Fiat Multijet-Diesel Italiener machen Druck

Fiat gilt als Pionier moderner Dieseltechnik. 1987 wurde im Fiat Croma 1.9 Tdid der weltweit erste Pkw-Diesel-Direkteinspritzer vorgestellt. Was weniger bekannt ist: Auch die Erfindung der Common-Rail-Dieseltechnik, die heute von Audi bis Volvo verwendet wird, darf sich Fiat auf die Fahnen schreiben.

Von Frank Wald


Punto Multijet: Fiat erfand die Common-Rail-Dieseltechnik

Punto Multijet: Fiat erfand die Common-Rail-Dieseltechnik

Schon 1990 begannen die Italiener mit der Entwicklung der innovativen Einspritztechnik, bei der alle Zylinder über eine gemeinsame Leitung (common rail), in der ein konstant hoher Druck (1350 bar) herrscht, und mittels elektrohydraulischer Injektoren mit Kraftstoff versorgt werden. So kann der Einspritzdruck unabhängig von der Motordrehzahl von einem zentralen Rechner variiert und die Spritmenge feiner zerstäubt und außerdem in Vor- und Haupteinspritzung aufgeteilt werden. Vorteile gegenüber bisheriger Turbodiesel: bessere und weichere Verbrennung, leiser und sparsamer Motorlauf und damit weniger Abgase sowie höheres Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen.

Allerdings haben die Italiener den Fauxpas begangen, ihr Patent 1993 an Bosch zu verkaufen, die diese Technik dann zusammen mit Mercedes-Benz zur Serienreife führten. Darüber ärgern sie sich heute natürlich, "wenn auch nicht öffentlich", wie Fiat-Sprecher Claus Witzeck zugibt.

1.3 JTD 16v Multijet (2003): Auf die Piloteinspritzung folgen zwei Haupteinspritzungen

1.3 JTD 16v Multijet (2003): Auf die Piloteinspritzung folgen zwei Haupteinspritzungen

Immerhin konnten der Fiat-Konzern 1997 mit dem Alfa 156 1.9 JTD das weltweit erste Auto mit Common-Rail-Turbodiesel präsentieren. Damals noch als so genannter Unijet, also mit einmaliger Pilot- und Haupteinspritzung, die jetzt schrittweise durch die Mehrphaseneinspritzung abgelöst wird. "Multijet" nennt Fiat diese Technik, bei der pro Verbrennungsvorgang auf die Piloteinspritzung zwei Haupteinspritzungen folgen. Ist der Motor noch kalt, sind es sogar zwei Voreinspritzungen, um optimale Druck- und Temperaturverhältnisse in den Brennkammern herzustellen. Das ermöglicht eine bessere Verbrennung, noch mehr Leistung und Laufruhe des Motors und weiter reduzierte Verbräuche und Emissionen. Premiere feierte dieses Common-Rail-System im Herbst 2002 im Alfa 156 1.9 16V (140 PS / 103 kW) und ist inzwischen auch als 1.9 Multijet 8V (100 PS / 76 kW) für Fiat Punto und Idea sowie als Fünfzylinder 2.4 Multijet 20V (175 PS /129 kW) für Alfa 156, 166 und Lancia Thesis zu haben.

Jetzt baut Fiat diese Palette mit dem 1.3 Multijet 16V weiter aus. Der nach eigenen Angaben "weltweit kleinste Common-Rail-Motor" ist nur 65 Zentimeter hoch und einen halben Meter breit und wiegt gerade 130 Kilogramm. Die Entwicklung des kleinen Vierzylinders hat Fiat GM-Powertrain, das Joint Venture zwischen Fiat und General Motors, 400 Millionen Euro gekostet und wird ab sofort im Panda eingesetzt.

Fiat Panda Multijet: So sanft wie ein Kätzchen

Fiat Panda Multijet: So sanft wie ein Kätzchen

Das Geld ist gut investiert, wie wir auf unserer ersten Ausfahrt feststellen konnten. Das Aggregat schnurrt so sanft wie ein Kätzchen. Aber er ist nicht nur auffallend leise, sondern mit seinem maximalen Drehmoment von 180 Newtonmetern auch kräftig genug, den Panda ebenso flott durch den Stadtverkehr wie über die Autobahn zu scheuchen. In seinem 1248 Kubikmeter großen Hubraum entwickelt er 70 PS (51 kW), die das "Auto des Jahres 2004" in 13 Sekunden auf 100 km/h und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h treiben. Und im Schnitt soll er sich laut Fiat mit 4,3 Liter Diesel begnügen und die Abgasnorm EU4 erfüllen.

Gebaut wird der kleine High-Tech-Diesel im Fiat-GM-Motorenwerk in Bielsko-Biala in Polen, wo auch schon die größeren Multijet-Diesel montiert werden. Im Panda kostet er in der günstigsten Version 11.390 Euro mit der Ausstattungslinie Dynamic. In der Topausführung Emotion sind es 13.550 Euro. Später soll er auch in Fiat Idea, Punto und Doblo sowie Lancia Ypsilon zu haben sein.



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