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95.000-Euro-Knöllchen: Die spinnen, die Finnen

Geschwindigkeitsmessgerät: Finnland hat extrem hohe Bußgelder Zur Großansicht
DPA

Geschwindigkeitsmessgerät: Finnland hat extrem hohe Bußgelder

Noch vor wenigen Tagen ächzten die Deutschen unter dem Blitz-Marathon. Aber der war nichts gegen die Bußgeld-Regeln in Finnland. Dort zahlte ein Industrieller jetzt 95.000 Euro, weil er 27 km/h zu schnell fuhr.

Hamburg - Zack, da war es passiert. Ein Blitz, ein Foto - und kurz darauf war das Konto von Anders Wiklöf um 95.000 Euro leerer. "Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich zu schnell gewesen sein soll", sagte der finnische Industrielle nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Wiklöf war mit seinem Auto in eine Radarfalle gerast. Anstelle der in der Ortschaft erlaubten Tempo 50 fuhr er mit seinem Wagen 77 km/h.

Was in Deutschland mit 100 Euro Bußgeld, 23,50 Euro Bearbeitungsgebühr und drei Punkten in Flensburg geahndet wird, kann in Finnland deutlich teurer zu stehen kommen. Dort richtet sich das Bußgeld für Verkehrsvergehen nämlich nach dem persönlichen Einkommen. Wiklöf ist einer der reichsten Finnen, entsprechend heftig war seine Strafe.

Debatte über "Zusatzsteuer für Reiche"

Diese Praxis hat in der Vergangenheit immer wieder zu Horror-Knöllchen geführt. So musste Formel-1-Rennfahrer Kimi Räikkönen vor acht Jahren 30.000 Euro Strafe zahlen, weil er bei einer Polizeikontrolle keine Papiere für seinen Bootsanhänger vorweisen konnte. Außerdem fehlten ihm die zusätzlichen Außenspiegel für das Fahrzeuggespann.

Wiklöfs Fall hat in Finnland zu heftigen Diskussion geführt. Gegner der Luxus-Knöllchen sehen in den einkommensabhängigen Bußgeldern "eine Art Zusatzsteuer für Reiche", sagte Matti Tolvanen, Professor für Kriminalrecht, der finnischen Boulevardzeitung "Ilta-Sanomat". Außerhalb von Finnland verstehe das niemand. Wiklöf selbst ärgerte sich ebenfalls über die Staatsgier. Dem Lokalblatt "Ålandstidning" sagte der Unternehmer, er hätte die 95.000 Euro lieber einem Krankenhaus oder Kindergarten gespendet.

mhu

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
D.Fronath 16.10.2013
Zitat von sysopDPANoch vor wenigen Tagen ächzten die Deutschen unter dem Blitz-Marathon. Aber der war nichts gegen die Bußgeld-Regeln in Finnland. Dort zahlte ein Industrieller jetzt 95.000 Euro, weil er 27 km/h zu schnell fuhr. Finnland: 95.000 Euro hohes Bußgeld für Anders Wiklöf - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/finnland-95-000-euro-hohes-bussgeld-fuer-anders-wikloef-a-928244.html)
Ich bin außerhalb Finnlands und verstehe die Reglung trotzdem. Über die Höhe des Bußgeldes in absoluten Zahlen mag man streiten können, aber das Prinzip der einkommensabhängigen Strafe finde sehr gerechtfertigt.
2. Es soll ja weh tun.
birnstein 16.10.2013
Was ist daran schlim? Soll es nur den unteren Schichten weh tun, wenn sie zu schnell fahren und die Reichen lachen darüber? So etwas sollte man hier auch einführen. Das Geld kann dann ja immer noch wohltätigen Zwecken zugeführt werden. Und wenn der Herr noch nicht mal merkt, dass er in einer geschlossenen Ortschaft fast 30km/h zu schnell ist, dann sind 95000€ noch zu wenig. Was ist, wenn er jemand tot fährt, weil er auf Grund der Geschwindigkeit nicht mehr rechtzeitig zum Stehen kommt?
3. Sehr richtig, wie die Finnen das regeln...
ruthteibold-wagner 16.10.2013
"Dort richtet sich das Bußgeld für Verkehrsvergehen nämlich nach dem persönlichen Einkommen." Das wäre ein gutes Vorbild für unser System. Denn es ist völlig unverständlich, warum bei uns jemand, der Millionen-Einkommen hat, für ein Vergehen die selbe Strafe zahlen soll wie jemand, der Hartz-IV bezieht. Diese Form der "Gleichheit" hat mit allem, nur nichts mit Gleichheit vor dem Gesetz zu tun. Gleichheit vor dem Gesetz ist die Grundlage der Gerechtigkeit. Millionäre sollen RELATIV so viel Strafe zahlen wie arme Schlucker. Das ist gerecht.
4.
Der_Widerporst 16.10.2013
Nun, dann müßte nach der gleichen Logik ein Milliardär der zig Millionen Steuern hinterzieht so milde bestraft werden wie ein Normalangestellter, der ein paar km zuviel beim Weg zur Arbeit angibt. Ist dem in Finnland so? Wohl kaum! Die Gier des Staates nach Einnahmequellen ist unersättlich. Besonders abstoßend ist, dass so getan wird als ginge es in Wahrheit um die Verkehrssicherheit - dem ist nicht so!
5. warum spiinen die Finnen?
hgg66 16.10.2013
ich finde diese Regelung gut, dass das Bußgeld einkommensabhängig ist
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