Ferrari 250 GTO Der 50-Millionen-Dollar-Unfallwagen

Die Autowelt erwartet einen neuen Auktionsrekord. Ein Ferrari 250 GTO von 1962 soll in der Nacht zu Freitag in den USA versteigert werden - für mehr als 50 Millionen Dollar. Was macht den Wagen so wertvoll?

Bonhams

Von Jürgen Pander


Stil, Stille und Abgeschiedenheit sind die wesentlichen Merkmale des Luxus-Golfhotels The Quail im kalifornischen Carmel, südlich von San Francisco. In der Nacht auf Freitag jedoch dürfte das Idyll durch hektisches Gebrüll und Jubelgeschrei gestört werden. Denn im Saal des Hotels wird ein Ferrari 250 GTO den Besitzer wechseln, bei einer Autoversteigerung des Auktionshauses Bonhams. Aller Voraussicht nach wird der Zuschlag erst bei mehr als 50 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 38 Millionen Euro) erfolgen - noch nie zuvor wurde ein derartiger Preis bei einer Autoauktion erzielt.

Bislang liegt der Rekord bei knapp 23 Millionen Euro für einen Mercedes Silberpfeil vom Typ W196. Dieser wurde im vergangenen Jahr versteigert, ebenfalls von Bonhams, allerdings im englischen Goodwood. Es handelte sich um jenes Auto, mit dem der argentinische Rennfahrer Juan Manuel Fangio im Jahr 1954 unter anderem beim Großen Preis von Deutschland siegte und später Formel-1-Weltmeister wurde. Bei einer ähnlich hohen Summe fiel bereits 2010 für einen Bugatti Type 57 Atlantic der Hammer.

Ein Ferrari 250 GTO, der in Sammlerkreisen zu den begehrtesten Autos überhaupt zählt, wurde zuletzt vor mehr als zehn Jahren bei einer Auktion angeboten. Inzwischen sind die Preise für das Modell geradezu explodiert. Ein hellgrüner GTO, der einst dem englischen Rennfahrer Stirling Moss gehörte, erzielte bei einem Privatverkauf 2012 rund 28 Millionen Euro, und erst kürzlich sollen für einen weiteren Ferrari dieses Typs - ebenfalls bei einem Privatgeschäft - knapp 39 Millionen Euro hingeblättert worden sein.

Fünf Gründe sprechen für den Ferrari

Fünf Gründe sind es vor allem, weshalb das Auto, das jetzt in Kalifornien versteigert wird, vermutlich eine noch höhere Summe erzielt:

  • Der Ferrari 250 GTO ist ein sehr seltenes Auto, lediglich 39 Exemplare wurden gebaut, davon jedoch nur 28 mit der klassischen Karosserie und einem 3-Liter-V12-Motor, die unter Puristen als "echte GTO" gelten. Das jetzt zum Verkauf stehende Auto trägt die Chassisnummer 3851 GT und wurde am 11. September 1962 ausgeliefert - als siebzehntes Auto diesen Typs.

  • Dieser Ferrari 250 GTO hat eine außergewöhnliche Historie. Bereits vier Tage nach der Fahrzeugübergabe starteten der französische Rennfahrer Jo Schlesser und sein Co-Pilot Henri Oreiller mit dem 250 GTO zur Tour de France Automobile - sie wurden Zweite. Kurz darauf verunglückte der vormalige Ski-Doppel-Olympiasieger Oreiller auf der Rennstrecke von Monthléry tödlich, der Ferrari wurde schwer beschädigt und in Maranello repariert. In den folgenden beiden Jahren starteten die italienischen Rennfahrer Paolo Colombo (1963) und Ernesto Prinoth (1964) mit dem Auto bei etlichen Berg- und Sportwagenrennen. 1965 schließlich erwarb Fabrizio Violati, der Erbe eines Mineralwasser-Imperiums, den Wagen für 2,5 Millionen Lire (damals etwa 16.000 Mark). Er fuhr ihn bei Rennen und stellte ihn später als Juwel seiner Ferrari-Sammlung "Maranello Rosso Collection" aus, die nun von Bonhams versteigert wird. Kein anderer Ferrari 250 GTO war 49 Jahre lang in der Hand ein und desselben Besitzers.

  • Die Marke Ferrari übt generell eine enorme Anziehungskraft auf sehr reiche Autosammler aus. Die klassischen Fahrzeuge sind allesamt sehr selten, sehr leistungsstark und sehr stilvoll. Dazu kommt die einzigartige Formel-1-Geschichte, der Mythos um Firmengründer Enzo Ferrari und die weltweite Bekanntheit. Unter den teuersten Autos der Welt (siehe Bildergalerie) ist Ferrari mit Abstand die meistvertretene Marke.

  • Klassische Automobile werden als Luxus-Wertanlage immer begehrter. Der Wert im HAGI Top Index, einem Marktbarometer für seltene und teure Oldtimer, hat sich seit seinem Start am 1. Januar 2009 bis heute mehr als verdoppelt. Allerdings gilt, dass teure Autoklassiker nur von ohnehin sehr wohlhabenden Sammlern gekauft werden, denen es wohl eher um Besitzerstolz, Status und Eitelkeit geht, als um die Rendite.

  • Wichtig für ein Rekord-Auktionsergebnis ist auch die Atmosphäre, in der die Versteigerung stattfindet. Da gibt es kaum ein besseres Pflaster als die Halbinsel Monterey während der soeben stattfindenden Monterey Car Week mit dem Concours d'Elegance in Pebble Beach am kommenden Wochenende. Autoenthusiasten aus der ganzen Welt kommen dorthin. Es gehört beinahe schon zum guten Ton dieses PS-Protz-Spektakels, dass bei einer der dort veranstalteten Auktionen auch ein Rekordpreis erzielt wird.

Was über all dem Trubel nicht vergessen werden sollte: Der Ferrari 250 GTO war tatsächlich ein außergewöhnlicher Rennwagen. Mit einem von dem bekannten Ferrari-Konstrukteur Giotto Bizzarrini entwickelten Zwölfzylindermotor und einer von dem Designer Sergio Scaglietti entworfenen, zeitlos eleganten Karosserie. In Deutschland wurde das Auto in den frühen Sechzigerjahren übrigens für 78.750 Mark angeboten, der billigste Käfer kostete damals 4200 Mark.

Aus heutiger Sicht wäre der Ferrari dennoch das bessere Geschäft gewesen.

Mitarbeit: Sören Harder



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
martin2011ac 14.08.2014
1.
bin selber designer bei jb-webs.com und denke das Car design die champions league der designer guilde ist, wobei Ferrarie der champion de chapions ist - wirklich super was die iatliener da machen - aber trotzdem, 50 Mio. finde ich dann doch irgendwie befremdend
tappstapps 14.08.2014
2.
Zitat von sysopBonhamsDie Autowelt erwartet einen neuen Auktions-Rekord. Ein Ferrari 250 GTO von 1962 soll in der Nacht zu Freitag in den USA versteigert werden - für mehr als 50 Millionen Dollar. Was macht den Wagen so wertvoll? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/ferrari-250-gto-neuer-rekordpreis-bei-auktion-in-kalifornien-erwartet-a-986105.html
Einige übliche Korrekturen: Von der "klassischen Karosserie" der Baujahre '62 und '63 ("Serie 1") wurden nach gängiger Zählung 36 Exemplare gebaut. Einige davon wurden später auf das Design der '64er "Serie 2" umkarossiert, daher die heute niedrigere Zahl "originaler" GTOs aus der Serie 1. Bizzarini war kein Motorenbauer und hat das generelle Konzept und Chassis des GTOs anfangs mitentworfen, bis er gefeuert wurde. Der Motor im 250 GTO war ein von Gioacchino Colombo entworfener Tipo 125, wie er zuvor schon im 250 Testa Rossa verbaut wurde.
spon-facebook-10000523851 14.08.2014
3. Obszoen...
wo auch wie bei Kunst, egal wie grausam, die Preise hingehen. Falls erforderlich kann er dann seinen Ferrari fuern' Appel und ein Ei eintauschen. Wenn's um's Leben geht, dann ist der Wagen nahezu wertlos. Gab's ja schon mal; 500 Millionen Reichsmark als Briefporto.
witti 14.08.2014
4. Aber immer noch besser
[wirklich super was die iatliener da - aber trotzdem, 50 Mio. finde ich dann doch irgendwie befremdend] als ein Gemälde von Van Gogh für 100 Mio. Beides sind Kunstwerke, aber da ist mir doch so ein GTO doch wesentlich lieber als ein teures Gemälde an der Wand.
raber 14.08.2014
5. Ferrari-Schönheit in Carmel
Sehe diese jährliche Autoshow wirklich nicht als "PS-Protz-Spektakel". Vielleicht hat der Autor sich nur auf diese Autos konzentriert. Es geht hier viel mehr um Schönheit und Raritäten. Carmel ist als Städtchen auch nicht ganz unattratliv; Clint Eastwood war 2 Jahre dort Bürgermeister. Dieser Ferrari ist einmalig schön, selbst nach 52 Jahren. Wenn es Leute gibt, die genug Kleingeld dafür haben, dann sollen sie es auch kaufen; besser Geld zirkulieren als nur anhäufen. Auf der Strasse wird man dieses Auto wohl nicht antreffen.
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