlich sei eine Feinstaubreduktion sehr sinnvoll, wie die WHO berichtet: "Da eine lang anhaltende Belastung mit Feinstaub besonders gesundheitsschädlich und lebensverkürzend wirkt, muss die Verminderung der langfristigen Feinstaubkonzentration und -belastung Vorrang haben. Das brächte auch wichtige finanzielle Einsparungen mit sich. In der EU liegt der erwartete finanzielle Gewinn einer verminderten Sterblichkeit aufgrund von Feinstaub jährlich zwischen 58 und 161 Mia. €, die Ersparnisse bei den Krankheiten belaufen sich auf 29 Mia. €. Die entsprechenden Zahlen für Deutschland sind 13 bis 34 Mia. € bzw. 6 Mia. € jährlich." Wem die Gesundheit insbesondere von Kindern wichtig ist, der lässt einen wirksamen Partikelfilter einbauen und trägt damit direkt zur Feinstaubminderung und zum Gesundheitsschutz bei.
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