Autogramm Ferrari California: Hart, aber herrlich

Von Tom Grünweg

Eingefleischte Ferrari-Fans konnten mit dem California bislang nicht so viel anfangen. Leistung hatte das Luxuscabrio genug, das Design stimmte auch - aber irgendwie war der Wagen zu weichgespült. Die neue Auflage soll sie nun überzeugen.

Ferrari California: Stürmische Sonnenbank Fotos
Ferrari

DER ERSTE EINDRUCK: Ja, was denn nun? Ist der Ferrari California jetzt ein Sportwagen oder ein Luxuscabrio? Der Tacho reicht bis 340 km/h, unter der Haube steckt ein V8-Motor mit 490 PS und auf dem Lenkrad sitzt das Manettino, jenes Alu-Schalterchen, das aus der Formel 1 stammt und den Charakter von Fahrwerk, Lenkung und Stabilitätssystem verändert. Dem gegenüber stehen federweiche Sitzpolster, Lack und Leder beim Interieur und auf Knopfdruck verzieht sich das Hardtop in den Kofferraum.

Die Frage Sport oder Luxus beantwortet das Anlassen des Motors. Kaum berührt der Fuß das Gaspedal, wird es stürmisch auf der Sonnenbank. Der Wagen schießt mit einer Vehemenz voran, die man so einer Luxusyacht kaum zugetraut hätte.

DAS SAGT DER HERSTELLER: Ferrari sieht den California als komfortable und alltagstaugliche Alternative zum 458 Italia und feiert ihn als Eroberer. 70 Prozent der nicht näher quantifizierten Kunden seien neu bei der Marke. Und während jeder andere Ferrari nur ein Auto für gewisse Stunden sei, werde der California immerhin von jedem fünften Besitzer täglich genutzt. Bei den anderen Modellen gilt das nur für jeden zehnten.

Doch es gab auch Kritik an der stürmischen Sonnenbank. Deshalb reagieren die Italiener mit dem sogenannten Handling-Speciale-Paket auf den Wunsch nach mehr Härte. Damit werden die elektrisch verstellbaren Stoßdämpfer auf Trab gebracht und agieren jetzt 50 Prozent schneller. Das reduziert Karosseriebewegungen in flotten Kurven. Und auch die Lenkung spurt deutlich direkter.

DAS IST UNS AUFGEFALLEN: Dass man dieses Auto, wenn das Handling-Paket geordert wurde, jetzt tatsächlich so sportlich fahren kann, wie man es von einem Ferrari erwartet. Lag der Wagen zuvor auf einem Niveau mit Komfortsportwagen wie Mercedes SL 63 AMG oder BMW M6 Cabrio, haben die Italiener nun wieder den kleinen Unterschied herausgearbeitet.

Dass der Wagen bei der Modellpflege um 30 PS zulegte und um 30 Kilo abspeckte, nimmt man wohlwollend zur Kenntnis. Aber herausfahren konnten zumindest wir den Unterschied nicht. Denn stark genug war der Motor schon vorher, und ein bisschen zu schwer ist der Wagen mit jetzt 1735 Kilo eigentlich immer noch.

Was den California von einem 458 Spider unterscheidet (Frontmotor versus Heckmotor mal ausgenommen), sind weniger die beiden Notsitze im Fond, auch nicht so sehr die 80 PS Mehrleistung; sondern es ist die Gelassenheit, mit der sich der California genauso gut bewegen und gemütlich über Uferstraßen oder Prachtboulevards führen lässt. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis ist die Versuchung, es mit diesem Auto so richtig krachen zu lassen, schon recht groß.

DAS MUSS MAN WISSEN: Für Ferrari-Verhältnisse ist die Preispolitik fast schon kulant. Für die Modellpflege schlagen die Italiener rund 4000 Euro auf und verkaufen den California jetzt ab 180.600 Euro. Das Handling-Speciale-Paket allerdings ist da noch nicht inklusive - es kostet 5355 Euro, und das ist Beutelschneiderei. Zwar trifft es wohl keine Armen, doch das bisschen neue Software hätten die Italiener auch kostenlos einspielen können.

DAS WERDEN WIR NICHT VERGESSEN: Die Aufmerksamkeit, die man mit diesem Auto erregt. Egal ob zu Hause, wo die Nachbarn über den Krawall beim Anlassen fluchen, während sich die Kinder die Nasen am Fenster platt drücken; an der Tankstelle, wo man sofort in Gespräche verwickelt wird; im Stau, wo permanent jemand die Handy-Kamera zückt; auf der Autobahn, wo selbst Porsche und Co. bereitwillig die linke Spur räumen, wenn das Cavallino rampante in den Rückspiegel springt.

Wer gerne im Mittelpunkt steht, ist in diesem Auto gut aufgehoben. Für Leisetreter, heimliche Liebhaber, Frühaufsteher und Spätheimkehrer ist der California allerdings die falsche Wahl.

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insgesamt 40 Beiträge
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1. nicht mehr zeitgemäß
josian 07.06.2012
Solche Dreckschleudern werden dereinst im Museum stehen, um kommenden Generationen vor Augen zu führen, an welcher Geisteskrankheit der Mensch zu Beginn des 21.ten Jahrhunderts litten.
2. echter Sportwagen
DerBlicker 07.06.2012
Ein Cabrio mit 4 Sitzen, das in 3,8 s auf 100 beschleunigt, da sieht der BMW M6 trotz 560 PS aber mit seinen 4,3 s ziemlich alt aus. BMW sollte halt mal aufhören Panzer zu bauen
3. die einzige...
galahad610 07.06.2012
Zitat von josianSolche Dreckschleudern werden dereinst im Museum stehen, um kommenden Generationen vor Augen zu führen, an welcher Geisteskrankheit der Mensch zu Beginn des 21.ten Jahrhunderts litten.
geisteskrankheit kommt wohl von solchen neidhammeln wie ihnen,die mit schwarzer seele und hochrotem kopf die menschheit verdammen statt sich an etwas schönem-das es ohnehin nur in homöopathischer dosierung gibt-zu erfreuen. btw:was fahren sie eigentlich?toyota prius vollhybrid?wehe wenn nicht!!!!...:-)
4. Respekt
cor 07.06.2012
Zitat von josianSolche Dreckschleudern werden dereinst im Museum stehen, um kommenden Generationen vor Augen zu führen, an welcher Geisteskrankheit der Mensch zu Beginn des 21.ten Jahrhunderts litten.
Gleich der erste Beitrag kommt von einem Öko, der nicht schnallt, dass die Stückzahl dieses Autos so klein ist, dass Sie es höchstwahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen werden. Meine Güte, ich bin auch der Meinung, dass wir auf unseren Planeten aufpassen müssen und dass wir am Spritverbrauch und an alternativen Antrieben arbeiten müssen. Aber diese Radikal-Show, die Leute wie Sie hier abziehen, ist einfach lachhaft und bringt rein gar nichts.
5. Ins gleiche Museum
kuschl 07.06.2012
Zitat von josianSolche Dreckschleudern werden dereinst im Museum stehen, um kommenden Generationen vor Augen zu führen, an welcher Geisteskrankheit der Mensch zu Beginn des 21.ten Jahrhunderts litten.
Und wenn dieses Museum auch noch eine Ecke für verkniffene Fahrradklammerträger hat, stehen Sie dort bestimmt auch irgendwann. Auch wenn ich so ein Auto aus Vernunftsgründen sicher nicht fahren möchte, freue ich mich doch an der Designlinie und der Ingenieursleistung,die dahinter steckt. Die Kreativen und die Techniker werden nämlich die Welt retten müssen, die bauen eben auch manchmal solche Autos.
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Fotostrecke
Ferrari-Historie: Für immer rot

Fahrzeugschein
Hersteller: Ferrari
Typ: California (2012)
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V8-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 4.297 ccm
Leistung: 490 PS (360 kW)
Drehmoment: 505 Nm
Von 0 auf 100: 3,8 s
Höchstgeschw.: 312 km/h
Verbrauch (ECE): 13,1 Liter
CO2-Ausstoß: 299 g/km
Kofferraum: 340 Liter
umgebaut: 240 Liter
Gewicht: 1.735 kg
Maße: 4562 / 1909 / 1322
Preis: 180.600 EUR


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