Fingierte Effizienztabelle: VW trickst beim Öko-Label

Von Jürgen Pander

Acht Effizienzklassen von A+ bis G sollen seit 1. Dezember mehr Transparenz für Autokäufer bringen. Bei VW ist das anders: Auf der Webseite des Herstellers reichte die Tabelle bis zur frei erfundenen Effizienzklasse H - und verzerrte so den Eindruck. Die Firma spricht von "menschlichem Versagen".

Effizienzklassen: VW erfindet neue Klassifizierung H Fotos

Wenn man bei einem Wettbewerb, sagen wir mal, den fünften Platz belegt, ist es ein großer Unterschied, ob es fünf Teilnehmer gab, sechs oder 20. Wird man Fünfter von sechs Mitstreitern, wirkt das etwas positiver als wäre man Letzter. Einen vergleichbaren Eindruck erweckte der Autobauer VW auf seiner Internetseite. Die Wolfsburger haben die gesetzliche Effizienz-Klassifizierung von A+ bis G freihändig um die Klasse H erweitert. Das hat zur Folge, das VW-Modelle scheinbar besser abschneiden als es eigentlich der Fall ist. Der VW Phaeton mit V8-Benziner und 335 PS beispielsweise schluckt im Schnitt 12,5 Liter Sprit je 100 Kilometer und landet damit in der letzten, tiefrot gefärbten Kategorie G. So steht es auch auf der VW-Internetseite, nur wirkte es dort bis vor kurzem anders. Denn die VW-Skala reichte da noch bis H, was dem Phaeton den etwas schmeichelhafteren vorletzten Platz verschaffte.

"Volkswagen täuscht die Verbraucher auf dreiste Weise über die Energieeffizienz seiner Fahrzeuge. Mit der Verzerrung der Effizienztabelle versucht der Wolfsburger Konzern die insgesamt schlechte Energieeffizienz vieler seiner Modelle zu relativieren", sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Weil die Darstellung von VW nicht den Vorgaben der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung für Pkw entsprach, hatte die DUH den Automobilkonzern zu einer Unterlassungserklärung aufgefordert. Die irreführenden Effizienzskalen waren in sämtlichen technischen Datenblättern auf der Internetseite des Unternehmens abgebildet.

Bei VW geht die Tabelle bis H, bei Skoda richtigerweise nur bis G

Die Erweiterung der Klassifizierung bis zum Buchstaben H war übrigens ein reines VW-Phänomen. Die tschechische Konzerntochter Skoda beispielsweise setzt auf ihrer Webseite eine korrekte Tabelle von A+ bis G ein. Bei Seat wiederum findet man in den Listen mit den technischen Daten der Fahrzeuge gar nicht die komplette Effizienzskala, sondern einfach nur einen Buchstaben, etwa C oder E. "Das halte ich für rechtswidrig, denn ohne die dazugehörige Tabelle ist eine Klassifizierung nahezu wertlos für den Verbraucher", sagt Remo Klinger von der Berliner Kanzlei Geulen & Klinger, der unter anderem auch die DUH vertritt.

Dass ein Autohersteller eine ohnehin schon industriefreundliche Regelung nochmals zu seinen Gunsten zu verändern sucht, erscheint höchst merkwürdig. Denn bei der von Umweltverbänden und vielen Experten massiv kritisierten Effizienzklassifizierung für Neuwagen wird der Spritverbrauch und damit der CO2-Ausstoß in ein Verhältnis zum Fahrzeuggewicht gesetzt. Je nach Masse wiederum gelten unterschiedliche, vom Gesetzgeber festgelegte CO2-Referenzwerte. Je nach dem, ob und wie stark der Referenzwert unter- oder überboten wird, erfolgt die Einteilung eines Autos in die Effizienzklassen von A+ (sehr effizient und schadstoffarm) bis G (weder effizient noch schadstoffarm).

VW erklärt die zusätzliche Effizienzklasse mit "rein menschlichem Versagen"

Industriefreundlich ist die Regelung deshalb, weil beispielsweise ein mehr als zwei Tonnen schwerer Audi Q7 mit knapp 200 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer die Effizienzklasse B (hellgrün) erreicht, während ein Smart oder ein VW Polo mit weniger als 90 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer die Klassifizierung C (grüngelb) erhalten.

Angesprochen auf die unkorrekte Klassifizierung sagte ein VW-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE, es handle sich "um rein menschliches Versagen. Wir entschuldigen uns und sind schon dabei, den Fehler zu beheben." Dass es nicht um eine mutwillige Veränderung gehe, könne man schon daran erkennen, dass in den Handelsbetrieben sämtliche Fahrzeuge mit der korrekten Effizienztabelle ausgezeichnet seien.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schummeln als Volks(wagen) sport
evi_drin 07.12.2011
... und guttenbergen als Bildungsmethode. Die Christgelben haben doch echt was bewegt in diesem Land.
2. Effizienz ist Energie/Personenkilometer, nicht Energie/Fahrzeugkilo je kilometer
vpri 07.12.2011
Ich finde, dass diese Klassifizierung nicht genutzt werden sollte, da sie den Verbraucher taeuscht. Sie gibt vor, dass sie die Effizienz eines Autos beim Personentransport misst, aber leider misst sie die Effizienz des Autos beim Autotransport. - Das Effizienslabel sollte eindeutig nach Energie/Personenkilometer und nicht nach Energie/Fahrzeuggewicht vergeben werden.
3. Warum wird in den Effizenzklassen...
Faxrolle 07.12.2011
Warum wird in den "Effizenzklassen" nicht die echte Effizienz der Autos gemessen? Also, wie efizient wandelt der Motor den Sprit in Leistung um? Das was hier gemessen wird ist einfach nur der Verbrauch im Verhältnis zum Gewicht. Das bedeutet, dass ein billiger 55-PS Lada mit einem total ineffizientem Motor und dem cw-Wert eines Wandschranks eine bessere Effizienz bescheinigt wird als dem im Artikel genannten Phaeton mit 330PS und einem High-Tech Triebwerk. Rechnet man KW pro Liter Benzin müssten die Ergebnisse völlig anders aussehen. Das ist so als ob man eine Cessna (2-Sitzer) mit einem Kampfjet (2-Sitzer) vergleicht und sich beschwert, dass der Eurofighter mehr Kerosin braucht.
4. Etwas übertrieben...
hbm-1225721851201 07.12.2011
Etwas übertrieben finde ich es schon, einen offensichtlichen Flüchtigkeitsfehler als Absicht anzulasten. So plump würde ein Großkonzern sicher nicht versuchen zu täuschen, ist ja klar, dass soetwas auffliegt. Außerdem finde ich es missverständlich die zugegebenermaßen suboptimale Gewichtabhängigkeit der Abgasregulierung in diesem Artikel derart einzuweben. Es entsteht der Eindruck, diese Regulierung würde vom Hersteller herausgegeben, statt vom Gesetzgeber. Ob zwischenzeitlich tausende BMW-Käufer aufgrund der vorliegenden Information auf VW umgeschwenkt sind, da der Phaeton nun als Spritsparmeister propagiert wird, wage ich zu bezweifeln. Ebenso wie das Titelseiten-Potenzial oder die Objektivität dieser Story.
5. Weil auch das...
su27 07.12.2011
Zitat von FaxrolleWarum wird in den "Effizenzklassen" nicht die echte Effizienz der Autos gemessen? Also, wie efizient wandelt der Motor den Sprit in Leistung um? Das was hier gemessen wird ist einfach nur der Verbrauch im Verhältnis zum Gewicht. Das bedeutet, dass ein billiger 55-PS Lada mit einem total ineffizientem Motor und dem cw-Wert eines Wandschranks eine bessere Effizienz bescheinigt wird als dem im Artikel genannten Phaeton mit 330PS und einem High-Tech Triebwerk. Rechnet man KW pro Liter Benzin müssten die Ergebnisse völlig anders aussehen. Das ist so als ob man eine Cessna (2-Sitzer) mit einem Kampfjet (2-Sitzer) vergleicht und sich beschwert, dass der Eurofighter mehr Kerosin braucht.
Weil auch das nichts über die Effizienz des Autos aussagt, sondern -- wie Sie ja selbst schreiben -- nur etwas über die Effizienz des Motors. Bauen Sie einen moderneren Motor in den Lada ein, wird dieser wohl auch effizienter werden. Machen Sie die Lada-Karosserie aus Blei, dann wird er wohl wieder an Effizienz verlieren. Als Verbraucher interessiert mich in erster Linie, wie effizient mein Auto mich, andere Personen und evtl. dazu noch eine Fracht von A nach B bringt. Und da ist die sinnvollste Einheit -- wie schon ein User zuvor schrieb: Personenkilometer. Oder mit Fracht dann eben der Verbrauch pro kg Zuladung.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Autoindustrie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 22 Kommentare

Aktuelles zu