Fiat Panda Die smarte Kiste

Der kantige Ur-Panda war spartanisch wie kaum ein anderes Auto in den Achtzigern und regte mit seinem einfachen Blechkleid und der sparsamen Motorisierung zu zahlreichen Witzeleien und Werbescharmützeln an. Gerade das brachte ihm jedoch den Kultstatus ein.


Turin - Das Muster war immer ähnlich: Oben gab es eine weiße Fläche, auf der in schwarzer Schrift mehr oder minder lustige Sätze standen. Zum Beispiel: "Eines Tages stand vor seinem Haus ein kantiges Ding. Kein Chrom, keine Zierleiste, kein Plüsch". Ein Stückchen weiter unten blickte der Betrachter auf ein farbiges Foto, das eben dieses Ding in der entsprechenden Situation zeigte. Zwischen dem Text und dem Bild aber fanden sich standardmäßig in kleinerer Schrift jene Worte, die berühmt wurden: "Fiat Panda. Die tolle Kiste". Diese Zeitungsanzeigen kannte in den achtziger Jahren wohl jeder - und das Auto selbst ist heute auf dem Weg zum Klassiker.

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Fiat Panda: Das Urmodell und seine Nachfolger

Zum ersten Mal zu sehen war der Kleinwagen aus Italien auf dem Genfer Automobilsalon 1980. Die Panda-Idee samt der so typischen Grundform wird dagegen nun schon 30 Jahre alt. Denn bereits im August 1976 soll beim Designer Giugiaro die erste Skizze zu Papier gebracht worden sein - und die entsprach in vielen Zügen schon dem späteren Endprodukt. Anfangs war der Kleinwagen als Ersatz für den winzigen Fiat 126 gedacht, der dann schließlich doch noch weiter gebaut wurde.

Dass der Panda später über die Werbung zur "tollen Kiste" wurde, erscheint auf den ersten Blick wie eine aus der Verzweiflung geborene Idee der Texter. Denn wer das kantige kleine Ding nur oberflächig betrachtete, nahm beim besten Willen nicht vieles wahr, mit dem man den Panda anpreisen konnte: Das Auto erschien durch und durch spartanisch. Doch bei genauerem Hinsehen zeigte sich, wie viele Ideen in dem Nichts steckten und wie viel Mühe man sich gegeben hatte, die Pflicht zum Sparen mit pfiffigen Details zu vereinen.

Armatur im Kunststoffklotz

Wer in das Auto stieg, sah zunächst einmal kaum gepolsterte Verkleidungen, dafür aber viel Blech in Wagenfarbe. Die Sitze waren keine aufwendigen Möbel im Stil bekannter Limousinen. Vielmehr hatte man ein paar Rohre so geformt, dass sich darüber eine dünne Lage leicht gepolsterten Stoffes ziehen ließ. Doch nicht umsonst wurde gerade die Sitzkonstruktion immer wieder hervorgehoben. Die war so durchdacht, dass sich mit aushängbarer Rückbank und flach gelegten Sitzlehnen eine komplette Liegefläche erstellen ließ.

Auch beim Zubehör war Sparsamkeit mit Ideen gewürzt worden. Zunächst einmal gab es kein Armaturenbrett, wie der durchschnittliche Autofahrer es kannte. Instrumente und Schalter fanden hinter dem Lenkrad in einem rechteckigen Kunststoffklotz Platz. Darunter gab es über die gesamte Breite von links nach rechts eine Art Stofftasche, in der Kleinteile Platz fanden. Zudem war dieser Bereich ein Zentrum praktischer Details - etwa der Aschenbecher: Der bestand aus Plastik und wurde einfach über jene Traverse gestülpt, an der die Stofftasche hing. Somit konnte er über die Fahrzeugbreite verschoben werden.

Auch das Thema Radioeinbau bekam im Panda neue Züge: Als Zubehör konnte ein weiterer Kunststoffkasten gekauft werden, in den das Radio eingesetzt wurde. Zusammen wurde beides in der Stofftasche vor Fahrer und Beifahrer verstaut. Das gleiche galt für die Lautsprecher, die links und rechts in die Tasche gestopft wurden. Draußen wurde an der Scharnierabdeckung der Fahrertür ein Plastikteil aufgeschoben, das fortan die Antenne trug.

"Wir befördern auch sperriges Gepäck"

Alles in allem war der Panda also ein recht karges Auto, das - wohl auch zur Überraschung mancher Firmen-Manager - nicht nur die typische Klientel von Billig-Autos ansprach. Schnell nämlich wurde der kantige Kleine zu einer Art Kultobjekt. Er wartete also nicht nur auf den Parkplätzen von Berufsschulen oder Universitäten auf seine Lenker, sondern stand vielmehr auch vor Architektenbüros oder Arztpraxen - und zwar als Fortbewegungsmittel der Chefs.

Gerade in Deutschland dürfte die preisgekrönte Werbung einigen Anteil daran gehabt haben. Die nahm nämlich immer wieder die Einfachheit des Panda auf die Schippe. Gleichzeitig wies sie gezielt darauf hin, dass mehr Auto eigentlich kaum nötig ist. Gleich mehrfach waren auf den Fotos der Anzeigen Benzin fressende Straßenkreuzer neben dem so sparsamen Panda zu sehen. Außerdem gab es Bilder riesiger Limousinen, deren Besitzer zur Kettensäge griffen, um ihr Gefährt Parkplatz-tauglich zu machen.

Sogar kleine Scharmützel lieferten sich die Werbetreibenden - und steigerten damit nicht zuletzt auch die Bekanntheit des Panda. So schaltete die Bundesbahn einst Anzeigen, auf denen eine Schnellzuglokomotive zu sehen war, ergänzt von dem Satz "Na endlich, der Zweitwagen, den man sich leisten kann". Kurz darauf erschienen die Fiat-Anzeigen. Zu sehen: Eben jene Lok im Stadtverkehr, hinter einem Panda, dazu der Satz "Liebe Bundesbahndirektion! Ich habe Ihr Fahrzeug eine Woche Probe gefahren. Ein Fiat Panda als Zweitwagen ist mir ehrlich gesagt lieber". Das wiederum ließ den Bahn-Werbern keine Ruhe. Sie konterten mit dem Motiv: ein Panda auf einem Auto-Reisezug, dazu die Worte "Wir befördern auch sperriges Gepäck".

30-PS-Zweizylinder aus dem Fiat 126

Abgesehen von dem Werbekult um die Kiste war der Panda aber ein einfaches kleines Auto, dessen technische Basis sich kaum für große Anpreisungen eignete. In der Ur-Einstiegsversion werkelte zunächst der luftgekühlte Zweizylinder mit 30 PS aus dem Fiat 126. Darüber rangierte der Panda 45, dessen Vierzylinder-Aggregat 45 PS leistete. Ein weiterer Vierzylinder kam im Panda 34 mit 34 PS zum Einsatz.

Mit der Zeit folgten weitere Motoren, der Panda selbst wechselte mehrfach sein Gesicht. Als einer der ersten Schritte wurde der aus Blech mit ein paar Schlitzen gestaltete Kühlergrill durch einen aus dunklem Kunststoff ersetzt. Das kam der Optik durchaus zugute, war aber ein erster Schritt zum Aufweichen der Panda-Originalität. 1986 wurde der Wagen dann komplett überarbeitet. Der typische raue Kunststofflack auf der unteren Hälfte der Türen entfiel, das Blech wurde in Wagenfarbe lackiert. Auch die als genial gepriesene Sitzkonstruktion wich in den Spitzenmodellen "normaler" Bestuhlung.

Zwischendurch machte der Kleine aber doch noch durch neue Ideen der Techniker von sich Reden. So gab es ihn als 4x4 mit Allradantrieb, auch eine Elektroversion wurde gebaut. Abgehärtete durften sich sogar der Geräuschkulisse eines Panda Diesel erfreuen.

In Deutschland ist der Ur-Panda als Neuwagen vom Fiat-Händler schon seit Jahren Geschichte, auch aus dem Straßenbild ist er mittlerweile größtenteils verschwunden. Tatsächlich wurde er aber noch bis ins neue Jahrtausend gebaut. Die Produktion endete erst im Herbst 2002, nach insgesamt rund 4,1 Millionen Exemplaren. Es dürfte wenige Kisten geben, die auf ähnliche Produktionszahlen kommen.

Von Heiko Haupt, gms



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