Fendt Vario 1050 Guten Pflug!

Früher waren Traktoren simpelste Arbeitsmaschinen, auf denen die Bauern durchgerüttelt wurden. Heute haben die Landmaschinen 500 PS, Touchscreens und können allein fahren. Eine Spritztour auf dem Acker mit dem Fendt Vario 1050.

Fabian Hoberg

Von Fabian Hoberg


Traktoren: Das sind doch diese lauten und stinkigen Fahrzeuge, auf denen sich eine Fahrt anfühlt wie ein Ritt auf einem Presslufthammer. Fortbewegung im Rohformat. Ja, früher hatten die Dienstwagen der Landwirte weder Lärmschutz, noch Servolenkung oder Federung, obendrein waren sie lahm. Aber diese Zeiten sind vorbei. Der Bauer von heute gleitet in einer vollklimatisierten und schallgedämpften Kabine über den Acker. Und, wenn er will, mit 500 PS. So viel Leistung hat der derzeit stärkste Traktor auf dem Markt: der Fendt Vario 1050.

An die Arbeit damit. Das Gefährt macht optisch schon mal was her: Die Felgen sind rot lackiert, hinten messen sie 46 Zoll und tragen Reifen mit einem Durchmesser von 2,35 Metern. Die Motorhaube ist grün und leicht gewölbt, darunter steckt ein 12,4-Liter-Sechszylinder von MAN mit VTG Turbolader. Rechts neben der Fahrerkabine ragt ein Schlot in die Höhe. Der Fendt wiegt 14 Tonnen - ein Leichtgewicht im Traktorsegment.

Auf Knopfdruck zündet der Sechszylinder, über den Joystick auf der rechten Seite lässt sich die Fahrstufe einlegen. Ob das Ungetüm Krach macht? Von innen schwer zu beurteilen. Hier sitzt man bequem und isoliert in einem auf angenehme 21 Grad temperierten Räumchen und vernimmt nur ein Säuseln von draußen - wenn überhaupt, man könnte ja auch das Soundsystem auf volle Lautstärke drehen. Für eine Stärkung zwischendurch sind warmes Essen und kalte Getränke in einer Box an Bord gelagert.

Ein kurzes Tippen aufs Pedal, und der Fendt sprintet ungestüm nach vorn. Das Getriebe arbeitet stufenlos, der Sitz wippt hoch und runter, mit rund 60 Sachen geht es über die Landstraße auf den Acker. 2400 Newtonmeter Drehmoment bei 1100 Umdrehungen wollen auf die Scholle.

Zieht was weg: Der Fendt Vario 1050 im Einsatz
Fabian Hoberg

Zieht was weg: Der Fendt Vario 1050 im Einsatz

Bisher konnten in der 500-PS-Leistungsklasse nur Baumaschinen oder Kettenfahrzeuge mithalten, die im Vergleich zu einem Trecker größer, schwerer und unhandlich sind. Anders als bei Autos benötigt der Traktor die PS nicht für Überholmanöver, sondern für die effiziente Arbeitsverrichtung. Je mehr Leistung, desto größer kann die Zuglast sein - zum Beispiel für eine breite Scheibenegge, mit der das obere Erdreich des Feldes in wenigen Fahrten gelockert ist. Die Scheibenegge, die an diesem Tag am Fendt hängt, ist zwölf Meter breit.

Satellitengesteuert übers Feld

Das Gerät wird anhand eines Touchscreens justiert. Sie haben richtig gelesen: ein Touchscreen in einem Traktor. Aber das ist noch nicht alles. Was für den einfachen Autofahrer noch Science-Fiction ist, gehört für den Bauer zum Arbeitsalltag - Stichwort autonomes Fahren. Der Fendt dreht auf dem Acker selbstständig seine Runden.

Gegenverkehr und Fußgänger sind auf den privaten Feldern schließlich nicht zu befürchten. Ein spezielles Navigationssystem steuert den Traktor bis auf zwei Zentimeter genau. "Damit fahren Sie automatisch bis an die Grasnarbe. Genauer schaffen Sie das manuell auch nicht", sagt Thomas Steinheber, Ingenieur bei Fendt. Dort, wo keine GSM-Signale auf den Acker treffen, helfen Iridium-Satelliten.

So teuer wie drei Sportwagen

Man ahnt es: Fendt hat den Hightech-Trecker nicht für den kleinen Gemüsebauern, sondern für Großgrundbesitzer mit Ackerflächen ab 600 Hektar entwickelt. Die Zielgruppe sitzt damit vor allem in Polen, Russland und der Ukraine. Aber auch Frankreich und Australien zählen zu den Hauptmärkten. Einmal Fendt Vario 1050 macht drei Mal Porsche 911 - 322.000 Euro kostet die Luxuslandmaschine.

Jedes Exemplar, das die Fendt-Fabrik in Marktoberdorf im Allgäu verlässt, ist eine Einzelanfertigung, sagt Ingenieur Steinheber. Der Verbrauch ist aber jeweils gleich hoch. Er wird nicht auf hundert Kilometer, sondern pro Arbeitsstunde angegeben - mit dem Dieseltank von 800 Litern lässt sich ungefähr ein zehnstündiges Tagwerk verrichten, ohne zwischendurch nachfüllen zu müssen.

Mit der Plackerei von einst ist das Treckerfahren also nichts mehr zu vergleichen. Die schwerste Arbeit übernimmt die Schaltzentrale.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes hieß es, der Fendt ziehe einen Pflug. Das ist falsch. Bei dem Arbeitsgerät, das auf den Bildern zu sehen ist, handelt es sich um eine Scheibenegge. Wir haben den Fehler korrigiert.

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insgesamt 109 Beiträge
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Seite 1
öhi 01.01.2016
1. Gras
Sie haben schon richtig geschrieben. Die Landwirtschaft in diesem Stil hinterlässt Narben
tilolothar 01.01.2016
2. Fachliche Defizite....
Schöner Artikel, der aber verdeutlicht, dass die Breite der Bevölkerung (einschließlich dem hier tätigen Verfasser dieses Artikels) keinerlei Bezug mehr hat zur Landwirtschaft. Bei dem hier zum Einsatz kommenden Bodenbearbeitungsgerät handelt es sich mitnichten um einen Pflug sondern offensichtlich um eine handelsübliche Scheibenegge. Das passiert wenn man mit Bilden aus Werbeprospekten Themen zu bearbeiten versucht, bei denen ein Besuch vor Ort das Niveau deutlich heben würde. Das geht besser....
sidthesloth 01.01.2016
3. GSM oder GPS
frohes Neujahr! Navigation per GSM, soso. Ortung per GSM lass ich mir einleuchten, aber so eng werden die Funkzellen am Feld wohl nicht liegen.
jufo 01.01.2016
4. spannende Technik
Die heutigen Traktoren können wohl durchaus auch komplexere Tätigkeiten wie das versetzen eines Misthaufens eigenständig durchführen. Sie verwenden dafür aber GPS und nicht GSM (spon Leser sind gerne etwas besserwisserisch)
reineralex 01.01.2016
5. Das Ego und seine Größe vs. der gesunde Menschenverstand
Der Autor dieses Artikels hätte auch einen Fahrbericht für einen SUV schreiben können; mit dem gleichen Text. Dieser Traktor ist gleichsam unsinnig, warum und abseits vom Spritverbrauch? Ein solches Ungetüm verdichtet in einer Weise Ackerflächen, die für die Böden schädlich ist. Damit macht man nachhaltig seine Böden kaputt. Das interessiert den Redakteur wenig
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