Von Christoph M. Schwarzer
Der erste Eindruck: Boah, ist der hoch. Im Vergleich zum herkömmlichen Panda ist die Erdgasversion um mehr als fünf Zentimeter gewachsen. Die einfache Erklärung dafür: Der Fiat Panda Natural Power basiert auf dem Allradmodell 4x4, den das britische Automagazin "Top Gear" jüngst zum SUV des Jahres erkoren hat. In dessen Unterboden passen die Druckflaschen für das Erdgas besser rein. Dadurch genießt man in dem Gasmobil auch eine Übersicht wie in einem kleinen Geländewagen.
Das sagt der Hersteller: Fiat lässt Zahlen sprechen. Seit 1997 habe man mehr als 500.000 CNG-Autos gebaut und sei somit der in Europa führende Hersteller bei der werksseitigen Ausrüstung mit Erdgasantrieben. Das schlägt sich auch in der Umweltbilanz nieder: Mit einem Ausstoß von durchschnittlich 118 Gramm CO2 pro Kilometer ist Fiat im vergangenen Jahr bereits zum fünften Mal in Folge der Anbieter mit der emissionsärmsten Flotte in Europa, heißt es aus der Zentrale in Turin.
Das ist uns aufgefallen: Wie sparsam man mit diesem Auto unterwegs ist. Bei gelassener Fahrweise auf winterlichen Straßen verbrauchte der Panda auf 100 Kilometern 3,8 Kilogramm Erdgas in H-Qualität (das einen höheren Brennwert als das nur selten erhältliche L-Gas bietet). Das ist zwar mehr als die Werksangabe von 3,4 Kilogramm, bei einem Preis von ungefähr einem Euro pro Kilo aber immer noch billig im Vergleich zur Verbrenner-Version.
Der Erdgasantrieb lohnt sich allerdings nur langfristig: Der Aufpreis beträgt 2500 Euro, nur Vielfahrer können ihn reinholen. Und dabei sind sie auf ein Tankstellennetz angewiesen, das im Test durch Ausfälle (O-Ton eines Pächters: "Der letzte Erdgasfahrer hat den Zapfhahn kaputt gemacht") und Lückenhaftigkeit auffiel.
Angst vor dem Liegenbleiben ist trotzdem unbegründet. Nach Auskunft des Portals LPG & CNG Tankstellenverzeichnis gibt es bundesweit 912 Stationen (Anzahl herkömmlicher Tankstellen laut ADAC: rund 14.000). Wenn die zwölf Kilogramm Erdgas in den Druckflaschen verbraucht sind, schaltet der Wagen automatisch um und bedient sich der üppigen 35 Liter im Benzintank. Zum Vergleich: Der VW Eco Up bietet Platz für elf Kilo Erdgas und zehn Liter Benzin.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Zweizylindermotor des Gas-Pandas. Der 875-Kubikzentimeter-Racker bewegt den Kleinwagen zwar ganz ordentlich und arbeitet bei wenig Gas leise - unter Druck vibriert er aber und klingt wie eine Hommage an den Sound des seligen Fiat Nuova 500. Das muss man mögen - oder die Finger von diesem Panda lassen. Der italienische Zweizylindermotor wirkt mit einer Leistung von 80 PS zwar etwas müder als im Fiat 500, aber nie lahm.
Das muss man wissen: Der Fiat Panda Natural Power hat in seiner Klasse nur einen Konkurrenten, nämlich den Volkswagen Eco Up. Der Grundpreis von 15.390 Euro wirkt im Vergleich zum VW (ab 12.950 Euro) auf den ersten Blick deftig. Aber im Fiat sind vier Türen, Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Radio serienmäßig - beim Eco Up jedoch nur gegen Aufpreis zu haben. Klar abgehängt wird der Wolfsburger außerdem bei den Fahrleistungen. Für den Spurt von 0 auf 100 km/h braucht der Fiat 12,8 Sekunden, der VW dagegen 16,3.
In einer Zeit, in der das SUV-Segment boomt wie kein anderes, werden einige Kunden wohl auch zum 1500 Euro teureren Fiat Panda Trekking Natural Power greifen (ab 16.890 Euro). Aufgestockt ist das Erdgasmodell ja ohnehin, in der Trekking-Variante kommt noch die Geländeoptik dazu.
Mit dem alternativen Antrieb ist man weiterhin ziemlich exklusiv unterwegs. Zwar ist Erdgas bis 2018 steuerbegünstigt, verbrennt sauberer als Diesel oder Benzin und senkt die CO2-Emissionen - aber trotzdem wurden im Jahr 2012 bis Ende November bundesweit nur 4866 Fahrzeuge mit Erdgasantrieb neu zugelassen (Gesamtzulassungen laut KBA: knapp 2,9 Millionen). Doch so lange die Erdgas-Infrastruktur an den Tankstellen so dürftig bleibt, werden wohl weiterhin nur Altenpflegebetriebe, Pizzabringdienste und ökologische Überzeugungstäter zugreifen.
Das werden wir nicht vergessen: Die Rechnung an der Zapfsäule. Es ist ein Flashback in vergangene Zeiten, wenn zwölf Euro für einen vollen Tank reichen.
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