Fiat-Forschungsauto Phylla Radikal anders

Asymmetrisches Design, Elektromotor, Kompost-Karosserie - das italienische Forschungsauto Phylla ist ein Kleinwagen mit radikalem Ökoansatz. 1,2 Millionen Euro steckte die Landesregierung des Piemont in das Projekt. Ab 2010, so der Plan, könnte das Auto in Serie gehen.


Wenn es stimmt, was die Projektverantwortlichen da ausgerechnet haben, gehört dem Phylla die Zukunft. Der Kleinwagen mit Elektroantrieb soll "zehnmal günstiger sein als ein vergleichbares Auto mit Benzinmotor", sagt Fiat-Entwicklungschef Nervio Di Gusto. Das Forschungszentrum des Turiner Automobilherstellers koordinierte das Projekt Phylla, an dem unter anderem das Polytechnikum und die Handelskammer Turin, das Europäische Design-Institut, der Biokunststoffproduzent Novamont sowie die Landesregierung des Piemont beteiligt waren. Letztere finanzierte die Entwicklungsarbeit mit rund 1,2 Millionen Euro.

Herausgekommen ist ein 2,99 Meter kurzes und 750 Kilogramm schweres Wägelchen mit vier Sitzen, das leiser, sauberer, sparsamer und vielseitiger sein soll als alle bisherigen Kleinwagen. Und darüber hinaus wurde der Phylla - das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Blatt - so konzipiert, dass er komplett recyclebar ist. Die Karosserie über dem Aluminium-Rahmen beispielsweise könnte auf dem Kompost entsorgt werden - der Kunststoff, aus dem sie besteht, ist nämlich biologisch abbaubar.

Der "multi-ökologische Stadtwagen", wie seine Erfinder das Fahrzeug nennen, ist derzeit noch ein mobiles Labor. Das heißt, dass die Antriebstechnik noch keineswegs ausgemacht ist. Fest steht nur: der Phylla soll emissionsfrei fahren. Das bedeutet, dass ein Elektromotor den Wagen in Schwung bringt. Die Energie liefern nach bisheriger Planung entweder Lithium-Ionen-Batterien (Reichweite: 145 Kilometer) oder Lithium-Polymer-Batterien (Reichweite: 220 Kilometer). Es könnte aber auch ein Wasserstoffmotor oder eine kleine Brennstoffzelle zur Stromerzeugung installiert werden.

Auf jeden Fall erhält der Phylla Photovoltaikzellen, mit deren Hilfe Sonnenenergie in Strom umgewandelt wird, der wiederum in den Batteriespeicher fließt. Im Schnitt, so die Entwickler, reiche der pro Tag photovoltaisch gewonnene Strom für eine Strecke von 12 bis 18 Kilometern. Pendler, die nur ein paar Kilometer zur Arbeit und wieder zurückfahren, könnten das Auto also völlig ohne Spritkosten bewegen.

Der Aufbau kann ganz nach Wunsch gestaltet werden

Fahrerisch hält der Phylla übrigens locker mit herkömmlichen Kleinwagen dieser Klasse mit. Als Sprintwert von 0 auf Tempo 50 gibt das Entwicklerkonsortium sechs Sekunden an, als Höchstgeschwindigkeit einen Wert von 130 km/h. Beeindruckender als diese Daten ist jedoch die Variabilität des Konzepts. Aufgrund der besonderen Architektur des Autos, die Fahrgastzelle und Fahrgestell als getrennte Einheiten definiert, lässt sich das Auto ohne großen Aufwand wahlweise als viersitziger Pkw, als Pick-up, Minilieferwagen oder Behindertenfahrzeug produzieren.

Nach bisherigem Stand soll der Phylla in einer Erprobungsphase zunächst auf dem Turiner Flughafen Casalle eingesetzt werden. Falls die Praxistests erfolgreich verlaufen, könnte eine Serienproduktion bereits im Jahr 2010 beginnen. Aufgrund des modularen Aufbaus des Wagens und den "Einsatz von Fertigungstechniken, die flexibel an die Stückzahlen angepasst werden können", wie es in einer Mitteilung heißt, dürfte der Phylla nicht nur ein besonders ökologisches, sondern auch ein vergleichsweise billiges Fahrzeug werden. Eine Kombination, die in Verbindung mit dem frischen Design Erfolg verspricht.

jüp



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