Autogramm Fiat Panda 4x4: Ein Zwerg für den Berg

Von Tom Grünweg

Fiat Panda 4x4: Ein Auto zum Steilgehen Fotos
Fiat

Wer abseits asphaltierter Straßen weiterkommen will, braucht dafür keinen Monster-Jeep. Der neue Fiat Panda 4x4 wuselt sich fast überall durch. Er ist klein, wendig und sparsam. Mit diesen Attributen punktet er auch da, wo die meisten Offroader tatsächlich gefahren werden - in der Stadt.

Der erste Eindruck: Hat mal jemand eine grüne Jacke und ein Paar schwere Stiefel? Das würde gut zu dem Auto passen. Gut ein Jahr nach der Premiere ist aus dem Fiat Panda ein Mini-Geländewagen geworden - mit Maxi-Aktionsradius, denn der Knirps hat es faustdick hinter der auffälligen Kunststoff-Beplankung.

Das sagt der Hersteller: Fiat nennt den Panda ein Schweizer Messer auf Rädern, weil er für nahezu jede Aufgabe eine funktionierende Lösung hat. Das gilt umso mehr für die neue Variante mit Allradantrieb. Fiat setzt damit eine Tradition fort, die vor 30 Jahren begann. Seither haben die Italiener knapp eine halbe Million Panda-Modelle mit Vierradantrieb verkauft - an toskanische Weinbauern, sizilianische Olivenpflanzer, piemontesische Trüffelsucher oder südtiroler Bergbauern. Und: Kein anderer Hersteller bietet einen so kleinen Offroader an.

Das ist uns aufgefallen: Wie wenig Auto es für einen überraschend guten Geländewagen braucht. Der Vierzylinder orgelt nahe am Drehzahlbegrenzer, die kleinen M+S-Reifen beißen sich in den Matsch und tragen den Winzling unbeirrt über Stock und Stein - jeder VW Tiguan würde hier Probleme bekommen. Ausgefahrene Hohlwege, knietiefe Wassergräben, kleinere Felsbrocken, Baumstämme, Spurrillen oder Bodenwellen: Der Panda 4x4 kennt offenbar überhaupt keine Hindernisse.

Dass dieses Auto weder eine aufwendig gesteuerte Luftfederung hat, noch irgendwelche speziellen elektronischen Offroad-Hilfen, ist durchaus kein Mangel. Hannibal hatte bei seinem Marsch über die Alpen noch nicht einmal einen Kompass - und ist auch angekommen.

Und was dem Panda an PS-Potenz fehlt, macht er durch sein handliches Format mehr als wett. Man muss nicht lange rangieren und kommt auch ohne millimetergenaues Manövrieren durch Engstellen. Wenn es mal arg wird, reicht es, einen Gang zurückzuschalten, wieder Gas zu geben und den Rest der Durchwurstelqualität des Autos zu überlassen - irgendeine Lücke findet man mit dem Panda 4x4 eigentlich immer.

So schmal, leicht und wendig wie der Panda ist schließlich kein anderer Geländewagen. Und das, was in unwegsamem Gelände hilft, trägt auch dazu bei, in engen Altstädten oder überfüllten, zugeparkten Wohngegenden zurechtzukommen und noch ein Stelllplätzchen zu ergattern.

Das muss man wissen: Den Panda 4x4 gibt es ab Ende Oktober als Twinair mit einem 85 PS starken Zweizylindermotor für 16.390 Euro oder mit einem 75 PS starken Dieselantrieb für 17.290 Euro. Damit ist er rund 3500 Euro teurer als der frontgetriebene Panda, was Fiat neben der Allradtechnik auch mit einer etwas bunteren Ausstattung rechtfertigt. Das Cockpit ist zweifarbig in schwarz und waidmannsgrün gehalten, die Sitze sind bunt gemustert, und es gibt mehrere Zierkonsolen mit Bio-Lederüberzug.

Wer den Offroad-Look mag, aber auf den Allradantrieb verzichten kann, bekommt den Panda auch in der Version Trekking. Dieser Wagen hat für mehr Traktion auf schmierigen Straßen lediglich ein elektronisches Sperrdifferential für den Frontantrieb. Der Panda Trekking kostet rund 1500 Euro mehr als der normale Kleinwagen - was zugleich bedeutet, dass er 2000 Euro billiger als die 4x4-Modelle ist.

Zum Preis von 16.890 Euro gibt es den Trekking-Typ auch noch in einer dritten, völlig neuen Antriebsvariante namens Natural Power. Dann läuft der 0,9 Liter große und 80 PS starke Zweizylinder-Turbomotor wahlweise mit Erdgas oder Benzin und kommt im Erdgas-Betrieb auf einen CO2-Ausstoß von 86 g/km. Sind die zwei Gastanks nach etwa 300 Kilometern leer, schaltet der Antrieb automatisch auf Benzinbetrieb um (Tankvolumen 35 Liter); so steigt die Gesamtreichweite auf 900 Kilometer. Natürlich gibt es den Panda Natural Power auch ohne Outdoor-Schnickschnack, dann kostet er 15.390 Euro.

Das werden wir nicht vergessen: Den Schrecken beim Anblick der 57-Prozent-Steigung auf dem Geländeparcours, den Fiat für diese Testfahrt ausgesucht hat. Sehr steile Pass-Straßen haben 15, höchstens 17 Prozent Steigung - diese aber ist dreimal so heftig. Unten fühlt es sich an, als führe man auf die Eiger-Nordwand zu, in der Mitte wähnt man sich schon in der Unfallklinik und ein paar Sekunden später ist man froh und verschwitzt, wenn der Panda oben über die Kuppe kippt. Aber am Ende ist man vor allem erstaunt - den so etwas traut man diesem kleinen Autochen gar nicht zu.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. ist der allradantrieb immer noch von...
spargel_tarzan 01.11.2012
Zitat von sysopWer abseits asphaltierter Straßen weiter kommen will, braucht dafür keinen Monster-Jeep. Der neue Fiat Panda 4x4 wuselt sich fast überall durch. Er ist klein, wendig und sparsam. Mit diesen Attributen punktet er auch da, wo die meisten Offroader tatsächlich gefahren werde - in der Stadt. Fiat Panda 4x4: Die Neuauflage des Mini-Allradlers fährt vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/fiat-panda-4x4-die-neuauflage-des-mini-allradlers-faehrt-vor-a-862746.html)
steyr-puch? die haben ja schon vw und mercedes damit ausgestattet und natürlich auch die alte pandakiste. ist aber auch verständlich, denn schließlich sind die kletterkünste des haflingers aus dem hause puch legendär.
2. Hätte ich bei Fiat was zu sagen
cor 01.11.2012
...dann würde ich die Designer rauswerfen und die Innenraumdesigner erschiessen.
3. Kleiner 4x4
axelkli 01.11.2012
Es gibt schon noch andere kleine geländegängige Fahrzeuge wie den Daihatsu Terios, Suzuki Jimny oder für die ganz harten den Lada Niva. Sie sind jedoch alle nicht mit einem Diesel zu bekommen und erfordern stärkere Kompromisse bei Platzangebot (Jimny) und Qualität (Niva).
4. Ach ja?
huettenfreak 01.11.2012
Zitat von cor...dann würde ich die Designer rauswerfen und die Innenraumdesigner erschiessen.
Warum das denn? Nur weil auch ein Kleinwagen peppig und modern aussehen kann? Na Gott sei Dank haben Sie bei Fiat nichts zu sagen! Ein schöner und preiswerter kleiner Allradler, da sollte sich der VEB Volkswagen mal eine dicke Scheibe abschneiden.
5.
cor 01.11.2012
Zitat von huettenfreakWarum das denn? Nur weil auch ein Kleinwagen peppig und modern aussehen kann?
Geschmacksache. Aber das hier nenne ich jedenfalls nicht "peppig und modern". Ich behaupte, dass man selbst mit einfachen Mitteln und viel Plastik innen und aussen ein ordentliches Design hinbekommen kann. Das hier ist der absolute Design-Horror. Finde ich auch. Nachher gehe ich noch in den Knast deswegen.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Fiat
Typ: Panda 4x4
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Hubraum: 1.248 ccm
Leistung: 75 PS (55 kW)
Drehmoment: 190 Nm
Von 0 auf 100: 14,5 s
Höchstgeschw.: 159 km/h
Verbrauch (ECE): 4,7 Liter
CO2-Ausstoß: 125 g/km
Kofferraum: 225 Liter
Gewicht: 1.115 kg
Maße: 3686 / 1672 / 1605
Preis: 17.290 EUR


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