Mobilität So viel kostet ein Abo fürs Auto

Jeden Tag ein neues Auto - immer mehr Anbieter locken Kunden mit Auto-Flatrates, auch in Deutschland. Ein Vergleich zeigt: Mit einigen Pkw-Abos kann man viel Geld sparen.

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Was beim Handyvertrag oder Streamingdiensten längst Normalität ist, könnte demnächst auch in der Autobranche zum neuen Standard werden: das Abo. Verschiedene Start-ups bieten heute schon Auto-Flatrates an, bei denen alles im Preis inbegriffen ist, außer dem Sprit. Zunehmend erwärmen sich auch Autovermieter und die Hersteller selbst für das Businessmodell.

Das sieht in der Regel so aus: Für einen monatlichen Festbetrag hat der Kunde die Wahl zwischen verschiedenen Modellen einer Marke und kann das Fahrzeug bei Bedarf gegen ein anderes Modell tauschen. Wie oft das Fahrzeug gewechselt werden kann, hängt dabei vom Anbieter ab. Je häufiger getauscht werden soll, desto teurer allerdings werden die monatlichen Raten in der Regel. Leistungen wie Wartung, Reifenwechsel, Reparaturen oder die Hauptuntersuchung sind im Paket enthalten. Und im Gegensatz zu Leasing-Fahrzeugen müssen sich die Abonnenten nicht auf ein Modell festlegen, dessen Vertrag oft mehrere Jahre läuft.

Flexible Mobilität immer wichtiger

Laut einer Studie der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt ein Viertel der Deutschen Interesse an einer Auto-Flatrate. "Die Kunden sind gerade erst dabei, sich an den Gedanken eines Auto-Abos zu gewöhnen", sagt Studienautor Joachim Deinlein. "Es gibt im Alltag aber einen generellen Trend, Dinge über Abos zu beziehen. Und in der Autoindustrie spielt das Thema von Autobesitz hin zu geteilter und flexibler Mobilität eine immer wichtigere Rolle", so Deinlein. Demnach könnten sich viele Autofahrer vorstellen, lieber monatlich eine Rate für ein Abo zu zahlen und je nach Tätigkeit ein anderes Modell zu wählen, anstatt pauschal ein Auto zu unterhalten.

Noch ist das Angebot solcher Abos in Deutschland überschaubar. Mercedes ist der derzeit einzige deutsche Hersteller, der hierzulande ein Abo-Modell über einen Händler in Nordrein-Westfalen anbietet. Die monatliche Rate beträgt zwischen 750 Euro, beispielsweise für eine A-Klasse, und 1800 Euro für eine S-Klasse. Jährlich macht das also eine Summe zwischen 9000 und 21.600 Euro.

Das Fahrzeug kann bei Mercedes jeden Monat via App getauscht werden. Nach einer Laufzeit von drei Monaten ist das Abo zudem monatlich kündbar. Wer die Selbstbeteiligung von 2500 Euro bei Vollkaskoversicherung auf null Euro reduzieren will, muss allerdings 161 Euro extra zahlen.

Für wen lohnt sich das Auto-Abo?

Aber lohnt sich das? Das zeigt ein Vergleich der Gesamtbetriebskosten, der sogenannten Total Costs of Ownership (TCO). Diese gibt der Automobilclub ADAC, um beim Beispiel der A-Klasse zu bleiben, mit 695 Euro an - bei einer Haltedauer von 60 Monaten, 15.000 Kilometer jährlicher Fahrleistung und inklusive Spritkosten. Das sind zwar 55 Euro weniger als die monatliche Rate, die Mercedes im Abo verlangt, allerdings kann das Fahrzeug dort auch jeden Monat gewechselt werden und hat eine inklusive Laufleistung von 36.000 Kilometern.

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Auch Cadillac bietet ein Abo-Modell in Deutschland an. Darin enthalten ist sogar ein unbegrenzter Fahrzeugaustausch - theoretisch könnte man also jeden Tag ein anderes Auto fahren. Pro Monat kostet das Abo 1700 Euro. Wer sich von vornherein auf drei beziehungsweise sechs Monate festlegt, zahlt 1600 beziehungsweise 1500 Euro - unabhängig davon, ob sich der Kunde für die Limousine, das SUV oder den schnellen Sportwagen entscheidet.

Die Vollkasko ohne Selbstbeteiligung ist bei Cadillac schon enthalten, und die Kilometer sind unbegrenzt. Ein weiterer Fahrer kostet dann aber 500 Euro extra. Das Fahrzeug kann mit 48 Stunden Vorlauf per App bestellt werden und wird dann von einem Fahrer vor die Haustür gebracht.

Start-ups bieten Auto-Abos oft günstiger an

Doch die Autohersteller bekommen Konkurrenz. Start-ups und klassische Autovermieter drängen ebenfalls mit Auto-Abos auf den Markt. Sie haben den Vorteil, dass sie markenübergreifend Modelle im Angebot haben und oft auch deutlich günstiger sind.

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Beim Start-up Cluno kann das Fahrzeug zwar nur alle sechs Monate getauscht werden, dafür gibt es die Flat bereits ab 259 Euro, beispielsweise für einen Opel Corsa. Für dieses Modell berechnet der ADAC die TCO mit 449 Euro - deutlich mehr also als beim Auto-Abo. Im Paketpreis sind 1250 Freikilometer pro Monat (somit 15.000 Kilometer pro Jahr) enthalten. Wer mehr fährt, zahlt 20 Cent für jeden weiteren Kilometer. Außerdem wird eine einmalige Anmeldegebühr von 299 Euro fällig.

Beim Unternehmen Like2drive beginnt die Flatrate schon bei 199 Euro für einen Mitsubishi Spacestar (TCO laut ADAC: 354 Euro) mit 17.000 Freikilometern. Hier kann das Fahrzeug erst nach Ablauf der Mindestvertragszeit von einem Jahr gewechselt werden, eine Anmeldegebühr gibt es nicht.

Abo richtet sich nach Fahrertyp

Wer einfach nur von A nach B kommen will, ohne sich ein eigenes Auto zu kaufen, ist mit den Start-ups deutlich günstiger unterwegs als mit den etablierten Herstellern. Zusätzlich richtet sich das individuell beste Angebot auch nach der jährlichen Fahrleistung. Wer allerdings gern regelmäßig ein anderes Modell fahren will, muss dafür tiefer in die Tasche greifen. Alle Abos haben aber den Vorteil, dass Anschaffungs- und Versicherungskosten und der Aufwand für Reparatur entfallen.

Strategieberater Deinlein sieht aber noch Optimierungsbedarf bei den Abos: "Viele Kunden wünschen sich ein solches Abo in Verbindung mit anderen Mobilitätsformen, also idealerweise ÖPNV, Carsharing oder Freiminuten für das Taxi". Statt ausschließlich Autos müssten die Hersteller künftig ein flexibles Mobilitätspaket anbieten.



insgesamt 153 Beiträge
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issodu 24.02.2019
1. Ob das sinvoll ist...
Die Raten von Mercedes ab 750 Euro und z.B. Cadillac ab 1500 Euro sind dermaßen hoch, dass sich das wohl nur wenige Menschen leisten können. Für die meisten Leute ist dann ein Gebrauchtwagenkauf oder ein Leasingangebot wahrscheinlich sinnvoller. Zumal man, wennman das Auto kauft,ersteinmal ja auch einen Gegenwert hat, den man verkaufen kann bzw. der durch die Vollkaskoversicherung am Anfang gut geschützt wird vor Schäden anderer. Und dieses Abomodell bei einem Gegenstand, für dessen Produktion viel Energie, Arbeitsstunden und Rohstoffe gebraucht werden, find ich auch ein bisschen Umweltschädlich. Da sich andererseits wenig Leute das so leisten können, außer bei den Start-ups (wenn die denn finanziell so überleben können).
muekno 24.02.2019
2. 750 EUR + 161 Minimum für ne A Klasse
Da will ich aber ein vergoldetes Lenkrad und eine Chauffeur dazu. Für über 900 EUR im Monat kann ich mir das tollste Auto leisten, oder 2-3 normale für die unterschiedlichsten Zwecke und mit Saisonzulasung 1 alljahres und je 2-3 Sommer Winter Autos. Rechnen Sie doch mal die all inklusive Leasing Angebote ohne Anzahlung verschiedener Hersteller. Jeder besser als die mistige Aahhh-Klasse. Wo bitte soll ich da Geld sparen. Ich habe 2 Autos eine normalen PKW und eine Bus, die kosten mich im Monat im Schnitt nicht ein Drittel.
masterbird 24.02.2019
3. Muahahaha...
750 Tacken für eine A-Klasse im Monat??? Ich lach mich tot... brauche ich für eine Familie natürlich... oder warte... damit wirds schwierig.. brauche dann lieber einen Kombi... die womöglich 1300 Euro plus Sprit zahle ich als Familienvater ja aus der Portokasse... ich lach mich kaputt!
wiescheid 24.02.2019
4. Klingt echt spannend, aber...
... wenn ich bei uns bedenke, dass wir normalerweise junge gebrauchte Autos kaufen, ich bei der Versicherung bei 40% bin, dann gehe ich davon aus, dass unsere TCO deutlich geringer ist und die Angebote daher für uns weniger attraktiv sind. Aber die Idee finde ich dennoch genial, gerne aber auch mit den angesprochenen Ergänzungen um ÖPNV, Taxi, etc.
fehleinschätzung 24.02.2019
5. 12x750=11.400?
Wenn ich rechne, kommt da was anderes raus....
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