Flensburger Sündenregister: Die Zeit heilt alle Punkte

Drei Viertel aller Autofahrer haben einen Eintrag in der Flensburger Verkehrssünderkartei - doch wie wird man den wieder los? Wer nicht warten möchte, bis die Punkte verfallen, kann durch einen Seminarbesuch bis zu vier Zähler tilgen.

"Am besten ist es, man hat keine Punkte in Flensburg", meint der Kornwestheimer Verkehrsanwalt Michael Winter. Doch von diesem Idealfall sind über 8,4 Millionen Autofahrerinnen und -fahrer mehr oder weniger weit entfernt. Ihr Konto im Verkehrszentralregister (VZR) zu Flensburg weist Eintragungen auf.

Führerscheine: Der Flensburger Club hat viele Mitglieder
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Führerscheine: Der Flensburger Club hat viele Mitglieder

Die meisten in der sogenannten Verkehrssünderkartei registrierten Personen, nämlich 75 Prozent, haben einen bis sieben Punkte, knapp sechs Prozent mehr als sieben und 0,9 Prozent 14 oder mehr Punkte. Dabei sind Männer vier Mal so häufig eingetragen wie Frauen, weiß der Chef des Kraftfahrt-Bundesamtes, Ekhard Zinke. Mehr als die Hälfte der Männer wie der Frauen waren zu schnell unterwegs. Während Männer wesentlich häufiger angetrunken am Steuer auffallen, missachten Frauen relativ oft die Vorfahrt.

Erreicht der Punktestand ein gefährliches Maß, sind Gegenmaßnahmen erforderlich, sonst gerät die Fahrerlaubnis in akute Gefahr. Einmal unterwegs das Handy am Ohr gehabt, einmal den abgefahrenen Reifen übersehen, schon sind vier Punkte beisammen. "Aktiv die Punkte in Flensburg tilgen - das geht", erläutert ADAC-Fachmann Paul Sklorz. Viele Fahrschulen, aber auch Sachverständigenorganisationen wie etwa der TÜV bieten hierzu Seminare an.

Gut investiertes Geld

So haben Verkehrssünder mit bis zu acht Punkten auf dem Konto die Chance, vier Zähler zu tilgen. Bei 9 bis 13 Punkten sind es noch zwei. Wichtig dabei: Die Führerscheinstelle muss binnen drei Monaten über das absolvierte Seminar in Kenntnis gesetzt werden. Für Fahrer mit 14 bis 17 Punkten ist der Kurs verpflichtend. "Bei Nichtteilnahme wird die Fahrerlaubnis entzogen - eine Neuerteilung findet erst statt, wenn der Betroffene den Besuch des Seminars nachweisen kann", erklärt Anwalt Winter. Die Kosten für die Seminare betragen jeweils 250 bis 300 Euro.

Vorrangiges Ziel des Nachsitzens für Erwachsene ist es, die Einstellung der Teilnehmer zum Verhalten im Straßenverkehr zu ändern; das Risikobewusstsein soll gefördert und die Gefahrenerkennung verbessert werden. "Ein solches Seminar wird in Gruppen mit mindestens sechs jedoch höchstens zwölf Teilnehmern durchgeführt", erläutert Winter.

Es besteht aus einem Kurs mit vier Sitzungen von jeweils 135 Minuten Dauer - diese sind in einem Zeitraum von zwei bis vier Wochen abzuleisten. Zwischen der ersten und zweiten Sitzung findet eine Fahrprobe statt, mindestens 30 Minuten lang. Flankiert von Gruppengesprächen, der Verhaltensbeobachtung in der Fahrprobe, der Analyse problematischer Verkehrssituationen sowie durch weitere Informationsvermittlung werde das Ziel "sicheres und rücksichtsvolles Fahrverhalten" angestrebt.

Die Zeit tilgt alle Punkte

Wem das zu teuer oder zu aufwändig ist, der kann zwei Jahre warten, bis die Punkte automatisch verfallen. Kommt es jedoch innerhalb dieser Zeit zu weiteren Verstößen, werden alle vorhandenen Punkte erst nach Ablauf der Tilgungsfrist des letzten Eintrages gelöscht. Außer bei Alkohol- und Drogendelikten oder anderen schweren Taten bleibt ein Punkt maximal fünf Jahre lang in der Datenbank gespeichert. Den aktuellen Stand seiner Punkte kann jeder Autofahrer beim Verkehrszentralregister in Flensburg kostenlos auf schriftlichen Antrag erfragen.

Eingetragen werden die Ordnungswidrigkeiten und Straftaten übrigens erst mit Rechtskraft des Bußgeldbescheides oder der gerichtlichen Entscheidung. Sofern durch eine Tat mehrere Verstöße begangen wurden wird nur das schwerste Delikt bepunktet. Ein Beispiel wäre ein drängelnder Raser, der stockbetrunken ist. Dagegen werden die Punkte zusammengezählt, wenn mehrere Verstöße durch verschiedene Einzeltaten (Tatmehrheit) verwirklicht wurden, beispielsweise zwei Geschwindigkeitsverstöße im Abstand mehrerer Stunden.

Norbert Michulsky, ddp

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