Von Jürgen Pander
Wenn man bei einem Wettbewerb, sagen wir mal, den fünften Platz belegt, ist es ein großer Unterschied, ob es fünf Teilnehmer gab, sechs oder 20. Wird man Fünfter von sechs Mitstreitern, wirkt das etwas positiver als wäre man Letzter. Einen vergleichbaren Eindruck erweckte der Autobauer VW auf seiner Internetseite. Die Wolfsburger haben die gesetzliche Effizienz-Klassifizierung von A+ bis G freihändig um die Klasse H erweitert. Das hat zur Folge, das VW-Modelle scheinbar besser abschneiden als es eigentlich der Fall ist. Der VW Phaeton mit V8-Benziner und 335 PS beispielsweise schluckt im Schnitt 12,5 Liter Sprit je 100 Kilometer und landet damit in der letzten, tiefrot gefärbten Kategorie G. So steht es auch auf der VW-Internetseite, nur wirkte es dort bis vor kurzem anders. Denn die VW-Skala reichte da noch bis H, was dem Phaeton den etwas schmeichelhafteren vorletzten Platz verschaffte.
"Volkswagen täuscht die Verbraucher auf dreiste Weise über die Energieeffizienz seiner Fahrzeuge. Mit der Verzerrung der Effizienztabelle versucht der Wolfsburger Konzern die insgesamt schlechte Energieeffizienz vieler seiner Modelle zu relativieren", sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Weil die Darstellung von VW nicht den Vorgaben der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung für Pkw entsprach, hatte die DUH den Automobilkonzern zu einer Unterlassungserklärung aufgefordert. Die irreführenden Effizienzskalen waren in sämtlichen technischen Datenblättern auf der Internetseite des Unternehmens abgebildet.
Bei VW geht die Tabelle bis H, bei Skoda richtigerweise nur bis G
Die Erweiterung der Klassifizierung bis zum Buchstaben H war übrigens ein reines VW-Phänomen. Die tschechische Konzerntochter Skoda beispielsweise setzt auf ihrer Webseite eine korrekte Tabelle von A+ bis G ein. Bei Seat wiederum findet man in den Listen mit den technischen Daten der Fahrzeuge gar nicht die komplette Effizienzskala, sondern einfach nur einen Buchstaben, etwa C oder E. "Das halte ich für rechtswidrig, denn ohne die dazugehörige Tabelle ist eine Klassifizierung nahezu wertlos für den Verbraucher", sagt Remo Klinger von der Berliner Kanzlei Geulen & Klinger, der unter anderem auch die DUH vertritt.
Dass ein Autohersteller eine ohnehin schon industriefreundliche Regelung nochmals zu seinen Gunsten zu verändern sucht, erscheint höchst merkwürdig. Denn bei der von Umweltverbänden und vielen Experten massiv kritisierten Effizienzklassifizierung für Neuwagen wird der Spritverbrauch und damit der CO2-Ausstoß in ein Verhältnis zum Fahrzeuggewicht gesetzt. Je nach Masse wiederum gelten unterschiedliche, vom Gesetzgeber festgelegte CO2-Referenzwerte. Je nach dem, ob und wie stark der Referenzwert unter- oder überboten wird, erfolgt die Einteilung eines Autos in die Effizienzklassen von A+ (sehr effizient und schadstoffarm) bis G (weder effizient noch schadstoffarm).
VW erklärt die zusätzliche Effizienzklasse mit "rein menschlichem Versagen"
Industriefreundlich ist die Regelung deshalb, weil beispielsweise ein mehr als zwei Tonnen schwerer Audi Q7 mit knapp 200 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer die Effizienzklasse B (hellgrün) erreicht, während ein Smart oder ein VW Polo mit weniger als 90 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer die Klassifizierung C (grüngelb) erhalten.
Angesprochen auf die unkorrekte Klassifizierung sagte ein VW-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE, es handle sich "um rein menschliches Versagen. Wir entschuldigen uns und sind schon dabei, den Fehler zu beheben." Dass es nicht um eine mutwillige Veränderung gehe, könne man schon daran erkennen, dass in den Handelsbetrieben sämtliche Fahrzeuge mit der korrekten Effizienztabelle ausgezeichnet seien.
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